Generation WhatsApp kann auch Fantasiegeschich­ten

Literaturprojekt NMS Neubaugasse (Wien)
Foto: Heinz Wagner Einige der Jungautor_innen vor ihrer Literaturklasse

Literaturprojekte in einer Wiener Neuen MittelSchule über hilfreiche imaginäre Freund_innen.

Eigentlich – so meinen alle sieben Jung-Autor_innen - „schreiben wir schon lieber auf dem Computer“. Dennoch heißt das Buch, für das sie Beiträge verfassten „Der magische Stift“ mit Untertitel „Geschichten von Kindern für Kinder“. Natalie, Lea, Melani, Elma, Lorin, Nali und Fabian, ihre Klassenkolleg_innen aus der 1a und die Schüler_innen der 2a der NMS Neubaugasse (Wien) haben sich unsichtbare Freund_innen ausgedacht, die ihnen in kleinen oder größeren Notsituationen geholfen haben.

Elma – wie fast ein halbes Dutzend anderer Kinder – hatte beim Einkaufen das Problem, das Geld nicht zu finden. Taschen absuchen, nichts da. Nervös und nervöser. Da taucht wie aus dem Nichts – bei Elma heißt sie Lilly - die imaginäre Freundin auf – und siehe da, die Geldbörse ist eh … - nein, das sei nicht verraten. Das Buch mit allen Beiträgen wird ja erst am 26. Juni 2017 in der Schule vorgestellt.

 

Lesetagebücher, Literaturmappen

Kopie von Literaturprojekt NMS Neubaugasse (Wien) Foto: Heinz Wagner Die Gesprächspartner_innen des Kinder-KURIER besuchen mit der 1a die „Literaturklasse“ der Schule. „Wir lesen sehr viel, denken uns Fantasiegeschichten und auch neue Märchen aus“, erzählen sie. „Und wir haben auch jede und jeder ein Lesetagebuch.“
Nein, dort schreiben sie nicht täglich was rein, meinen die Mädchen und Buben auf die entsprechende Nachfrage des Reporters. „Wir müssen sechs Bücher im Schuljahr lesen und dann Titel, Autor oder Autorin aufschreiben, kurz was über den Inhalt, eine Textstelle, die uns besonders gefallen hat und wir dürfen, sollen/müssen auch unsere eigene Meinung zu dem Buch aufschreiben und eine Zeichnung sollen wir auch machen“, beschreiben die sieben die Aufgabe des „Lesetagebuches“.
Außerdem aber führen sie auch eine „Literaturmappe“ - „in die geben wir Zettel mit eigenen Texten und wir schreiben auch auf, welche Medien für uns wichtig sind“.
Das interessiert uns auch. Und schon fallen reihum die Begriffe: WhatsApp, SnapChat, Instagram, verschiedene Musik-Plattformen, Facebook, auch Twitter nennt eine der Jungautor_innen „und natürlich YouTube!“ wird noch fast im Chor ergänzt.

 

Echte und ausgedachte Freund_innen

Kopie von Kopie von Literaturprojekt NMS Neubaugasse (Wien) Foto: Heinz Wagner Ein Zeichen, dass Angehörige der Generation YouTube, WhatsApp & Co. trotzdem gerne schreiben, sind eben die fast drei Dutzend Geschichten im „magischen Stift“. Zurück zu diesen imaginären Freund_innen. Das war der "rote Faden", den die Autorin Anneliese Hager vorgab, die mit den Kindern der beiden Klassen im Schnitt einmal in der Woche an den Geschichten arbeitete. Und so weit hergeholt sind diese gar nicht, wie die sieben genannten Kinder verraten. Etliche davon hatten – früher – solche unsichtbaren Helferinnen und Helfer.
„Ich hab früher, im Kindergarten, auch mit imaginären Freunden geredet, die haben sogar eine Familie gehabt“, meint Melani. „Aber jetzt mach ich das nicht mehr, das kommt mir ein bisschen gruselig vor.“ Elma gesteht, „wenn ich einsam bin – meine Brüder sind zu klein, um mit mir zu spielen -, dann denk ich mir manchmal schon unsichtbare Kinder aus, die mit mir spielen“. Nali hingegen meint klipp und klar: „Ich hab lieber wirkliche Freunde, die mir helfen als imaginäre!“

 

Erlebt und erfunden

Kopie von Kopie von Kopie von Literaturprojekt NMS Neubaugasse (Wien) Foto: Heinz Wagner Zurück zu den Geschichten in denen sie sich Hilfe gewünscht hätten: „Manche sind echt erlebt, manche ganz ausgedacht“, geben die sieben Gesprächspartner_innen des Kinder-KURIER fast ein Geheimnis preis. Fabian holte sich bei einem Fußballspiel in einer entscheidenden Situation Hilfe vom imaginären Billy. Walk rettete Lea sogar in einer großen Gefahr. Lorin ließ sich in ihrer Geschichte durch Aimy beruhigen. Ähnliches gilt für Melani, der Rubbi die Angst nahm, bei Natalie war's Luna, die half, die Angst zu besiegen. Und Nali, der ja lieber echte als imaginäre Helfer_innen hätte, dachte sich eine brenzelige Situation beim Fischen mit einem Verwandten im Irak aus.

Literaturprojekt NMS Neubaugasse (Wien) Foto: Heinz Wagner Bei den Kurzgeschichten der rund drei Dutzend jungen Verfasser_innen handelt es sich meist um fast alltäglich mögliche Troubles. Melani erzählt aber, dass sie sich bei den oben einmal erwähnten erfundenen Märchen „fast eine kleine Horrorgeschichte ausgedacht“ habe.

www.kmsneubaugasse.at/

 

(kiku) Erstellt am
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