© Netzwerk Kinderrechte

Meinung Gastkommentar
12/21/2021

Zu Weihnachten rechnen viele Familien besonders intensiv nach

Niemand ist schuld daran, dass Kinder Geld kosten, am wenigsten sie selbst

Fragen Sie Ihre Kinder doch gleich einmal, was sie unter „Kinderkosten“ verstehen! Meine familieninterne frühmorgendliche Blitz-Studie in den Altersklassen 11, 14 und 18 Jahre hat ein gemeinsames Ergebnis zu Tage gebracht: „Das ist das Geld, das Eltern für ihre Kinder ausgeben müssen. Für Essen, Schuhe, Gewand, ein Bett, einen Kasten, überhaupt für ein Zuhause, für die Schule, für alles, was du unternehmen willst, kannst ja nicht den ganzen Tag nur drinnen hocken, also ins Kino gehen, Sport machen, für das Taschengeld, und vielleicht auch für ein Haustier oder für Geschenke, zum Geburtstag und jetzt zu Weihnachten.“

Kinder und Jugendliche wissen sehr genau, dass sie Mama und Papa Geld kosten. Aber wie viel? Die monetäre Höhe wurde jüngst das erste Mal seit 1964 (nach 57 Jahren!), in der sogenannten „Kinderkostenstudie“ von Statistik Austria und vom WIFO untersucht. Es sind für ein Kind in einem Haushalt mit zwei Erwachsenen in Österreich pro Monat im Schnitt 494 Euro, in einem Ein-Erwachsenen-Haushalt 900 Euro.

Im Schnitt! Denn das Alter der Kinder macht nicht nur bei den Antworten, was sie brauchen, sondern auch bei der Kostenhöhe einen großen Unterschied. An diesem Punkt beginnt in manchen Familien womöglich das große Rechnen: „So viele Kinder haben wir, so viel verdienen wir. Da kommt klar ein Minus heraus!“ Doch Halt! Erstens darf es niemals nie ein „Minus“ sein, Kinder zu haben! Zweitens fehlt in dieser einfachen Rechnung „Einkommen weniger Kinderkosten“ ein entscheidender Faktor: die Familienleistungen des Staates für jedes Kind! Da liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld. Das zeigte vor vielen Jahren ein persönliches Erlebnis bei einer Hochzeit in Italien: Wir reisten mit zwei Bambini an, sie blieben aber die einzigen: „Das kann sich ja keiner bei uns leisten, Kinder zu haben! Schon gar nicht mehr als eines!“ Ja, aber wo hapert’s dann bei uns? Wenn Familienbeihilfe, Richtsätze für Kinder in der Mindestsicherung (je nach Bundesland verschieden!) oder Unterhaltsrecht so hervorragend bei uns geregelt sind, warum ist dann jedes 5. Kind und beinahe jeder 2. AlleinerzieherInnen-Haushalt in Österreich armuts- und ausgrenzungsgefährdet?

Es fehlt schon über Jahrzehnte am politischen Willen quer durch alle „Lager“, hier endlich an treffsicheren Schrauben zu drehen. Für alle Kinder, ganz egal in welche Familie mit welchem Einkommen in welches Bundesland sie hineingeboren sind. Alleine dass der Familienbonus Plus im Regierungsübereinkommen als Armutsbekämpfungsmaßnahme aufscheint, ist unehrlich.

Von der „Steuergutschrift“ noch dazu in voller Höhe profitieren nämlich vor allem mittlere und höhere Einkommen, also wieder nicht diejenigen, die es am meisten bräuchten. Mögliche Schrauben wären eine Erhöhung der Familienbeihilfe oder auch ganz neu, innovativ und sozial wirksam eine sogenannte „Kindergrundsicherung“ wie jetzt in Deutschland. Schauen wir uns das gemeinsam doch an!

Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez koordiniert das Netzwerk Kinderrechte Ă–sterreich.

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