© Ingo Pertramer

robinson neu
01/18/2015

Robinson als TV-Inselkönig

Eine etwas andere Version des Klassikers Robinson Crusoe im Wiener Rabenhoftheater. Kritik zweier Jugendlicher

Das derzeit im Rabenhof Theater spielende Stück „Robinson Crusoe“ ist keine klassische Umsetzung von Daniel Defoes Werk. Alles beginnt mit einem Casting für eine Reality Show, bei der der Teilnehmer ein Jahr auf einer einsamen Insel verbringen muss. Der Sender „vergisst“ jedoch auf ihn und aus 12 Monaten werden 28 Jahre.

Interview

Nach der Vorstellung konnten wir noch ein Gespräch mit den beiden Darstellern Kai Maertens und Sebastian Pass führen. Die sehr gesprächigen und sympathischen Schauspieler erzählten uns einige Hintergrundinformationen zur Entstehung des Stücks. Beispielsweise wurden die humorvollen Dialoge noch bis zwei Tage vor der Premiere bearbeitet und auch beim Schreiben des Textes gab es kreative Differenzen, welche aber für das lustige Endresultat unvermeidlich waren. Des Weiteren betonten sie, dass man sich als Zuschauer bei dem nicht abmühen sollte, eine Botschaft oder Moral herauszufiltern. Die eigentliche Schönheit des Stückes liegt darin, dass man sich einfach zurücklehnen und die Komödie genießen kann. Mit einer ganzen Reihe von satirischen Dialogen wird die Geschichte erzählt. Mit dieser Kombination bringt man bestimmt die ganze Familie zum Lachen.
Angela Stivanello (14)
Maria Poljak (15)

Ignoranter Chef, Medien-Opfer

Diese Robinson-Version nimmt nicht nur Reality-Shows und das meist sehr witzig, manchmal vielleicht ein bisschen zu bemüht, auf die Schaufel. Sie stellt auch bloß, dass den Sendungsmacher_innen die Teilnehmenden ziemlich wurscht sind. Erst so bleibt Kai ja 28 Jahre „vergessen“ auf der Insel. Und selbst bei der Rückholung soll er in eine Live-Show geholt werden bevor er sich überhaupt von der Aktion einigermaßen erholen kann.

So „nebenbei“ wird auch ein ignoranter Boss bloßgestellt. Die Ideen für neue Formate von Gustav Freitag (!) hält er erst für Käse, um sich fast drei Jahrzehnte später die Erfolge auf seine Fahnen zu heften.

Der Logik des medialen Aufmerksamkeits-Coups folgend wird Gustav Freitags Sohn erst dann zum Star als er irrtümlich schon live auf Sendung seinem Ungustl-Boss den Stinkefinger zeigt.

Gute Sprüche

Und ein paar Bonmots, die in der intensiven Improvisations- und „Denkfabriks“-Phase entstanden, bleiben auch gut hängen: Die Fußstapfen des kreativen TV-Formate-Entwicklers seinen so groß, dass sich andere da reinlegen könnten. Oder der letztlich den Sohn Kai doch nicht überzeugende Spruch seines Vaters für die Krisenfestigkeit seines Gewerbes als Sanitärfirma: „Gesch... wird immer!“

Robinson Crusoe
Die Abenteuer des wohl einsamsten Helden der Literaturgeschichte, als rasant-witzige Mediensatire
Ab 11 Jahren

Buch: Bernhard Studlar
Regie: Roman Freigaßner
Es spielen mit: Kai Maertens, Sebastian Pass
Ausstattung: Heike Mirbach
Musik: Josch Russo

Wann & wo?
Bis 15.März
Rabenhof Theater
1030, Rabengasse 3
Telefon: (01) 712 82 82

Mehr Infos: www.rabenhoftheater.com/

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