Endlich frei
Wichtig ist für Schweizer die Möglichkeit, etwas zu erleben, am besten gemeinsam mit Partnern, weil das private und auch soziale Beziehungen stärkt. „Aber das kann ebenso etwas Entschleunigendes sein. Zen, Yoga, Kultur, ein schönes Essen, die Natur – der Punkt, um den es geht, ist: Ich muss mich hinterher besser fühlen.“Eine Souveränität des Einzelnen im Umgang mit seiner Freizeit sieht auch der österreichische Wissenschaftler Peter Zellmann für die Zukunft: „Im Industriezeitalter war die Freizeit etwas geradezu Unanständiges, akzeptabel allein dafür, die Arbeitskraft wieder herzustellen. Wir befinden uns heute in einer Übergangsphase vom Industriezeitalter zum Dienstleistungszeitalter. Die hat etwa 1970 begonnen, bis der Wechsel vollständig vollzogen ist, dauert es zwei Generationen, im Jahr 2030 sollte er abgeschlossen sein.“ Und dann? „Dann sollten wir bei einem selbstbewussten und vor allem selbstbestimmten Umgang jedes Einzelnen mit seiner Freizeit angelangt sein – so nicht eine Krise, eine entscheidende Naturkatastrophe oder Pandemie dazwischen kommt.“
Dazu müssen wir vor allem, wie Zellmann betont, den „alten, unsinnigen Satz des Industriezeitalters“ überwinden: Müßiggang ist aller Laster Anfang. „Alles dreht sich um die 14 Prozent unseres Lebens, die wir mit Arbeit verbringen, während die Wertigkeit der Freizeit, auch für die Politik, extrem niedrig ist. Da muss noch einiges passieren.“ Und wie sieht dann die Zukunft der Freizeit aus? „Ihr Stellenwert wird sich ändern. So wie sie heute noch oft als Gaudi-Zeit oder Rest-Zeit betrachtet wird, die halt mit irgendwas gefüllt werden muss, wird man ihr nicht gerecht. Oder lassen Sie es mich so, also praktisch an den Medienbereich geknüpft, sagen: Wenn die „freizeit“ endlich wichtiger ist als die „Chronik“, dann sind wir in der Zukunft, im Jahr 2030 angekommen.
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