┬ę Hannah Schierholz

Meinung Gastkommentar
07/25/2022

Gegen die Neuen

Skandal! Uber war billiger und beliebter

Uber soll also eifrig lobbyiert haben, um sein Gesch├Ąftsmodell in den Markt zu dr├╝cken. So steht es in den j├╝ngst enth├╝llten Uber-Files, und alle halten das f├╝r einen Skandal. Man kann doch nicht einfach einen neuen Service entwickeln, der zweckm├Ą├čiger, billiger und beliebter ist als der alte! Wie unfair ist das gegen├╝ber den Taxlern, die ihrerseits ja keine Lobby haben! Au├čer nat├╝rlich die Tausende Mann starke Wirtschaftskammer, die bei den Entscheidungstr├Ągern des Landes jeden Tag ein und aus geht.

Nein, das wird hier keine flammende Verteidigung von Uber. Man kann nicht alles gut finden, was in den Files zu lesen ist. Dass uns ├╝berhaupt ein amerikanischer Konzern zeigen muss, wie man im 21. Jahrhundert Menschen von A nach B transportieren kann, ist aber bedauerlich. Ideal w├Ąre es aus ├Âkonomischer Sicht, wenn auf dem Taximarkt eine Vielzahl von Teilnehmern um das beste Angebot wetteifern w├╝rden. Wie die dann hie├čen und woher sie k├Ąmen, w├Ąre egal. Doch so funktioniert der Taximarkt in ├ľsterreich bekanntlich nicht. Und dieser Befund gilt leider schon sehr lange: Ende des 17. Jahrhunderts wurde es dem B├╝rgertum m├Âglich, sich mit Pferdest├Ąrken durch die Stadt bringen zu lassen. Schon damals lieferte sich die Branche eine Regulierungsschlacht mit der Obrigkeit. Freilich waren viele der ersten Fiakerkutscher mehr Gauner als Unternehmer, sodass die Festlegung von Standpl├Ątzen und Preisen durchaus einer fr├╝hen Form von Konsumentenschutz diente.

Kuschelig

Doch inzwischen hat es sich das Taxigewerbe mit dem Staat recht kuschelig gemacht. Heute k├Ąmpft man Seite an Seite gegen neue Gesch├Ąftsmodelle und ist dabei sehr erfolgreich. Uber kann in ├ľsterreich nur noch auf bessere Zeiten hoffen. Die Reform des Gelegenheitsverkehrsgesetzes vor drei Jahren hat es geschafft, die Vorteile des neuen Konzepts so weit abzuschleifen, dass am Ende doch wieder nur das gute alte Taxi ├╝brig blieb.

Es ist egal, dass die Kunden gerne mit Uber gefahren sind. Die haben n├Ąmlich wirklich keine Lobby.

Dass Uber sich ├╝berhaupt gen├Âtigt sah, bei der Politik f├╝r sich zu werben, offenbart ein Kernproblem des ├╝berregulierten Marktes: Normalerweise w├╝rde ein neuer Wettbewerber die Kunden entscheiden lassen, ob sie es m├Âgen. Lobbyarbeit w├╝rde gar nichts n├╝tzen. Aber wenn der Staat den Zutritt zu einem Markt kontrolliert, dann muss jeder neue Teilnehmer zuerst an der Politik vorbei. Er muss also bei Beamten und Mandataren Klinken putzen. Kein Wunder, dass in zentralistisch organisierten Wirtschaftssystemen die Korruption so oft floriert.

Dass die alte Taxibranche auch nichts von der Reform hatte, ist kein Grund f├╝r Schadenfreude. Ihr Tarif ist seit 2021 in Stein gemei├čelt, w├Ąhrend die Spritpreise munter steigen. H├Ątten die Taxler doch nur eine Lobby.

Jan Kluge ist ├ľkonom bei der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Agenda Austria.

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