65 Kilometer Tiroler Wahnsinn: Warum das Ötztal nicht „wurcht“ ist
Das Hochplateau Niederthai im fast täglich kitschigen Abendrot.
Zusammenfassung
- Das Ötztal bietet mit Hochoetz, Kühtai, Sölden und Obergurgl eine riesige Auswahl an Pisten und spektakulärem Bergpanorama.
- Sölden ist das schillernde Zentrum mit 144 Pistenkilometern, Gletschern, Weltcup-Rennen und James-Bond-Kulisse, während Niederthai und Gurgl eher familiär und ruhig sind.
- Neben Wintersport gibt es Highlights wie die Naturrodelbahn Grantau, den Stuiben-Wasserfall und Entspannung in der Therme Aqua Dome.
Die deutschen Dialekte, und damit auch jene Tirols und des Ötztals, erwachsen dem Mittelhochdeutschen (circa 1050–1350), und das wiederum dem Althochdeutschen (ab circa 750), das wiederum dem Germanischen (ab circa 1. Jahrtausend v. Chr.), das wiederum dem Indogermanischen (spätestens seit dem 4./3. Jahrtausend v. Chr.) und auch das hat Vorläufer.
Das sei nur erwähnt, weil gleich am Beginn des herrlichen Ötztals die Ortschaft Oetz liegt, und das fehlende Ö ist keinem Dialektfehler, sondern einem Übersetzungsfehler geschuldet, aber die haben dort irgendwann gesagt, egal, oder „Wurcht“ (so übersetzt das Dialektwörterbuch auf oetztalermuseen.at Wurst), und eigentlich sagen die Menschen dort eh: „Etztal“ und „Etz“.
Axel Halbhuber und Lea Moser aus dem KURIER-Reise-Team sprechen im Reisepodcast Stadt.Land.Meer. über Reise- und Urlaubsziele
Oben am Gurgler Wurmkogl blickt man ins Ötztal oder bis zu den Dolomiten.
Sonst ist dieses fünfundsechzig Kilometer tiefe Tal aber problemlos, in jeder Hinsicht, und besonders im Winter. Lassen Sie mich erklären:
Von der Inntalautobahn oder der Station Ötztal Bahnhof biegen Sie von Ostösterreich kommend links ab. Und werden bald entzückt sein von der ersten größeren Ortschaft, eben Oetz, samt dem kleinen, aber feinen Skigebiet Hochoetz (fünfzehn Liftanlagen), das geht bis auf eine Höhe von 2.020 Metern. Von Hochoetz kann man über Ochsengarten ins benachbarte Kühtai wedeln, dort nimmt einen der Linienbus mit bis zum Ort und Skigebiet Kühtai mit zehn Liftanlagen, das auch klein und fein ist. Das gilt als eines der höchstgelegenen Skigebiete Österreichs, aufgrund der Höhenlage ist also eine lange Wintersportsaison mit schneesicheren Bedingungen bis ins Frühjahr sicher.
Anreise
Von der Bahnstation Ötztal Bahnhof (tägliche Direktverbindungen) kommt man mit den Öffis bis hinauf nach Hochgurgl. oebb.at
Ötzi
Der Eismann vom Hauslabjoch wurde 1991 im Südtiroler Anteil der Ötztaler Alpen gefunden – und liegt trotz seines Namens jetzt im Ötzimuseum in Bozen.
3.340 Meter hoch
kann man in Sölden mit Liften fahren, und auf 144 km Pisten wieder herunter. https://oetztal.com
Unterkunft
Laut ist es in Sölden, still z. B. beim Falknerhof in Niederthai.
Weltzentrum des Naturbahnrodelns
Wer noch nicht in Oetz stehen bleiben will, kommt auf der Fahrt hinein ins Ötztal nach Umhausen, und da gibt es gleich mehrere Sehenswürdigkeiten: Unterhalb von Umhausen liegt Köfels, dort steht mit der Naturrodelbahn Grantau ein Weltzentrum des Naturbahnrodelns. Hier sei erinnert an die Weltmeisterschaften von 2011 und 2021, dazu kommen Europameisterschaften, Weltcuprennen sowie Österreichische und Tiroler Meisterschaften. Die Grantau ist auch beliebte Trainingsstätte – für Anfänger als auch für Athleten zahlreicher Nationalteams. Schauen Sie auf der Webseite, ob sich Ihr Urlaub mit einem Großevent überschneidet!
Im Ötz- und Kühtai gibt es zahlreiche (günstige) Rodelstrecken.
Von Umhausen Richtung dem kleinen, seitlich gelegenen Hochtal Niederthai wartet zuerst der 159 Meter tiefe Stuiben-Wasserfall auf Sie, der höchste Wasserfall Tirols. Da gibt es gleich mehrere Aussichtspunkte für den Stuibenfall, und im Sommer kann man auch hinwandern. Schön (beleuchtet) ist er aber auch im Winter.
Und dann eben Niederthai. Das liegt schon auf 1.538 Meter Höhe, bekannt ist Niederthai als schneesicheres Langlaufzentrum und als ruhiges und sonniges Familienskigebiet, zudem kann man noch herrlich nächtigen und speisen (zum Beispiel beim Falknerhof, oder Sie fahren noch weiter rauf zum Bichl).
Bond war auch schon da
Man kann mit einiger Gewissheit sagen, dass Niederthai das krasse Gegenteil vom nächsten Ötztaler Skiort ist: Sölden. Was soll man noch über den gigantischen, sogar aus einem James Bond-Film („Spectre“) bekannten Skiort sagen?
Sölden hat 3.000 Einwohner und 15.000 Gästebetten, verdient also gutes Geld mit jährlich rund zwei Millionen Übernachtungen. Warum? Im Sommer ist es inzwischen ein Mountainbike-Mekka („Bike Republic Sölden“) mit sechzehn Naturtrails.
Und im Winter bietet das Skigebiet Sölden wirklich alles, es besteht aus drei Arealen (Giggijoch, Gaislachkogl und Gletscher), die 31 Bergbahnen und 144 Kilometer Pisten sind alle miteinander verbunden – auf einer Höhe von 1.350 bis 3.340 Metern.
So lang! So steil!
Sölden ist nicht nur schneesicher, sondern eben vergletschert, auch wenn das jedes Jahr weniger wird. Es hat ja einen guten Grund, warum der Skiweltcup seit vielen Jahren mit einem Rennen in Sölden beginnt, eigentlich ist es nur ein Hang, aber den müssen Sie mal gesehen haben! So lang! So steil!
Ganz oben gibt es wahnsinnig schöne Selfiemotive beim Tiefenbachgletscher. Und drüben am Rotkogljoch kann man über den Snowpark, einen Funcrosspark und eine Funslope jagen.
Limitiert ist man hier wirklich nur durch die physiologische mitochondriale Insolvenz, also wenn die Oberschenkel brennen und man nach Luft japst. Sonst: Zweifellos eines der aufregendsten Skigebiete überhaupt.
Selfiespot auf „nur“ 3.030 Meter Höhe im Skigebiet Hochgurgl.
Für die Familie
Das familiäre Highlight ist aber noch ein Stück weiter, am Talschluss des Ötztals: Gurgl/Hochgurgl. Das Skigebiet ist deutlich kleiner als der große Bruder Sölden. Und der höchste Lift bringt einen auch nur knapp über 3.000 Meter. Dafür gibt es dort nur Südhänge und eigentlich jedes Mal traumhaftes Kaiserwetter (= Sonnenschein und blauer Himmel).
Aqua Dome: Beim Entspannen helfen Spa und Thermalquellen.
Und nein, es wurde nicht auf die Ortschaft Längenfeld (zwischen Sölden und Umhausen) vergessen, ganz im Gegenteil: Wer sich beim Rodeln, Langlaufen, Snowboarden und Skifahren so richtig schön ausgepowert hat, kann noch in die Therme Aqua Dome kommen. Die dort genützten Thermalquellen sind seit über hundertsechzig Jahren bekannt, aber erst 1997 stieß man in 1.865 Meter Tiefe auf 68 Grad heißes Wasser und begann 2004 mit dem Bau des heutigen Spa und Hotels. Was immer Sie von einem Spa haben wollen, dort werden Sie es höchstwahrscheinlich finden, auch mit kleinen Kindern. Es gibt so viele unterschiedliche Becken, dass die zusammengezählt auf eine Wasserfläche von 2.200 Quadratmetern kommen.
Das Tollste am Ötztal?
Sicher alle Bergpanoramen, von denen man sich nicht sattsehen kann. Jedenfalls, wenn das Wetter passt.
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