Elizabeth Sharp, Sophie Maurovich und Katrin Rother von der 3a der Handelsakademie am Wiener Hamerlingplatz

© Heinz Wagner

Arbeitswelt, wir kommen!
11/28/2013

Persönlich schlägt digital

"Digital Natives" treffen "digital Immigrants" - Jugendliche treffen auf Unternehmer_innen. Schlussfolgerung: Auch in der digitalen Zeit: Die persönliche Bewerbung wirkt

von Heinz Wagner

Arbeitswelt, wir kommen!“ lautetet der Titel eines zweitägigen Kongresses der Initiative „Jugend + digitale Medien“ (organisiert von der Agentur Cox Orange), der kürzlich am Campus der Wirtschaftskammer Österreich am Währinger Gürtel in Wien abgehalten wurde. Jugendliche verschiedener Schulen trafen auf Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft. Und sie hörten nicht nur zu, sondern präsentierten auch einiges selber.

Schon vor dem Vortragssaal im ersten Stock standen Jugendliche der Kooperativen bzw. Neuen Mittelschule Sechshauser Straße (Wien-Fünfhaus) mit ihren informativen, grafisch abwechslungsreich gestalteten Plakaten über die Workshops zur Vorbereitung der Tagung. Am meisten beeindruckten aber Selin Pondul und Erdem Alemda später auf der Bühne durch ihren witzigen Auftritt, wie ein Bewerbungsgespräch ziemlich sicher schief gehen dürfte. Und das wirkte sicher mehr als die besten gut gemeinten Ratschläge to-do und no-go-Listen. Desinteressiert, handyphonierend, zernudelte Unterlagen… im Rollenspiel war Selin Pondul als Karikatur einer Bewerberin genial. Die mustergültige Bewerbung durch einen anderen Schüler, Emanuel Knoflicek, spielten die Kids der Sechshauser Straße in einem in der Schule aufgenommenen Video ein.

Facebook & Co.

Breiten Raum nahm in den Präsentationen an beiden Tagen der Umgang mit sozialen Netzwerken ein. Jugendliche wiesen auf die Wichtigkeit der Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook hin, die sie alle unter anderem im Workshop Jobtalks 2.0 in der Meiden-Jugend-Info praxisnah erlernt hatten – ebenso wie die online-Suche nach möglichen Berufs- und Bildungswegen, Jobs und digitale Bewerbungen.
Michela Vignoli vom Austrian Institute of Technology legte ihren Schwerpunkt weniger auf die Gefahren als auf die Chancen digitaler Medien und sozialer Netzwerke auch im Hinblick auf Chancen rund um (kreative) Bewerbungen.

Noch nicht optimal

„Sehr ausgereift sind die Internetauftritte vieler Firmen aber noch nicht“, bemängeln Elizabeth Sharp, Sophie Maurovich und Katrin Rother von der 3a der Handelsakademie am Wiener Hamerlingplatz (eine der Schulen des privaten Trägers Vienna Business School des Fonds der Wiener Kaufmannschaften). „Oft sind die Seiten sehr kompliziert aufgebaut und die Anforderungen nicht auf die entsprechenden Stellen zugeschnitten und schon gar nicht auf junge Leute. Wir als HAK-Schülerinnen brauchen in den Ferien Praktikumsplätze und haben daher solche gesucht. Die meisten Firmen verlangen Berufserfahrung. Wie sollen wir die haben, die wollen wir ja gerade dadurch erst erwerben! Außerdem funktionieren bei so manchen Unternehmen Bewerbungen über Online-Portale oft technisch gar nicht.“ Letztlich haben die drei Schülerinnen ihre Praktikumsplätze über persönliche Bewerbungen und Kontakte gefunden.

Persönlich

Das nahm sich Mario Mirković zu Herzen. Als der 14-jährige Poly-Schüler am ersten Tag hörte, dass am zweiten Tag Alexander Riedl, der Ausbildungsleiter von McDonald’s, referieren werde, düste er nach der Schule nochmals zum Tagungsort, um sich persönlich zu bewerben. „Ich hab in der Schule geschrieben, ich will Manager bei McDonald’s werden, die Lehrerin hat gemeint, das kann ich so nicht schreiben, so bin ich jetzt hergekommen.“

Ideale Verbindung

Nicht nur, weil er flott und launig vortrug, sondern vor allem was Ali Mahlodji zu sagen hat(te) und welche Tipps er gab, zog (nicht nur) die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer in den Bann. Die Plattform whatchado, auf der mittlerweile an die 1500 Menschen in Videos von ihren Jobs und wie sie dazu gekommen sind, erzählen, ist der bereits 42. (!) Job des erst 32-Jährigen gebürtigen Persers. „Ihr werdet alle in eurem Leben viele verschiedene Jobs haben. Sucht euch aber bitte einen Job nicht wegen der Kohle aus, sucht, was euch wirklich Spaß macht, was euch oder wofür ihr euch begeistert!“ Dabei zeigte er fotos von einem seiner bestbezahlten Managerjobs, wo er alles hatte, viel Geld, dickes Auto… „aber schaut mich an, ich war ein echter Kotzbrocken! In einem Urlaub hatte ich Zeit zum Nachdenken und hab gleich von Thailand aus per eMail gekündigt und nachher was Neues gesucht.“ Vom kleinen Start-up Watchado – „ein Schreibtisch, drei Laptops, zwei Perser, ein Wiener“ wuchs die Plattform in zwei Jahren zu einer Firma mit 26 Leuten aus 13 Nationen mit 12 Sprachen und „im Endeffekt war das aber die Idee, die ich schon mit 14 gehabt hab. Da wollte ich die Welt retten durch Verbreitung von interessantem Wissen. Ich war immer neugierig, hab immer alle Leut gefragt, was sie arbeiten, was ihr Job wirklich ist.“ Und genau das will die Plattform – Wissen über Berufe verbreiten - anhand von und durch Menschen die sie ausüben.

Umwege - jetzt happy

Mehrere Umwege hat auch schon Esther Binder hinter sich. Nun macht sie eine Lehre als Elektronikerin bei A1. Begonnen hatte sie in einer HTL, weil ihr Technik schon immer zusagte. Troubles mit einem Lehrer und eine Nachprüfung veranlassten sie, sich nach anderem umzuschauen. „Und weil meine beste Freundin die Schule für Kindergartenpädagogik angefangen hat, hab ich das auch gemacht.“ Nach einem Jahr kam sie drauf, „dass du da immer dran hängst, du schaltest nie ab. Auch nicht am Wochenende oder im Urlaub“. Also schaute sich Binder wieder nach Neuem um, entdeckte die Möglichkeit der Elektronik-Lehre. „Und das ist jetzt wirklich mein’s. Die Ausbildung ist auch so vielfältig, du durchläufst alle Bereiche – von Netzwerktechnik, Serverbetreuung, Schaltwege, Umstellung von Internetverbindungen auf größere Bandbreiten…“

Zur Kongress-Homepage

Video von der Tagung

Analoge, persönliche Empfehlung schlägt digitale Präsenz

Die Generation Y ist nun auf dem Arbeitsmarkt angekommen bzw. dabei, ihn zu „entern“. Vor der Tagung erstellte Petra Griogorits von PGM eine Trendanalyse als Grundlage dafür. Zielgruppe der qualitativen Befragung waren Bewerber_innen mit Matura, FH- und Uni-Studierende und –Absolvent_innen sowie Unternehmen und Recruiter. Die Schlüsselfrage – Welche Rolle spielen Digitale Medien, Onlinetools, das Internet an sich und Social Media im Bewerbungs- und Recruiting-Prozess? - wurde einem spannenden Vergleich von Bewerber_innen und Arbeitsmarkt unterzogen.

Die Zielgruppe der unter 30-jährigen bewertet Webauftritte und Präsenz in sozialen Netzwerken nicht extra, sondern als Teil des Gesamtmarketings der Unternehmen. Social Media-Plattformen sind als Bewerbungskanal überbewertet, sie werden als Teil des Marketings und der Markenentwicklung wahrgenommen. Den Traumjob finden die meisten unter 30jährigen immer noch über Empfehlungen und persönliche Netzwerke. Bei der Entscheidung um den nächsten Arbeitsplatz „schlägt also analog digital“.
Junge Bewerber_innen wollen sich im persönlichen Gespräch bewähren. Social Media und Online-Tools im Bewerbungsprozess sind also Zusatztools - nicht mehr und nicht weniger.

Je ähnlicher wir uns werden, umso unterschiedlicher sind wir. Die Generation Y stellt ganz klar den Anspruch an die Berücksichtigung der Potenziale, die die steigende Diversität in der Gesellschaft mit sich bringt. Aktuelle Recruiting-Standards der Anbieter gehen darauf nur zum Teil ein und vergeben damit die Chance auf die Kreativität und Fähigkeiten gemischter Teams.

Junge Präsentationen

Generationen-Treff

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