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Gastkommentar
03/20/2021

(K)Eine Leistung

Es wäre eigentlich recht einfach, die Lernenden zu würdigen

Das IHS hat schon im November 2020 vorgerechnet, was Schulschließungen im Sinne der Pandemiebekämpfung kosten. Jeder Monat Schulschließung kostet zumindest 0,5 Prozente des Bruttoinlandsprodukts – ausgenommen sind hierbei noch die Folgekosten für die Wiederherstellung der psychischen Gesundheit.

Richtig eisig wird es, wenn wir von sozialen Kosten sprechen – von Kompetenzeinbußen, steigender sozialer Ungleichheit, geringerem Bildungsertrag. Wenn Lehrende im Schnitt von 12 bis 15 Prozent nicht erreichbaren Lernenden sprechen.

Das wären bei 25 Kindern pro Klasse 3 bis 4 SchülerInnen, die sich dem Unterricht, aus welchen Gründen auch immer, entziehen können oder dem Unterricht entzogen werden. Eines ist klar: es gibt Kinder und Jugendliche, denen ein technisch versiertes und organisationskompetentes Umfeld versagt bleibt. Je jünger, desto alleingelassener, denn ein strukturierter Tag, ein ruhiges, ergonomisches Umfeld ohne Ablenkung, funktionierende Technik und bei Bedarf Unterstützung, ist kein Standard.

Während der Bildungsminister die Lehrenden um Milde bittet, sein Generalsekretär die Herausforderung des Distance Learning herausstreicht, und die Vorsitzende der Elternvereine für mittlere und höhere Schulen in Wien herabwürdigend von Corona-Zeugnissen spricht, gehört eines klar und deutlich entgegnet: Die allermeisten Lernenden, die Lehrenden und alle Erziehungsberechtigte und Betreuungspersonen haben seit einem Jahr alles gegeben, um am Ball zu bleiben. Sie haben in einem beinahe komplett analogen System die Kurve in Richtung Digitalisierung gekratzt, und das gehört anerkannt.

Deshalb hier nun jene Worte, die den großartigen Leistungen von SchülerInnen und ihrem Umfeld jene notwendige Wertschätzung entgegenbringen und die schon lange hätten gesagt gehört:

„Danke für deine Anstrengungen! Ich sehe, wie sehr du dich bemühst, das Beste aus dieser Situation zu machen. Gemeinsam mit deinem Umfeld schaffst du es, dich den Herausforderungen entgegenzustellen und schreitest Ellenbogen an Ellenbogen mutig in eine unsichere Zeit. Du hast es geschafft, dein Zuhause, das bisher stets dein persönlicher Rückzugsort war, zu öffnen, die Schule hineinzulassen und gibst ihr jenen Raum, den sie braucht.

Du hast erkannt, wie du am besten lernst, kannst erkennen was du brauchst und bist in der Lage, das mitzuteilen und gemeinsam mit deinem Umfeld einen Weg zu finden, damit du dich weiterentwickeln und dazu lernen kannst. Je mehr du in dich hinein hörst, desto besser wirst du feststellen, wann du Pausen brauchst und wobei und bei wem du dir Hilfe holst.

Dieses Gespür für deine Bedürfnisse ist der Hauptgewinn all eurer Anstrengung und wird dir noch lange nach der Krise ein treuer, stets ergebener Begleiter sein. Mach weiter so, du bist großartig!“

Julia Hofmann ist Sonderschullehrerin in Wien.

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