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Meinung
07/10/2019

VdB gegen Kickl: Der Präsident ist aus der Rolle gefallen

Die Anti-FPÖ-Töne stehen Van der Bellen nicht. Und sie liefern den Blauen unnötig Munition.

von Christoph Schwarz

In der Ibiza-Affäre hat sich Alexander Van der Bellen als überparteilicher Präsident verdient gemacht. Jetzt hat das Image einen Kratzer bekommen. Mit seinem abendlichen Auftritt im ORF erlaubte sich van der Bellen am Dienstag einen Patzer. Die – präsidentiell vorgetragene – Breitseite gegen die FPÖ steht ihm im Wahlkampf nicht gut.

Schon die demonstrative Sympathie, die er für eine Dreier-Koalition erkennen ließ, konnte man nur als Absage an eine erneute Koalition von ÖVP und FPÖ verstehen, die nach der Wahl sicher auch zu zweit eine Mehrheit zustande bringen würden. In keiner einzigen der denkmöglichen Dreier-Varianten könnte die FPÖ hingegen eine Rolle spielen.

Es passt ins Bild, dass der Präsident dann noch die blaue Leitfigur Herbert Kickl von vornherein als künftigen Innenminister ausschloss. Eine Antwort blieb Van der Bellen nämlich schuldig: Was konkret hat Kickl getan, das ihn nicht mehr ministrabel erscheinen lässt? (Die Frage geht übrigens auch an Sebastian Kurz, der nach Ibiza auf dessen Ablöse bestand.) Freilich: Man kann Kickls (Ausländer-)Politik falsch, ungustiös und verwerflich finden. Das zu beurteilen, obliegt aber den Wählern, nicht dem Staatsoberhaupt.

Dass der Hobby-Meinungsforscher Van der Bellen den Wählern im Interview gleich ein zweites Mal vorgriff, indem er die ÖVP zwei Monate vor der Wahl quasi schon zum Sieger erklärte, wirkt im Vergleich fast wie ein lässlicher Fehler. Erwähnt sei es trotzdem.

Die FPÖ kann nun jedenfalls – zu ihrer Freude – das tun, was sie bestens beherrscht: sich ausgegrenzt fühlen. Ausnahmsweise zu Recht.