Martha Laschkolnig und Markus Zett in "Klippklappdüdldapp" im Dschungel Wien.

© MO WONG

Klippklapp und Düdldapp
03/17/2014

Klippklapp und Düdldapp

Zauberhafte Begegnung einer Akkordeon-Spielerin und eines Schauspielers mit einem (ver)wandelbaren riesigen Faltkarton-Teil.

von Heinz Wagner

Der hat sich verzaubert", ruft ein Kind spontan nach wenigen Minuten von "Klippklappdüdldapp" aus. Zuvor war ein weiß gekleideter Mann wortlos mit einem mehrfach gefalteten Karton hinter dem schwarzen Vorhang verschwunden. Und auf der anderen Seit taucht eine auch vorwiegend weiß gekleidete Frau mit großem Akkordeon auf. So gut hätte die Regie gar nicht funktionieren können, nennen sich die Nachmittage mit Kinderprogramm beim (mittlerweile 15.) Akkordeonfestival in Wien doch „magic afternoon“, also zauberhafter Nachmittag.

Zufall

Und tatsächlich verzaubern Martha Laschkolnig, seit Jahren mit verschiedenen Programmen beim Festival, und Markus Zett fast eine Stunde ihr Publikum – nicht nur das ganz junge ;) - Sie mit ihren Melodien und er, manchmal auch beide, beim Spiel mit dem so einfach wirkenden und so beinahe unendlich vielfältigen Kartonteil aus vielen Dreiecken, die mit Stoffbahnen miteinander verbunden sind. "Das hab ich schon lange zu Hause liegen, eigentlich hab ich es vor mehr als zehn Jahren gebaut – als Bühnenbild für ein Straßentheaterstück."

Von Brücke bis Berg, von Kleid bis Fuchs

Als sie heuer erneut gefragt wurde, sich wieder ein Kinderprogramm fürs Akkordeonfestival zu überlegen, "war mir gleich klar, ich will nicht noch einmal ein Martha aus dem Koffer machen (wo sie clownesk mit Koffern und verschiedenen Akkordeons spielte). Da ist mir diesesKlipp-Klapp-Teil wieder eingefallen. Das hat so viel, teilweise sogar eine Art Eigenleben, fällt irgendwie ineinander, baut sich zu neuen Formen auf…" Und so wird es bei diesem Stück zu einer Brücke, einem Berg, dem Kleid der Schneekönigin, einer Decke, Gebüsch-Dickicht, einem Fantasietier und nicht zuletzt einem sehr gefräßigen Fuchs.

"Sprechendes" Akkordeon

All das ist beim Improvisieren von Laschkolnig und Zett entstanden – "und dann hab ich Musik – dasDüdldapp- dazu geschrieben" – sie gibt in dem Stück, das mit wenigen Worten auskommt – den Ton an, drückt Stimmungen und Gefühle aus, streckenweise erzählt sie sogar die Geschichte – von der hier nicht mehr verraten sein soll.

Bildergalerie über Geschichte und einige Teile des Akkordeons

Akkordeon....

Akkordeon....

Akkordeon....

Akkordeon....

Akkordeon....

Akkordeon....

Akkordeon....

klippklappdüdeldapp, Akkordeonfestival 2014

Zusammenspiel von links und rechts

"Das wichtigste beim Akkordeon ist, dass der Balg kein Loch hat", beginnt Martha Laschkolnig über ihr Lieblingsinstrument. Durch das Ziehen und Zusammendrücken des fächerartigen Mittelteils eines Akkordeons entsteht ein Luftzug.Erst durch diesen können Töne erzeugt werden. Durch Drücken von Tasten – bei anderen Modellen von Knöpfen - werden Luftklappen geöffnet, durch welche die durchziehende Luft kleine Metallzungen zum Schwingen bringt. Durch die Schwingung entstehen die Töne. Hohe Töne bei schmalen Zungen, je dicker und breiter sie sind, um so tiefer auch der Ton. Soweit eines, vielleicht das wichtigste Element dieses fast weltweit verbreiteten Instruments.Soweit eines, vielleicht das wichtigste Element dieses fast weltweit verbreiteten Instruments.

Melodie und Rhythmus

"Fürs Spielen selbst ist das Wichtigste, dass linke und rechte Gehirnhälfte perfekt zusammenwirken. Beim Akkordeon machst du mit der linken und der rechten Hand anderes. Mit der linken Hand spielst du auf den Knöpfen die Bässe, Akkorde und den Rhythmus, mit der rechten auf Tasten – oder auch auf Knöpfen – die Melodie."

Zufall

Sie selbst hatte als Jugendliche zufällig bei Freunden ein Akkordeon entdeckt und es erstmals in die Hand genommen. Damit zog sie sich auf einen Balkon zurück und kippte ins Spiel. "Es hat so melancholisch und hübsch geklungen", was sie nicht mehr losgelassen hat. Laschkolnig besorgte sich in der Folge ein Akkordeon, brachte sich vieles selber bei und hatte auch zwischenzeitlich einen Lehrer. Später betätigte sich die Schauspielerin, Musikerin und Clownfrau immer wieder auch als "Retterin" von Akkordeons, die sie auf Flohmärkten oder bei Entrümpelungen günstig kaufte. "Jetzt hab ich sicher mindestens acht oder neun, große und kleine…"

Weltweit

Maren Rahman, selbst auch Schau- und Akkordeonspielerin, die die Kinderprogramme des Festivals moderiert, fasziniert besonders, dass "es dieses Instrument fast auf der ganzen Welt gibt – in Europa, in Lateinamerika, in Asien, auch in Afrika." Meist wird es mit der jeweiligen regionalen Musik verbunden.

KlippklappdüdldappMartha Laschkolnig & Markus ZettObjekttheater mit Musik, ca. 50 Minuten, ab 4 JahrenMusikalische Theaterreise im Rahmen des 15. internationalen Akkordeonfestivals Wien

Objekt, Eigenkomposition, Spiel: Martha Laschkolnig Text, Spiel: Markus Zett

Wann & wo? Sonntag, 23. März, 16 Uhr Dschungel Wien 1070, MuseumsQuartier Telefon: (01) 522 07 20-20www.dschungelwien.at

www.akkordeonfestival.at

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.