Meinung
06/06/2020

Es wird wieder anders

Seit zwölf Wochen läuft das Experiment Homeoffice. Mit viel Erfahrung (und zwei Kilo mehr) gehen wir jetzt in die neue Ära.

von Sandra Baierl

Nächste Woche werfen wir, die KURIER-Mitarbeiter, die Jogginghose ins Eck. Unser totales Homeoffice – bis auf die glorreiche Corona-Not-Mann- und Frauschaft, die seit zwölf Wochen Dienst im Büro versieht – wird zumindest partiell aufgelöst. Die förmlichen Hosen werden eng sein – im Schnitt hat jede/r im Homeoffice zwei Kilo zugelegt. Und auch sonst ist jede Umstellung eine Umstellung: zuerst das innere Chaos mit dem Dauer-Daheimsein, jetzt das neuerliche innere Chaos mit der Wiederkehr ins Büro. Wie wird das sein, wenn der – gar nicht normale – Alltag zurückkommt? Mit Maske, Abstand, Sicherheitsvorkehrungen und Desinfektionsmittel. Wir verlassen die häusliche Umgebung. Komfortzone Ende.

Und haben immens viel gelernt.

Die Arbeitgeber wissen jetzt, was geht, mit wem es geht und wie es geht. Sie wissen auch, was nicht geht. Und werden daraus in den kommenden Monaten ihre Schlüsse ziehen. Die Arbeitnehmer mussten noch eigenverantwortlicher sein, sich noch mehr selbst motivieren, waren frei (in unfreier Umgebung) und haben die Vor- und Nachteile des Arbeitens aus der Ferne im wochenlangen Experiment erfahren.

Jeder Vorteil des Homeoffice’ ist zugleich ein Nachteil, sagt Arbeitspsychologe Korunka in unserer Titelgeschichte. Wenn das keine Handlungsanweisung für das zukünftige Arbeiten ist: Unternehmen können jetzt die ideale Balance zwischen An- und Abwesenheit herstellen. So viel Büro, wie es für Kreativität, Teamgeist, Zusammenarbeit und Produktivität braucht. So viel Homeoffice, damit Freiheit, Ungestörtheit, Individualität, Konzentration, Familienagenden und Fahrten-Ersparnis Platz haben. Kleine Hoffnung am Rande: Mit der neuen Verquickung Büro und Heim, mit dem dynamischen Hin und Her, verlieren wir auch die beiden Kilos wieder. Muss so sein.