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Meinung
09/03/2019

Freitags, samstags, sonntags ist sie nie da

Die Krux an der neuerlichen Forderung liegt im Detail. Im „Rechtsanspruch“ nämlich.

von Sandra Baierl

Die Forderung der Gewerkschaft nach einer 4-Tage-Woche ist uralt. Theoretisch ist das ja auch ein nettes Modell: Arbeiten möglichst komprimiert, volle Arbeitszeit in vier Tagen – das macht zwar lange und damit anstrengende Arbeitstage, hat aber Vorteile: die Fahrten zur Arbeit werden reduziert, das ist gut für die Umwelt; das Wochenende wird auf drei Tage ausgedehnt, das lässt mehr Freiheit, anderes zu tun. Etwa auch, Versorgungspflichten innerhalb der Familie besser aufzuteilen. Oder einfach nur: Freizeit zu haben.

Allerdings: Die Forderung einer 4-Tage-Woche trifft ein Land, das bereits maximal flexible Arbeitszeiten hat. Das tägliche Arbeiten von 9-to-5 ist längst nicht mehr, in der unternehmerischen Praxis verständigen sich Unternehmen und Mitarbeiter auf das „Wieviel“ und das „Wann“ – das ergibt ein Arbeits- und Gehaltsmodell, sehr oft sehr individuell gestaltet. Diese Flexibilität wollen Mitarbeiter, auf diese Flexibilität müssen sich Firmen einlassen, um überhaupt funktionieren zu können, um attraktiv zu sein. Vor allem für die Jüngeren, die das Thema Work-Life-Balance sehr hoch hängen. Ihnen sind freie Tage wichtig, vielfach sogar wichtiger als Geld.

Die Krux an der neuerlichen Forderung liegt im Detail. Im „Rechtsanspruch“ nämlich, der die Arbeitgeber in ausweglose organisatorische Situationen bringen kann. Dann nämlich, wenn der Betrieb fünf, sechs oder sogar sieben Wochentage laufen soll, die Mitarbeit sich aber, weil’s am praktischsten ist, auf Montag bis Donnerstag reduziert. Und Freitag, Samstag, Sonntag? Das Gastgewerbe etwa kommt jetzt schon nur schwer durch die Woche: viele Betriebe schaffen es nicht mehr, sonntags geöffnet zu haben, weil da niemand arbeiten will.