Korsika: Was die Bilderbuch-Insel im Mittelmeer zu bieten hat

Die Hafenstadt Calvi liegt im Nordwesten Korsikas.
Vorarlberger Wanderer machten hier bereits in den 1950ern Bergtouren.

Würzig herber Rotwein, duftender Wildschweinbraten, Trüffel, streng riechender Ziegenkäse und Esskastanien, Blutrache, Eigensinnigkeit und korsischer Stolz samt viel Natur – das sind markante Kennwerte der Heimatinsel Napoleons. Weniger bekannt ist aber, dass sich in der Gebirgswelt mit dem „Grand Randonee 20“ einer der schönsten und schwierigsten Weitwanderwege Europas befindet. Erlebnishungrige zieht es zu den Wildbächen und Schluchten, Schwimmer zu den tiefblauen Badepools von Gebirgsflüssen und Radler auf die Bergstraßen. Faszinierend an der 180 Kilometer langen und achtzig Kilometer breiten Insel sind die landschaftlichen Gegensätze.

Eine Karte von Korsika, Frankreich, mit den Städten Ajaccio, Calvi und Bonifacio.

Wer mit der Fähre anreist, sollte seine Inseltour im Norden am Cap Corse beginnen. Die wie ein Daumen aussehende Halbinsel ist ein Korsika in Miniatur. Gebirgsdörfer, blühende Macchia, Steilküsten und dazu feine Strände – wie im Bilderbuch präsentiert sich die Strecke zwischen Nonza und Centuri. Zur lokalen Fahrtaktik gehört das Umrunden von halbwilden, korsischen Schweinefamilien. Oder von Ziegenherden, die auf der Fahrbahn Fiesta halten. Das ist typisch Korsika – rau, wild und doch liebenswert. Die Tour um das Kap ist ein Vorgeschmack auf die Fahrstrecke entlang der Westküste von Calvi bis nach Bonifacio. Spektakulär in jeder Kurve und Serpentine, aber vergessen Sie Tempo 80.

Ein Dorf mit roten Ziegeldächern schmiegt sich an einen bewaldeten Hügel.

Wer Gebirgsdörfer entdecken will, sollte sich auf den Bergstraßen vor korsischen Schweinefamilien in Acht nehmen. 

Besonders die Nordwestküste um Calvi bietet viele Kontraste. Lange Sandbuchten, klares Meer und das gebirgige Hinterland der Balagne mit Bergdörfern laden zum Bleiben. Calvi selbst hat Charme, ist typisch korsisch in Oberstadt und Unterstadt geteilt. Oben die Altstadt mit verwinkelten Gassen und Zitadelle, unten warten Bar- und Restaurantszene und der Jachthafen. Faulenzt man am Sandstrand, reicht eine Kopfdrehung zum Blick in die Bergwelt. Und die ist spannend. Biker radeln in den Hügellandschaften der Balagne, Genießer spazieren durch Dörfer wie Pigna oder Lumio. Und Korsikas zahlreiche Zweitausender und der nördliche Ausgangspunkt des GR 20 – Calenzana – sind für Wanderer in Reichweite.

Ein Mann fährt mit einem von Eseln gezogenen Karren durch ein Zeltlager.

Aus dem einst einfachen Zeltlager (mit Esel) ist über die Jahrzehnte ein großes Feriendorf mit Bungalows und Chalets entstanden.

Zeltlager statt Schlachthof

Bereits in den Fünfzigerjahren waren Wanderer vom Dornbirner Alpenverein dort auf Entdeckungstour. Sie waren von der Natur angetan, am Strand fanden sie Palmen und Pinien, oben Almen und Nadelbäume. Also vereinbarten sie mit ihren Vereinskollegen, 1959 wiederzukommen. Ein Grundstück fürs Zelten wurde gepachtet. Vormittags tourten sie durch die Berge, nachmittags genossen sie das Strandleben. Die Organisatoren Willi Doderer und Kurt Müller beschlossen, touristisch weiterzumachen. Die Zeltstadt bekam den Namen “Störrischer Esel“, 350 Meter vom Strand entfernt. (fünfundzwanzig Gehminuten vom Hafen von Calvi).

Warum der Name?

 Müller erinnert sich an einen jungen Esel, den der Alpenverein damals vor dem Schlachthof rettete und ihn ins Lager brachte. Dort war der etwas verstört wirkende Esel bald der erklärte Star. Über sechzig Jahre später hat der „Störrische Esel“ Kultstatus. Jetzt stehen neben den Zelten Bungalows, das Duschwasser ist heiß. Seinen Charakter hat er behalten, mit der Übernahme durch die Vorarlberger „Reiseschneiderei“ Rhomberg Reisen ist die Betreuung professioneller geworden.

„Eselgäste“ können per Charterflug nach Calvi reisen. „Es lässt sich hier locker eine Woche ohne Fahrzeug auskommen“, sagt Thomas Brandl von Rhomberg. Beispiele gefällig? Zum Sonnenaufgang auf den 703 Meter hohen Hausberg, nach dem Frühstück zum Strand von Bodri. Und tags darauf wandernd auf die Halbinsel La Revellata mit ihrem Leuchtturm.

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