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Meinung
12/12/2019

Green Deal: Die Utopie als letzter Rettungsanker

Die Klimakrise schreitet voran, das Artensterben ebenso, der Meeresspiegel steigt messbar. Wir vergiften unsere Umwelt oder betonieren sie zu.

von Bernhard Gaul

Erst vor wenigen Tagen sagte der Chef der EU-Umweltagentur, dass es jetzt um nichts weniger gehe als „Herausforderungen beispiellosen Ausmaßes und noch nie da gewesener Dringlichkeit“. UNO-Generalsekretär António Guterres fleht die Staatenlenker an, den „Krieg gegen den Planeten“ endlich zu beenden.

Das alles wird nur schulterzuckend hingenommen, der noch bis Freitag in Madrid abgehaltenen 25. Klimakonferenz droht ein ergebnisloses Fiasko. Da passt ein weiterer negativer Höhepunkt ins Bild: Beim Börsegang der Ölfirma Saudi Aramco konnten eineinhalb Prozent der Firma um 26 Milliarden Dollar verkauft werden.

Das soll jetzt kein Scherz sein: Hoffnung gibt der Plan der neuen EU-Kommission unter Ursula von der Leyen. Sie stellte in Brüssel den „European Green Deal“ vor. Der verlangt eine Vollbremsung der bisherigen Art zu wirtschaften und eine Transformation unserer Volkswirtschaften und verspricht, dass das sozial verträglich und ein Jobmotor sein kann. Mit Schlagwörtern wie „Kreislaufwirtschaft“, „Grüne Energien“, „Nachhaltigkeit“ in allen Bereichen. Und Klimaneutralität bis 2050.

Das klingt utopisch. Vor allem wenn, wie von der Leyen sagt, ihr Deal das „Leben und die Gesundheit der Menschen verbessern“, Flora und Fauna beschützen, und den „kommenden Generationen einen gesunden Planeten“ hinterlassen soll. Oder ist vielleicht doch der Glaube, wie bisher weitermachen zu können, die eigentliche Utopie? Dann ist der grüne Deal tatsächlich unser letzter Rettungsanker.