Meinung
18.07.2018

Ein Kanzler muss auch Schamgrenzen offensiv schützen

Zwischen Dauer-Gekeife a la Rot-Schwarz und brüllendem Schweigen a la Türkis ist nur ein schmaler Grat.

Rot gegen Schwarz, Schwarz gegen Rot und zwischendurch rot-schwarze Länder gemeinsam gegen rot-schwarzen Bund –  mehr als ein Jahrzehnt schrumpfende Große Koalition haben einen Riesenwunsch hinterlassen: Schluss mit dem Dauer-Gekeife, das sich Politik schimpft.   
Wohlinszenierte Auftritte mal im Duett, mal im Quartett, die bislang ohne Misstöne auskamen, kommen so doppelt gut an. Und sorgen primär für die ungebrochen  hohen Zustimmungsraten zu Türkis-Blau.

Der ÖVP-Chef deponierte sein Missfallen über den Koalitionspartner bisher nur unter vier Augen – im Fall Vilimsky zuletzt direkt beim FPÖ-Chef. Wenn der Bundespräsident, alles andere als ein Heißsporn, dieser Tage gleich mehrmals ausrückt, um  blaue Spitzenpolitiker und zuletzt auch Kurz öffentlich abzumahnen, dann ist aber Feuer am Dach.

Zwischen Dauer-Gegacker und brüllendem Schweigen ist aber nur ein schmaler Grat. Dem türkisen Partei- und Regierungschef sei nach einem Jahr Dauereinsatz  eine – ohnehin mit Terminen gespickte – Auszeit light in den USA und ein echter Urlaub danach zudem mehr als gegönnt.   

Sebastian Kurz ist für viele die personifizierte Hoffnung für einen neuen Politstil. Feelgood-Botschaften à la Wandern mit Kurz und Hardcore-Ansagen gegen Flüchtlinge werden auf Dauer nicht reichen, das einzulösen. Dort, wo die FPÖ immer wieder für Hetze und Spaltung sorgt, ist ein Wort des Kanzlers auch öffentlich dringend gefragt – zumal interne Abmahnungen nicht nachhaltig Wirkung zeigen.