© Anna Stöcher

Meinung Gastkommentar
05/15/2021

Long-Covid-Patienten brauchen dringend multimodale Behandlung

Ein multimodales Behandlungssystem ist rasch nötig

Bisher standen vor allem Präventionsmaßnahmen und die Behandlung von Covid-19 im Fokus der Aufmerksamkeit. Jetzt rücken die Langzeitfolgen – besser bekannt unter Long Covid – in den Mittelpunkt des Interesses. Um nicht wieder wertvolle Zeit zu verlieren, muss nun rasch und unbürokratisch gehandelt werden.

Jetzt geht es wirklich ums Tempo: Anders als beispielsweise beim Aufstellen eines breiten Testangebots, der Beschaffung von Impfstoffen oder der Inkonsequenz bei Maßnahmen, die im Herbst letzten Jahres zu einem gesteigerten Infektionsgeschehen geführt hat. Betroffene brauchen ein niederschwelliges und multidimensionales Angebot – und zwar mit zumutbarer Wartezeit. Patientinnen und Patienten, die wegen einer Covid-Erkrankung auf der Intensivstation lagen, sind selbst Monate „nach“ der Infektion noch arbeitsunfähig. Psychosoziale Probleme, das chronische Fatigue-Syndrom, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, Gelenkschmerzen, Atemprobleme und Durchblutungsstörungen sind nur wenige der etlichen möglichen Langzeitfolgen. Der genaue Pathomechanismus ist noch nicht in allen Bereichen bekannt, aber neben der direkten Zellschädigung durch das Virus scheint auch eine Überaktivierung des Entzündungs- und Gerinnungssystems ein wesentlicher Faktor von Long Covid zu sein. Und dies kann zu Schädigungen nahezu aller Organe und Systeme führen – Lunge, Niere, Herz, Nervensystem.

Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, darum sind die Symptome ja so vielseitig. Es gibt jedoch schon jetzt Hinweise darauf, dass einige Covid-19-Spätfolgen ein Leben lang bleiben könnten. Eine schnelle Behandlung und Rehabilitation ist in diesen Fällen essenziell.

Betroffene brauchen jetzt ein multimodales Behandlungssystem – Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Sparten, die in Zusammenarbeit eine gesamtheitliche und optimale Behandlung finden.

Wer Langzeitsymptome zeigt, wird bestenfalls von Facharzt zu Facharzt geschickt, weil die Symptomatik so viele unterschiedliche Facetten hat. Viele werden gesundgeschrieben. Wer sich nach einer scheinbar überwundenen Erkrankung wieder belastet und zurück ins Leben stürzt, befeuert die Möglichkeit, gefährliche Langzeitfolgen zu entwickeln. Es fehlt Struktur, Koordination und vor allem ein patientenfokussiertes Vorgehen. Die Tatsache, dass sich Long-Covid-Leidende aus Eigeninitiative zu einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen haben, die schon mehrere hundert Mitglieder zählt, spricht Bände. Wir müssen den Betroffenen zuhören. Es sollte jetzt nicht derselbe Fehler gemacht werden, wie er schon so oft gemacht wurde: Eine Situation zu unterschätzen, die wirklich ernst ist, und die Stimmen der Betroffenen ignorieren.

Günther Malek ist medizinischer Leiter von Trinicum Zentrum für Integrative Medizin und Schmerzmedizin.

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