Meinung
09/05/2020

30 ist leider nicht „normal“

Weniger Arbeiten ist der Work-Life-Traum vieler. Aber wovon soll man dann – jetzt und viel später einmal – leben?

von Sandra Baierl

Die Beweggründe für den Wunsch sind durchaus nachvollziehbar. Mehr Freizeit, mehr „Leben“ – und weniger Arbeit, das ist das neue Ideal von Work und Life und ihrer Balance. Vor allem bei den jüngeren Generationen hängt das Thema Arbeit in der persönlichen Prioritätenliste nicht mehr weit oben.

Warum das so ist, darüber kann man trefflich diskutieren. Zum Teil hat es die Wirtschaftswelt auch selbst zu verantworten: die Arbeitswut der vorangegangenen Generationen wurde gut ausgenützt, oft nicht mit der daraus logischen Loyalität der Unternehmen. Zu viele junge Menschen kennen die Geschichte ihrer Eltern, die mit 50-Plus gekündigt wurden, weil die Firma neue Ideen hatte.

Teilzeit benachteiligt

Die Sache mit der verkürzten Wochenarbeitszeit ist aber gleich aus mehreren Gründen problematisch. Faktisch, weil man sich damit schon in jungen Jahren in vielen Unternehmen nicht als Mitarbeiter einreiht, der für voll genommen wird. Darunter leiden Weiterbildung, Bezahlung und die gesamte Karriere.

Versicherungstechnisch, weil alle sozialen Absicherungssysteme auf die „normale“ Vollarbeitszeit, am besten ohne gröbere Unterbrechungen, ausgerichtet sind.

Weniger Pension

Eine verringerte (nicht normale ) Wochenarbeitszeit und die damit verbundenen Gehaltseinbußen haben also direkte Auswirkungen auf die Ansprüche bei Arbeitslosengeld, Karenzgeld und Pension. Aktuell haben Frauen durchschnittlich eine fast 50 Prozent niedrigere Pension als Männer.

Laut Statistik Austria lag die mittlere monatliche Alterspension der Frauen zuletzt bei 982 Euro brutto, die Gründe dafür liegen in den geringeren Einkommenshöhen, der hohen Teilzeitquote, den Karenzen. Dorthin steuern auch die Angestellten mit dem 30-Stunden-Ideal, wenn sich das System nicht grundlegend ändert. In Sicht ist diese Änderung derzeit nicht.

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