Szenenfoto aus "Mio, mein Mio" im Wiener Renaissance-Theater

© Rita Newman

Mio, mein Mio
10/12/2016

Bunt und muiscalisch dem Elend entrinnen

Mit Astrid Lindgrens „Mio, mein Mio“ eröffnet das Theater der Jugend in Wien seine neue Saison - gewürzt mit viel Fantasie und Musical-Elementen.

von Heinz Wagner

Wie gern kommst du schon nach Hause? Oder wo auch immer hin, wenn dir alle signalisieren: „Mia woin di do ned!“ Genau das passiert dem Bo Vilhelm Olsson bei seinen Pflege-Eltern in Astrid Lindgrens Roman „Mio, mein Mio“. Mit einer bunte, flotten, optimistischen Inszenierung mit humorvollen Musical-Elementen eröffnet das Theater der Jugend in seinem großen Haus, dem Renaissancetheater in der Wiener Neubaugasse, seine diesjährige Saison.

Die keppelnde Tante Edla und der schneidend schweigsame Onkle Sixten, die ohnehin nur kurz zu Beginn in Erscheinung treten sind als zwei Karikaturen eines kinder- und eigentlich auch menschenhassenden Paares angelegt, das sich aber halt ein Kind anschaffen wollte und mangels eines Mädchens im Waisenhaus halt den Bo genommen hat, dessen Mutter gestorben und der Vater nicht da war. Dieser wird für den Jungen zur hoffnungsvollen Rettungsfigur. Er will ihn suchen und den Pflegeeltern beweisen, dass weder der Vater noch er ein Versager seien.

Wenigstens ein guter Freund

Zum Glück ist Bo nicht ganz allein. Er hat einen echt guten Freund namens Benka, mit dem er oft im Park kickt und auch von dessen coolen Vater geschätzt wird. Da verändert eine Flasche hinter einer Parkbank das gesamte leben. Geöffnet, entweicht ihr ein Geist, der da schon 3768 Jahre darin verbrachte. Ein roter Apfel, den Bo zuvor von einer Art Fee geschenkt bekommen hat, wird golden und Geist fliegt mit ihm auf einem hölzernen Ding, das aussieht wie ein überdimensionaler Papierflieger (DIN A 4000) ins „Land der Ferne“.

Von Abba bis Ton/Steine/Scherben

Dort sind alle lieb zu ihm, schätzen ihn und sagen, sie hätten alle schon sehnsüchtig auf ihn, den Helden, gewartet. Da taucht auch noch sein Vater auf. Der ist obendrein König hier. Bunt und ein bisschen musicalisch geht’s hier zu. Da taucht eine Frau im Abba-Kostüm auf und intoniert „Mio, mein Mio“ (wie Bo nun hier heißt) zur Melodie von „Money, Money, Money“. Als es ernster wird, und Mio/Bo mit seiner Aufgabe, eine Heldentat vollbringen zu sollen/müssen, konfrontiert wird, erklingt der Ton/Steine/Scherben-Song „Halt dich an deiner Liebe fest“ - von der Regie eher für die begleitenden Erwachsenen gedacht ;)

Heldentaten

Einen Helden brauchen sie hier im kunterbunten Land, weil viele ihre Kinder verloren haben – der böse Ritter Kato aus dem „Land Außerhalb“ hat sie geraubt, ihnen ihre Herzen entrissen und sie in Vögel verwandelt. Da muss wer ran. Eh klar, Mio. Auch sein Freund taucht hier auf – als Jum Jum. Abenteuer pur. Finsterer, toter Wald, toter See mit riesigem in der Luft schwebendem Fisch-Skelett. Hölzernes Boot – wieder nach dem Muster eines Papierschiffchens. Grausam wirkende Späher, die ein wenig an Cyborgs erinnern. Und der Ritter himself – fährt ein auf einem Segway – und wirkt damit ein wenig wie eine Karikatur seiner selbst.

Und selbst wenn's nur Fantasie war...

Aber natürlich haben Mio/Bo und Jum Jum/Benka schon auch Verbündete gefunden – einen „Sandler“ mit Flügel-Zelt, der ihnen den Weg zum Schwerter-Schmied verrät. Dessen Meisterwerk soll auch gegen das steinerne Herz und die eiserne Kralle des bösen Ritters helfen.

Natürlich Ende gut, alles gut. Oder? Vielleicht war alles nur geträumt und Mio ist wieder Bo und bei den ihn, vielleicht auch sich selbst hassenden Pflegeeltern? Aber selbst dann hat er ein Mittel gefunden, sich wenigstens gedanklich und gefühlsmäßig in eine andere Welt zu retten, die ihm dann die Kraft verleiht, der Verachtung zu widerstehen.

Was? Wann? Wo?

Mio, mein Mio
von Astrid Lindgren
in einer Fassung des Theaters der Jugend
Ab 6 Jahren

Bosse / Mio Stefan Rosenthal
Benka / Jum Jum Luka Dimić
Benkas Vater / König Michael Schusser
Tante Edla / Großmutter Barbara Gassner
Onkel Sixten / Ritter Kato Frank Engelhardt
Frau Lundin / Weberin Suse Lichtenberger
Geist / Schwertschmied Clemens Matzka
Nonno / Eno Christoph Gummert
In weiteren Rollen Ensemble

Regie Stefan Behrendt
Ausstattung und Licht Mathias Rümmler
Kampfcoach Markus Mössmer
Dramaturgie Markus Felkel
Assistenz, Inspizienz Felix Metzner
Regiehospitanz Julia Philomena Baschiera

Wann & wo?
Bis 20. November
Renaissancetheater, 1070, Neubaugasse 36
Telefon: 01/521 10-0
www.tdj.at

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