Wolfgang Wodo Gratt, Wenzel Brücher und Markus Pendzialek im Live-Hörspiel-Erlebnis "Schlimmes Ende" im Linzer uhof: Theater

© Reinhard Winkler

Live-Hörspiel
02/05/2014

Wenn der Kaffeebecher "reitet"

Keine Tricks, kein digitales Archiv ... Vorstellung für Vorstellung ist in "Schlimmes Ende" im Linzer u\hof:-Theater live ein schräg-witziges Hörspiel zu erleben.

von Heinz Wagner

Der 11-jährige Eddie muss – zu seinem Besten – vorübergehend (?) seine Eltern verlassen. Die leiden an einer gar schrecklichen Krankheit: Sie sind ganz gelb, an ihren Rändern gewellt und stinken erbärmlich. Ihre „Krankheit“ lässt sie dauernd furzen. Eddie, dessen Name seine Mutter immer wieder vergisst und immer wieder verschiedene andere einsetzt, wird von Großonkel und Großtante abgeholt.

Beide haben von ihrem ersten Auftritt an den Beinamen „wahnsinnig“. Im Verlauf der Geschichte erweist sich dies noch als Untertreibung. Das „St.-Fürchterlich-Heim für dankbare Waisen“ sowie eine „Bande streunender Theaterleute“ spielen noch wichtige Rollen im rund einstündigen Geschehen des „Live-Hörspiel-Erlebnisses“ im Kellertheater des Linzer Ursulinenhofs, der Jugendschiene des Landestheaters in der oberösterreichischen Hauptstadt, u\hof:

Total analog

„ACHTUNG AUFNAHME!“ - ein rotes Schild mit diesen weißen Buchstaben hängt vor der Bühne von der Decke. Drei Männer betreten die Bühne nehmen in einem dort eingerichteten Radio-Studio Platz. Das Schild leuchtet auf. Jetzt wird die Aufnahme gespielt. Es wird nicht aufgenommen, aber live gespielt. Kein Playback. Wenn einer des Trios sich verhaspelt, drückt er die Stopp-Taste, ein Geräusch wie verschwurbeltes Verkehrt-Sprechen ertönt. „Ältere“ Semester erinnert's ans schnelle Rückspulen von Tonkassetten – ein für viele junge Besucher_innen eher anachronistisch anmutendes Ding – vielleicht verwirrt manche von ihnen daher auch die Abbildung dessen, was vor Handy, MP3-Player und CD Musik, Geschichte, Töne speichern konnte, auf dem Plakat zu „Schlimmes Ende“.

Hier auf der Bühne des Kellertheaters im Linzer Ursulinenhof (u\hof:) wird auch das Live-Hörspiel vor allem auf analog gespielt – Sounds – ob Pferdegetrappel, rinnendes Wasser ... - kommen nicht von Datenbanken aus dem Internet, sondern werden in der Sekunde produziert, jedes Mal aufs Neue – wie Schauspiel oder Tanz in anderen Bühnenstücken. Ein umgedrehter, leerer Kunststoffbecher schnell hintereinander auf die Tischplatte geschlagen – schon tauchen die Pferde, die die Kutsche ziehen, vor Ohren und Augen des Publikums auf. Und was könnte rinnendes Wasser besser imitieren als das Original ins Glas gegossen?

Neues Format gefunden

„Wir sind immer auf der Suche nach neuen Formaten“, beginnt Regisseur John F. Kutil, dem Kinder-KURIER die Entstehungsgeschichte dieses Stücks zu schildern. „Hörspiel hat mich, hat uns gereizt.. Und dann haben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Stück oder Text dafür gemacht. Das Buch von Ardagh hat sich angeboten, weil es einige sehr schräge Charaktere beinhaltet.“ Zu diesen ließen sich Regisseur und die drei Darsteller/Hörspielsprecher und Sounddesigner in einem charakteristische Stimmen und Geräusche einfallen.

Konzentration aufs Hören

Auch wenn sie live auf der Bühne sitzen und mit aus dem Alltag bekannten Gegenständen eine breite Palette an Tönen und Sounds erzeugen sowie eine höchst skurrile Geschichte mit schrägen Figuren, schwarz-humorigen Szenen und manch überraschenden Wendungen, erzählen, so ist das Format für manche junge Theaterbesucher_innen doch einigermaßen gewöhnungsbedürftig. „Nur zuhören“ lässt manche unruhig werden. Wenngleich sich auch action-gewöhnte Geister das eine oder andere für sich rauspicken. Emre etwa taten's die steinharten Gurken gegen Ende an, Lara gefiel „das Lied in der Mitte, wo die drei mit verschiedenen Dingen klopfen und Musik machen“. Brithney fand ein und dasselbe „gut und schlecht, nämlich das Waisenhaus. Gut fand ich, dass die Kinder alle abgehauen sind und schlecht, wie sie dort vorher behandelt worden sind.“

Schlimmes Ende
Ein LIVE-Hörspielerlebnis nach dem gleichnamigen Roman von Philip Ardagh
Ab 10 Jahren

Inszenierung: John F. Kutil
Mit: Markus Pendzialek, Wenzel Brücher, Wolfgang Wodo Gratt
Bühne und Kostüme: Julia Edlmair
Musik: Wolfgang Wodo Gratt
Dramaturgie und Theaterpädagogik: Anke Held

Bis Ende März
u
hof: im OÖ Kulturquartier
4020, Linz
Landstraße 31
Telefon: (0732)76 11-0
bzw. 0800 218 000-5

Zur Website des uhof:-Theaters

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