Meinung
12.10.2018

Die erwärmte Erde schlägt kräftig zurück

Nur noch 12 Jahre haben wir, um die dramatische Erderwärmung zu stoppen. Wann fangen wir an?

Nachrichten aus den vergangenen Tagen:

– Eine Agentur der UNO warnt, dass die Erde nur mehr 12 Jahre Zeit hat, um die globale Erwärmung zu stoppen.

Nach schwerem Unwetter werden zwei Deutsche auf Mallorca vermisst, zehn Menschen sind gestorben.

– VW-Chef Herbert Diess droht, in seinem Konzern seien „etwa 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr, wenn die EU zu scharfe Grenzwerte beschließt.“

– Der Hurrikan Michael verwüstet Teile Floridas.

Donald Trump erklärt: „Wir werden der Spur des Hurrikans folgen, wir sind direkt hinter ihm.“

Wahrscheinlich ist es dem amerikanischen Präsidenten gar nicht aufgefallen, was er da gesagt hat: Wir, die rund 7,6 Milliarden Erdenbürger (heute kommen wieder rund 220.000 netto dazu) können den Hurrikans, Stürmen und Überschwemmungen nachlaufen und wir können nach Verwüstungen wieder aufräumen. Aber wir haben noch immer keinen Konsens darüber, wie wir die inzwischen dramatische Erderwärmung stoppen. Beim amerikanischen Präsidenten kommt noch dazu, dass ihn das überhaupt nicht interessiert. In Bob Woodwards Buch „Fear“ kann man nachlesen, dass Trump das Pariser Abkommen, das den Ausstoß von Treibgasen reduzieren sollte, einfach kündigte, weil sein Vorgänger Obama es unterschrieben hatte.

Wir haben aber nur mehr 12 Jahre, mehr nicht, um die Erderwärmung in den Griff zu bekommen, sonst steigt die Temperatur um 5 Grad bis zum Jahr 2100. Da reicht nicht nur die Reduktion von CO2, im UNO-Bericht wird auch eine Methode vorgeschlagen, künftige Treibhausgase aus der Atmosphäre herauszufiltern. Nachteil: Diese Methode muss erst erfunden werden. Effizient wäre eine Aufforstung, aber während die Experten diesen Satz schrieben, wurde der Regenwald in Südamerika weiter ungebremst abgeholzt.

Es geht um die Zukunft unserer Kinder

Autos sind nur ein Teil des Problems, aber hier haben gerade die sonst so erfolgreichen Deutschen bei der Innovation geschlafen, ja sogar Kunden und Behörden getäuscht. Die EU-Minister haben nun eine Verringerung des Schadstoffausstoßes für Autos um 35 Prozent bis 2021 beschlossen. Beim Volkswagen-Konzern, wo ja besonders getrickst wurde, sieht man jetzt gleich ein Viertel der Jobs bedroht. Das klingt nach Trump, der auch nicht über die Verbrennung von Kohle hinaus denken kann. Der frühere Ford-Chef Daniel Goeudevert fragt in Richtung von VW-Chef Diess: „Hat der keine Kinder?“

Der Klimawandel wird letztlich auch Frieden und Demokratie in Frage stellen. Die Migration muss zunehmen, wenn Teile der Erde nicht mehr bewohnbar sein werden oder unter den Meeresspiegel sinken. Und ohne globale Lösungen werden in einigen Jahren einzelne Staaten zu radikalen Lösungen greifen, ohne Rücksicht auf demokratische Prozesse oder die Interessen von Nachbarn. Wie gesagt: 12 Jahre haben wir noch.