Sind Schulbücher besser als ihr Ruf?
Linksideologische Umerziehung, stereotype Narrative, zu negative Standpunkte, klassenkämpferische Inhalte ...“ In letzter Zeit häuft sich die Kritik an Schulbüchern, die Bildungsmedienverlagen über Medien ausgerichtet wird.
Bildungsmedien, die über die Schulbuchaktion an Österreichs Schulen landen, werden nach den Vorgaben der Lehrpläne erstellt und von Begutachtungskommissionen des Bildungsministeriums auf Lehrplankonformität und viele weitere Kriterien wie Gleichstellung, sprachliche Richtigkeit oder Adäquatheit für Schüler*innen überprüft. Dass nicht jedes Thema in der wünschenswerten Ausführlichkeit Eingang finden kann, sondern Schüler*innen eine begrenzte Schulzeit und je nach Alter variierende Aufnahmefähigkeit haben, dürfte für die meisten verständlich sein.
Philipp Nussböck.
Regelmäßig kritisieren jedoch Vertreter*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik oder Zivilgesellschaft, ihr Thema komme in Schulbüchern zu kurz oder werde nicht angemessen dargestellt. Wir als Verlage freuen uns, wenn wir aus der Öffentlichkeit und aus Fachkreisen Hinweise auf eventuelle Fehler oder nicht ideale Darstellungen bekommen. Trotz größter Sorgfalt und gewissenhafter staatlicher Approbation können diese gelegentlich vorkommen – und wir sind stets daran interessiert, sie rasch zu korrigieren.
Allerdings werden diese Themen häufig sehr vehement in die mediale Öffentlichkeit gebracht, ohne zumindest parallel dazu in Kontakt mit den Verlagen zu treten. Dadurch entsteht oft der Eindruck, dass manche Akteure an einem konstruktiven Dialog und einer Korrektur entsprechender Darstellungen gar nicht so stark interessiert sind. Zudem wird meist nicht unterschieden, wofür tatsächlich Verlage zuständig sind und was den Vorgaben der Schulbuchaktion entspringt. Oft werden gezielt ältere, bereits auslaufende Schulbücher oder veraltete Befragungen herangezogen. Das lässt sich medial besser verkaufen, ein realistisches, aktuelles Bild vermittelt es jedoch nicht.
Allen werden wir es dabei nicht recht machen können: Natürlich haben Interessenvertretungen und Parteien ganz eigene Wünsche, was in Schulbüchern stehen soll. Mitunter treffen auch widersprüchliche Vorwürfe aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander, etwa in Hinblick auf Geschlechterrollen oder nicht-heteronormative Lebensrealitäten. Während die einen ideologische Beeinflussung durch progressive Inhalte befürchten, kritisieren andere, dass stereotype Narrative noch immer zu präsent seien. Die einen befinden, dass Klimawandel zu wenig thematisiert wird, andere bemängeln, dass Klima-Themen überhaupt dargestellt werden. Bildungsmedien stehen also im Spannungsfeld sehr unterschiedlicher gesellschaftlicher Erwartungen. Vielleicht ist es für die Ausgewogenheit von Schulbüchern also im Endeffekt ein gutes Zeugnis, wenn sie keiner Partei oder Interessenvertretung hundertprozentig gefallen.
Abgesehen davon, dass das ohnehin staatliche Vorgabe für Bildungsmedien ist: Wir im öbv halten es auch für richtig, dass Bildungsmedien gesellschaftliche Vielfalt diskriminierungsfrei darstellen.
Zum Autor:
Philipp Nussböck ist Geschäftsführer des Bildungsmedienverlags öbv.
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