© Baradei/Rauf

Gastkommentar
02/10/2021

Bedrohungen, denen wir uns gemeinsam stellen müssen

Die Doomsday Clock von Albert Einstein blieb stehen – mehr aus Glück denn aus guter Planung. Atomunfälle können immer passieren

Auch wenn sich unsere Lebensqualität verbessert hat, sind wir weiterhin Bedrohungen durch eine tobende Pandemie, Massenvernichtungswaffen und Umweltzerstörung ausgesetzt. Der pandemiebedingte Tod von mehr als zwei Millionen Menschen auf der ganzen Welt, darunter fast 8.000 in Österreich, schmerzt uns alle zutiefst.

Gegenwärtig sind 13.500 Atomwaffen an 107 Standorten in 14 Ländern stationiert. Mehr als 2.000 davon sind sofort startbereit. In einigen Fällen, wie in den USA, obliegt dies der „alleinigen Autorität“ des Präsidenten. Auch am Luftstützpunkt Avia in Norditalien sind Atomwaffen stationiert.

Fast 150 Atomwaffen der USA, sowie 500 weitere französische und britische Atomwaffen, sind über Europa verteilt. Unfälle können immer passieren, auch wenn es um Atomwaffen geht.

Kurz vor zwölf

Die Doomsday Clock, die 1947 von Albert Einstein initiiert wurde, stoppt bei nur 100 Sekunden vor Mitternacht. Dies verdeutlicht die anhaltende und akute nukleare Gefahr. Der frühere US-Verteidigungsminister Bill Perry sagte, „die Atomkatastrophe wird durch Glück und nicht durch gutes Management vermieden“.

Es gibt keine Impfstoffe, keine Sanierungsmaßnahmen, um uns vor der Zerstörung zu schützen, die der Einsatz von Atomwaffen verursacht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) warnt, dass weder die gesamte Welt und auch schon gar kein einzelnes Land in der Lage sind, die Folgen der Detonation auch nur einer einzigen Atomwaffe zu bewältigen.

Ernteausfall

In einem Atomkrieg würden Krankenhäuser und Infrastruktur zerstört, Ärzte und Ersthelfer getötet; der radioaktive Niederschlag könnte weltweit Ernteausfälle auslösen. Die Überlebenden würden die Toten beneiden. Es gab drei internationale Konferenzen zu den Auswirkungen von Atomwaffen in Oslo (2013), Nayarit (Mexiko 2014) und Wien (2014). Diese führten zum „österreichischen (humanitären) Versprechen“ zur nuklearen Abrüstung, das bei den Vereinten Nationen im Dezember 2015 von 139 Ländern unterstützt wurde.

Dies wiederum führte zum Atomverbotsvertrag von 2017, der von 122 Ländern unterstützt wurde und am 22. Januar 2021 in Kraft trat. Österreich war eine moralische Kraft und ein Vorreiter bei den Bemühungen zur Beseitigung von Atomwaffen.

Die Herausforderung besteht nun darin, dieses Verbot zu einer globalen Rechtsnorm auszuweiten und als Tabu in unserem kollektiven Gewissen zu verankern.

Dies kann nur durch Zusammenarbeit erreicht werden. Es werden Impfstoffe entwickelt, mit deren Hilfe wir schließlich mit dem Virus werden leben können.

Für den Klimanotfall haben wir das Pariser Klimaabkommen und die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Pandemie, Klimawandel, Massenvernichtungswaffen: diese Bedrohungen sind grenzenlos. Es ist wichtig, alle drei Bedrohungen parallel zu bewältigen. Es wäre fatal, sich auf Kosten der anderen auf eine davon zu konzentrieren.

Mohammed ElBaradei war Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO und ist Friedensnobelpreisträger. Sein Co-Autor Tariq Rauf war Leiter der Abteilung für Verifikation und Koordination der Sicherheitspolitik in der IAEO.

 

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