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Meinung Gastkommentar
07/11/2022

Kindern das Beste geben

Es bräuchte flächendeckend Schutzkonzepte in der Betreuung.

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor jeder Art von Gewalt gehört zu den wichtigsten Zielen einer Gesellschaft und hat bildungspolitisch größte Relevanz. Wo institutionelle Bildungsorte für Kinder und Jugendliche geschaffen werden, ist daher ein Schutzkonzept nach fachlich anerkannten Standards unerlässlich.

Anders als etwa in Deutschland ist ein solches aber hierzulande noch nicht verpflichtend. Ein Schutzkonzept ist das Bekenntnis einer Organisation, den Schutz von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen.

Es geht um die Evaluation und Minimierung von Risiken, die Sensibilisierung aller intern und extern tätigen Menschen und klar definierte Vorgehensweisen für Fälle, in denen das Kindeswohl in Familien oder organisationsintern gefährdet scheint. Ein Schutzkonzept dient dem Kindeswohl, stärkt aber auch Mitarbeitende: Sie wissen, was im Ernstfall zu tun, wer zu informieren ist. Es dient zudem der Organisation in der transparenten Kommunikation mit Mitarbeitenden, Erziehungsberechtigten und Behörden. Klare Leitlinien ermöglichen rasches Handeln.

KIWI hat 2020 als einer der ersten Wiener Kindergarten- und Hortträger begonnen, in Kooperation mit der Akademie des Kinderschutzzentrums die möwe ein Schutzkonzept zu entwickeln – aus eigenem Antrieb und bisher auf eigene Kosten.

Denn: In Österreich gibt es dafür bislang keine öffentliche Förderung bzw. Unterstützung. Ein praxistaugliches Schutzkonzept braucht viele Ressourcen: Es lebt von der Schulung und Beteiligung jener Menschen, die in der Praxis täglich Kinder und Jugendliche begleiten. Entsprechende Organisationsprozesse benötigen viel Zeit und Geld. Damit ein Schutzkonzept dauerhaft und wirksam gelebt werden kann, braucht es aber vor allem bestmögliche Rahmenbedingungen für die Menschen, die täglich in elementaren Bildungseinrichtungen und Horten Kinder und Jugendliche begleiten. Kleinere Gruppen, mehr Fachkräfte, mehr Zeit für Supervision, Fortbildung etc. – und damit mehr Zeit für das einzelne Kind und seine Familie: Daran führt kein Weg vorbei!

Die Politik ist gefordert, hier Geld in die Hand zu nehmen. Mindestens eine Milliarde für Kindergärten und Horte ist nötig, um Rahmenbedingungen zu verbessern und u. a. die Erstellung von Schutzkonzepten nachhaltig und großflächig zu ermöglichen. „Da die Menschheit dem Kind das Beste schuldet, das sie zu geben hat.“ Unter anderem mit diesen Worten begründet die UN-Generalversammlung am 20. November 1959 die Erklärung der Kinderrechte. Gesamtgesellschaftlich stellt sich heute die Frage: Sind wir bereit, Kindern und Jugendlichen das Beste, das wir zu bieten haben, auch zu geben? Klar ist: Wer Kinder nachhaltig schützen will, muss allen Beteiligten größtmögliche Sicherheit und die besten Ressourcen dafür geben.

Gudrun Kern ist pädagogische Geschäftsführerin des privaten Kindergarten- und Hortträgers KIWI – Kinder in Wien.

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