© Sam Madwar

Theater
03/20/2014

Felix Mitterer: "Stigma" entlarvt die Scheinheiligen

Das Stück wurde vor 33 Jahren teils verboten. Jetzt spielt es die Schaubühne-Wien.

von Heinz Wagner

Vor 33 Jahren bei der Erstaufführung, mussten die Theaterleute lange einen Ort suchen, wo sie „Stigma“ von Felix Mitterer spielen durften. Auch danach wurde es nur sehr selten gespielt. Das Stück ist heftig. Auch heute noch. Trotz aller Enthüllungen der vergangenen Jahre – beispielsweise über Missbrauch durch Würdenträger der katholischen Kirche – kann es noch immer erschüttern. Dabei rückt es den tiefen, festen, aufopfernden Glauben der Magd „Moid“ an Jesus ins Zentrum der Geschichte. Nicht zuletzt auch deshalb, weil in der Zeit, in der Mitterer das Stück ansiedelt (im vorvorigen Jahrhundert), Dienstboten, die nichts besaßen, sogar heiraten verboten war. "Moid" versenkt sich so in die Liebe zu Jesus, dass an ihrem Körper an jenen Stellen, an denen Christus ans Kreuz genagelt wurde (Füße und Hände) sowie an der Stirn (Dornenkrone) Wunden auftauchen. Und sie vollbringt Wunder – heilt Kranke auf die sie eingeht.

"Honorig"?!

Scheinheiligkeit - auch katholischer – hochrangiger Vertreter der Gesellschaft stellt Mitterers Stück bloß. Dem aufrechten, menschlichen Landpfarrer kommen der Monsignore, Abgesandter des Bischofs, sowie ein „honoriger“ Medizinprofessor in die Quere.

Die junge Frau, die die Anmache des Sohnes der Bauersleut ablehnt und der sie eines Nachts mit einer Teufelsmaske auf dem Kopf vergewaltigt, wird von den hohen Herren beschuldigt, vom Teufel besessen zu sein. Sie ordnen einen Exorzismus (Teufelsaustreibung) an, den der Monsignore vornimmt. Aber steckt nicht all das, was er ihr an Gottlosigkeit und Sünde vorwirft, viel mehr in ihm?

Heftig

Das gesamte Ensemble der Schaubühne Wien (die schon viele Mitterer-Stücke spielte), vor allem aber die junge Hauptdarstellerin, verschaffen dem Publikum nicht nur einen kalten Schauer, der über den Rücken läuft. Nichts für schwache Nerven. Und selbst in den wenigen Szenen, die Lachen provozieren, bleibt einem dies im Hals stecken. Lediglich an zwei, drei Stellen sind die Übergänge und Umbauten zu abrupt, hier wäre die eine oder andere Kunstpause besser, um das eben Gesehene wirken zu lassen.

Nach der Premiere im Wiener Theater Center Forum und einer Tournee durch niederösterreichische Städte, kehrt „Stigma“ jetzt wieder nach Wien zurück – ins Stadttheater Walfischgasse. Im April und Juni ist es in Oberösterreich zu sehen.

Stigma
Felix Mitterer
Regie: Marcus Strahl

Moid: Anna Sophie Krenn
Bauer: Alois Frank
Bäuerin: Birgit Wolf
Ruepp, beider Sohn: Manuel Dragan
Bast, Großknecht
Gendarm: Rudi Larsen
Sepperl, Knecht: Raphael Cisar
Pfarrer: Johannes Kaiser
Monsignore: Martin Gesslbauer
Medizin-Professor
Polizist: Felix Kurmayer
BesucherInnen: Rudi Larsen, Martin Gesslbauer, Felix Kurmayer, Birgit Wolf

Bühne: Sam Madwar
Kostüme: Babsi Langbein
Lichtdesign: Michael Heidinger
Make-Up Design: Andreas moravec
Technische Leitung: Stefan Rauchenwald
Assistenz: Birgit Elian

www.schaubuehnewien.at

Wann & wo?
Wien
21. und 22. März 2014, 20 Uhr
Stadttheater, 1010, Walfischgasse 4
Telefon: (01) 512 42 00
www.stadttheater.org

Oberösterreich
Pregarten
11. April 2014, 19.30 Uhr
Kulturhaus Bruckmühle
Telefon: (07236) 2570

Meggenhofen
26. und 27. Juni 2014, 20.30 Uhr
Theater Meggenhofen
Telefon: (07247) 7110-20

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