Was die Spieler hinter den Figuren zu sagen haben

Etliche Bilder und viele Antworten rund um "HOP - Osterhase oder Superstar?"

Hereinspaziert, winkt der Hase gönnerhaft Sein Rückzugsort im Felsen auf der Osterinsel: Das kammerl mit dem Schlagzeug. Das ist die Welt von E.B: (Easter Bunny), der eines nicht will: Osterhase werden, wie's der Vater vorsieht. Die "wunderbare" Welt der österlichen Fabrik Recht unschuldig wirkt hier der Putschistengeneral Carlos Einer der drei Hasen der Pink-Brigade, die den "verlorenen" Junghasen aus Hollywood zurück zur Osterinsel bringen soll. Staunen über die Massenproduktion an Süßigkeiten Mit E.B., dem Sohn des Osterhasen, verbindet dessen deutsche Stimme Alexander Fehling, dass er selbst als Jugendlicher in einer Band spielte, wenngleich einer durchaus ungewöhnlichen. „Ich spielte Altherren-Jazz, gelernt hab ich Klavier und Gitarre.“
Für den 30-jährigen Schauspieler, für „Buddenbrocks“, „Inglourious Bastards“, „Goethe!“ und eben erst gestartet „Wer wenn nicht wir“ immer wieder ausgezeichnet, war's die erste Synchron-Sprecherrolle.

Schwang da Angst mit? Immerhin gibt’s ein Original, an dem er vielleicht gemessen werden könnte?
„Ich hatte nichts zu verlieren, und sofort drauf Lust, ein Tierchen zu spielen. Du musst dich in die Rolle fügen, dich aber dann doch auch hundertprozentig freispielen vom Original.“

Ich fand’s irgendwie lustig, hab ich’s probiert, als ich jünger war, um Geld zu verdienen Masse-Menge – Gruppe redet vor dem Restaurant, gemacht. Aber solo neu.

Gereizt hat mich der Mix, E.B. ist eine halb reale Figur, ein bisschen überhöht, zwar ernst zu nehmen, aber doch nicht ganz und kann sich alles mögliche leisten…
Die Arbeit war blödeln, Spaß haben, befreiend, sehr musikalisch, völlig unverkopft.
Der Unterschied zum Schauspielen: Es muss alles hörbar sein. Die Mittel sind ein bisschen anders, aber letztlich versucht man alles dasselbe wie bei Schauspiel, du musst auch beim Synchronsprechen voll in die Stimmung reingehen…
Du hörst dir zwar die Originalstimme an, wie hat der das gemacht?! Das musst du schon beachten, aber vieles funktioniert einfach in der deutschen Sprache anders. Du musst in dem Moment neu entscheiden, wie du’s anlegst. Und das ist ein sehr genaues Arbeiten, da kommt’s viel auf Timing an.
Es geht allerdings chronologischer vor als beim Dreh.

Als Kind habe er selbst Angst vor dem Osterhasen gehabt. „Meine Oma hat in Köpenick gewohnt, dort hatte eine Tante einen Keller, der war mir unheimlich. Sie sagten mir, dort wohne der Osterhase.

Ob er selbst, wie der junge (Oster-)Hase – gegen Eltern – rebelliere?
Ich bin ja schon älter und muss mit meinen Eltern nicht mehr so oft streiten wie als Jugendlicher beim Wegbleiben am Abend und anderen alltäglichen Meinungsverschiedenheiten. Naja, rebellisch, so mit Rucksack losziehen, klingt klischiert, aber solche Situationen kenne ich schon. Schauspieler James Marsden (Frank), die deutschen Synchronstimmen von Hasensohn, -vater und dem Putsch-Küken: Alexander Fehling, Wolfgang Stumph und Detlev Buck - dazwischen drei Characters, die in Berlin zum foto-Shooting auftraten. Ganz links Synchron-Regisseur Dietmar Wunder, daneben James Marsden (Frank) sowie die deutschen Synchronstimmen von Hasensohn, Putsch-Küken und dem alten Osterhasen: Alexander Fehling, Detlev Buck und Wolfgang Stumph.

Was war/ist eigentlich sein Job, wollte der Online-Kinder-KURIER von Dietmar Wunder wissen. Der Berliner Schauspieler, Hörspiel- und Synchronsprecher führte bei HOP Synchron-Regie. Der Film ist da, die Texte ebenso, was bleibt da für diese Aufgabe?

„Eigentlich ist es fast genau das Gleiche wie Regie am Set oder am Theater zu machen, es geht um die Führung der Schauspieler_innen, um die Geschcihte und Szenen so glaubwürdig wie möglich zu transportieren… du gibst Hinweise, wo etwas emotionaler, beispielsweise verzweifelter  zu sprechen ist. Oder veratmeter, wenn er rennt…
Und dann musst du auch aufpassen, weil die Stimmen bei uns in manchen Rollen anders sein müssen. In US-amerikanischen Filmen klingen Frauen oft sehr hoch und quietschig. Zu allererst einmal gilt es, einen optimalen Mix an Synchronsprecherinnen und –sprechern zu finden. Das Gesamtensemble muss zusammenpassen. Natürlich hast du sehr viele Vorgaben, die dich schon mal einengen. Aber als Regisseur für diesen Bereich musst du schauen, dass die Sprecher  diesen Käfig nicht als Käfig empfinden und sich möglichst frei fühlen können.“
Als Synchron-Regisseur habe er ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Schauspieler_innen, „es geht darum, dass das Team vom Stimmklang her sehr gut zusammen passt. Aber bei so großen Filmen fallen Entscheidungen dann doch oft auch in den USA. 

Wird da nach der Stimme ausgewählt oder nach prominenten Namen?
Bei Animationen werden schon oft Promis verpflichtet, die dann auch den Film promoten können, das sind Entscheidungen aus Marketinggründen. Ein anderes Kriterium ist schon auch, dass die Stimme oft nahe ans Original herankommt.
Meine Aufgabe ist auch, große (Spiel-)Freude zu vermitteln, mitzuhelfen, dass die Sprecher_innen den jeweiligen Charakter sehr schön rüberbringen und sie da möglichst nahe heranführen kann. 

Ist nicht oft am Beginn der Synchronarbeiten der Originalfilm noch gar nicht fertig?
Leider müssen wir ganz oft mit unfertigem Material, mit wenigen Vorgaben anfangen. Da brauchst dazu viel Fantasie.

Bei HOP werden die Animationsfiguren sehr menschlich gesprochen, auch die der Tiere, die reden ganz normal miteinander, so dass es gar nicht auffällt, dass es ein animierter Hase ist, nicht die C
Charge von einnem Comic.

Ist es schwieriger Regie bei einem eigenen oder einem Synchron-Film zu führen?
Das ist nur bedingt zu vergleichen. Beim eigenen Film kannst und musst du was schaffen, das noch nicht existiert. Es ist schön, Charaktere neu entwickeln und schaffen zu können.
Beim Synchron ist das Schwierige, du hast eine Vorgabe, die musst du füllen - nicht ohne Seele. Und so, dass dir und mir nicht auffällt, dass der Film gar nicht auf Deutsch gedreht wurde. Und du musst minimalistisch arbeiten, hast keine Vorbereitungszeit, kannst Sprecher_innen nicht erst in den Regen schicken, sondern musst sie darauf vorbereiten, sich das im Kopf vorstellen zu können.

Werden die Stimmen einzeln aufgenommen oder in Gruppen, so dass Dialoge direkt im studio gesprochen werden?
Früher wurde oft zusammen aufgenommen, heute ist es leider so, dass du fast immer jede Rolle einzeln aufnimmst. Da musst du als Regisseur die anderen im Hinterkopf haben, damit das mit den Dialogen funktioniert. Er spielt einen nicht mehr ganz jungen Mann, gegen Ende 20, der noch immer zu Hause wohnt. Seine Eltern nörgeln nur an ihm 'rum, dass er noch immer keinen fixen, tollen Job habe. Seine Geschwister hacken auch auf ihn ein. Die junge Adoptivschwester, Top-Schülerin, meint, sie wäre sowieso nur aufgenommen worden, weil Frank ein Versager sei.
Einer jener „Versager“, der lieber in Fantasiewelten lebt und davon träumt, eines Tages was richtig Großes zuwege zu bringen. Als kleiner Bub sah er nächtens im Frühjahr aus dem Fenster und im Garten des elterlichen Hauses landete ein High-Tech-Ei, das Gefährt des Osterhasen.
Und genau den, vielmehr dessen Sohn, E.B. (Easter Bunny) trifft er nun. Den sprechenden kleinen Hasen, der so gar nicht Osterhase werden will. Er steht einzig und allein auf Schlagzeug und möchte in eine Band. Und er kann sprechen.
Aber zurück zu Frank. Im Gegensatz zu (Oster-)Hasen und Hühnern, die als Animationsfiguren den Film „HOP – Osterhase oder Superstar?“ bevölkern, wird der von einem menschlichen Schauspieler verkörpert. James Marsden heißt der, ein jung, aufs erste schüchtern wirkender doch schon 38-jähriger Mann mit wachen Augen.

Was ihn an der Arbeit an diesem Film fasziniert habe?
„Die Geschichte hat so etwas Magisches!“

Und wie war der Dreh mit den „Osterhasen“?
„Eine große Herausforderung – mit wem spielst du? Wo ist dein Gegenüber? (Die animierten Figuren wurden ja erst nachträglich in den Film montiert.) Und ich hab mich täglich gefragt, wie mach ich das.“
Selbst eine der Begegnungen mit Menschen, nämlich David Hasselhoff, „zu der kam’s nie, wir waren nie gleichzeitig am Set, oder wenn wie im Theater, ganz weit voneinander entfernt. Witzigerweise habe ich ihn vor ein paar Wochen zufällig beim Radfahren in the middle of nowhere getroffen. Dort hat mich ein Freund ihm vorgestellt und gefragt, , weißt du, dass du mit ihm im selben Film bist, in HOP?’“

Bei dem Film lernte Marsden, wie er lächelnd gesteht noch neues über Osterhasen: „Dass sie Jelly Beans sch…“
Als Kind habe er lange an den Osterhasen geglaubt, sehen hätte er ihn nie wollen, „vielleicht hätte er mir, wenn er mich gesehen hätte, keine Süßigkeiten gegeben. Außerdem wollte ich glaub ich nicht draufkommen, dass es den Osterhasen gar nicht gibt.“ Kaum eine seiner Antworten in der Interviewrunde kommt  ohne einen Scherz aus. Aber nie aufdringlich, nie blöd. 

Und glauben seine Kinder (5 und 10 Jahre) an den Osterhasen, sind sie stolz nun einen Vater zu haben, der im Film selber mit dem tauschen darf?
„Sie mögen Ostern, weil sie dann Süßigkeiten haben dürfen! Selber war ich vielleicht ein bisschen alt als Jugendlicher, als ich entdeckte, der Osterhase ist ein Fake. Vielleicht glaub ich aber noch immer an ihn. Ja, ich spiel gern ,dumme’ Rollen, mag das Magische und möchte auch für meine Kinder nicht alles ent-mystifizieren, also in Disneyland nicht Backstage gehen und die ganze Hydraulik hinter den Fahrzeugen sehen oder ihnen zeigen. Es ist schon interessant, zu wissen und erklären, wie was funktioniert, aber Geheimnisvolles sollte es auch weiter geben.“

Und dieser Film ist in seinem Witz auch so angelegt, dass die ganze Familie ihren Spaß im Kino hat und auch die Eltern sich nicht langweilen.
Marsden, der Radio- und TV-Journalismus studierte, kam übrigens ziemlich zufällig zur Schauspielerei. Bei einem Urlaub als 16-Jähriger mit seiner Familie auf Hawaii traf er Kirk Cameron und seine Schwester Candace Cameron-Bure. Die beiden luden ihn ein, sie in Los Angeles zu besuchen. Ja und das war der anfang, „obwohl sie mich nirgends reinbrachten, aber ich bekam einblicke ins Business und Kontakte.“ So unversehens wie in HOP Osterhasen-Co-Chef, so wurde er auch Schauspieler. Die Eltern, „mein Vater ist Wissenschafter unterstützen mich sehr auf meinem Weg.“ Vater Hasen, der den Sohn zur Nachfolge vergattern will, spricht in der deutschsprachigen Version Wolfgang Stumph.
Er erinnert sich im Interview nicht zuletzt daran, selbst als Vater seinen Sohn zu Ostern ausgetrickst zu haben. „Wir hatten sieben Eier versteckt und immer wieder welche, die er schon gefunden hat, neu versteckt, so dass wir 20 Mal was versteckt hatten. Ach hatten wir einen Riesenspaß.
Der studierte Ingenieur war in der damaligen DDR aber früh auf die (Kabarett-)Bühne gewechselt. Bühne und Film wurden sein Metier. Stets Wert legte er darauf, sich Rollen aussuchen zu können.
Ein Entscheidungskriterium für eine Film ist für ihn, der sich auch in mehreren Sozialprojekten engagiert und seinen Kindern nie Spielzeug gab, das schießen kann: Die Aussage muss stimmen. „Und hier passt's. Auf das hören und achten, was die Kinder wollen und nicht die elterliche Wunschvorstellung gegen den Willen der Kinder durchziehen“ - diese Botschaft gefällt ihm. Wenngleich er zugibt, dass er selbst anfangs schon eher gluckenmäßig über die eigenen Kinder wachte und hin- und hergerissen war, was den Berufsweg von Tochter (Stephanie) und Sohn (Thomas) betrifft. Dass die Tochter schließlich schon mit neun Jahren auch bei ihrem ersten Film landete? „Als es ums Casting von Kindern für eine Rolle ging, hat sie mich gefragt: ,Papa, warum soll ich nicht auch dürfen?!' 
An HOP gefällt dem arrivierten Schauspieler auch, dass Kindern (und Eltern) damit eine Fantasiewelt eröffnet wird. „In unserem ganzen Streben mehr, höher, schneller, wird oft auf Herz und Kopf vergessen, auf Familie und Emotionen – in HOP spielen nicht Action, große Effekte die große Rolle, die das ganze Kino erschüttern, sondern das ist ein richtiger Familienfilm, der die Basis des Lebens vermittelt…“ Den „Carlos“, dessen deutsche Stimme Detlev Buck spricht, hält er für einen „Idioten, aber ich mag die Figur und find es gut, dass dieses Thema angesprochen wird“. Das Oberküken will die Abwesenheit des jungen Hasen und die damit einhergehende Sorge des Vaters nutzen, um sich an die Macht zu putschen – recht farbenprächtige Action-Szenen in denen aus Düsen mit Schokolade geschossen wird…
Im Original spricht dieser Carlos Englisch mit südamerikanischem Akzent. Buch wollte diesen übertragen, „ich hätt’ gern einen osteuropäischen Akzent gesprochen“, verrät er in der Interview-Session. Was allerdings die Filmfirma nicht wollte, weshalb der Synchronsprecher auch in der deutschsprachigen Fassung in die Kiste einer spanischen Färbung griff.

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(kurier) Erstellt am
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