© Barbara Campell

Reise
07/30/2013

Junge Amis auf Europa-Tour

Heuer reisen wieder jugendliche Gruppen organisiert von „PDM Touristik“ (Parternorganisation von "People to People" in den USA) durch Europas Städte. Für den Online-KiKu begleitete eine Jungreporterin sie in den letzten Tagen der 18-tägigen Reise und bekam Eindrücke von der Gemeinschaft, der Organisation und den jungen US-AmerikanerInnen.

Die Sonne brennt auf Santa Maria Del Angeli, den kleinen Vorort von Assisi nieder und die Menge von Menschen die rundherum um die Kirche stehen. Sie warten auf den Priester, der ihnen etwas über die Kirche und sein Leben als dieser erzählen wird.
Die Menge ist eine US-Touristengruppe aus Pennsylvania und Umgebung, die am Ende ihrer 18-tägigen Reise durch Madrid, Barcelona, Nizza, Monaco, Cannes, Pisa, Assisi und Rom steht und nun mit zugekniffenen Augen die Umgebung mustert.

Ich hingegen stehe erst am Beginn meiner Reise. In den folgenden Tagen soll ich die Zeit mit den AmerikanerInnen verbringen und bei deren Programm, das nicht nur die Besichtigung der Städte Assisi und Rom beinhaltet, sondern auch bei sportlichen Aktivitäten, dabei sein, um später darüber berichten zu können. Allein zu diesem Zweck habe ich auch meine eigene Reisebegleiterin, die praktischerweise fließend Italienisch, Englisch und Deutsch spricht und bereits zwei der fünf Reisebegleiter persönlich kennt. Schon nach dem ersten Tag, der das Treffen mit einem sympathischen Geistlichen und einem interessanten Abendessen mit einer kaum englischsprechenden Italienerin an unserem Tisch bereit hielt, fühle ich mich von der Gruppe freundlich aufgenommen.

Good-Morning-Song und "Auszählen"

Der nächste Tag beginnt mit dem Good-Morning-Song und einem Count-off. Ersteres ist eine Idee der Reiseleiterin, um alle nach dem Frühstück wach zu bekommen und bereits am Morgen gute Stimmung in jenem Bus, der sie am ganzen Trip überall hinbringt, zu verbreiten. Man merkt, dass sich alle mit dem Song angefreundet haben, da die Jugendlichen aus voller Kehle Summerparadise von Simple Plan grölen. Das Count-off ist eine schnellere Methode, um die Kinder durchzuzählen. Dabei trägt jeder eine Nummer, die sie nach einander laut rufen.
Dieser Tag ist der sogenannte Full-On-Day und wird zu einem der aufregendsten in der ganzen Reise, die die Gruppe noch enger zusammenschweißt. Die Teenager werden nämlich in Gruppen unterteilt, um verschiedene Aufgaben zu erfüllen, die ihnen helfen sollen ihre Ängste zu überwinden. Dazu gehört beispielsweise das Abseilen von einer nahe gelegenen Kirche oder das Zerschlagen eines Holzbrettes mit der bloßen Hand.

Umgekehrte Interviews

Es ist eine gute Gelegenheit für mich den Jugendlichen näher zu kommen und meinem Englisch etwas mehr American Accent zu verleihen. Beim Abendbrot werde ich ausgefragt, was ich mir unter Amerikanern vorgestellt habe, wie ich mit der Sprache klar komme und ob es mir hier gefällt. Auf meine Antworten hin, dass ich wirklich gedacht habe, dass einige der Amerikaner wahrscheinlich übergewichtig sind, dass ich manchmal nicht ganz mitkomme, wenn sie schnell und undeutlich sprechen und dass ich mich wirklich freue hier zu sein, werde ich noch mehr in ihr Herz geschlossen und lächelnd aufgefordert, zu Hause zu erzählen, dass nicht alle US-Amerikaner fett sind (was in dieser Gruppe ja auch der Fall war).

ObstfreundInnen

Ich bekomme im Laufe der Reise immer bessere Eindrücke der US-Kultur und bemerke, dass die meisten sich bei den Mahlzeiten mehr über frisches Obst gefreut und abwechslungsreichere Nahrung gewünscht hätten und oft betonen, wie schön europäische Städte sind. Es ist für sie bestimmt etwas Neues in Städten so viel alte Kultur und Geschichte wiederzufinden, da sie in Pennsylvania eher nicht solch eine jahrhundertelange, traditionsvolle Kultur haben.

Die Jugendlichen empfinden diese Reise als aufregend und im Allgemeinen sehr gut. Dennoch gibt es einige Dinge, die ihrer Meinung nach verbessert werden sollten, wie das Essen oder die Zeiteinteilung. Beim Essen finden sie es schade, dass sie öfter Tankstellenessen, als traditionelles Essen, welches ein wichtiger Teil der Kultur spielt, bekommen. Des Weiteren bekommen sie oft Freizeit bei den ungewöhnlichsten Plätzen, da sie schneller als erwartet beim Ort angekommen sind und die restliche Zeit mit Umhergehen auf Straßen verbringen. (Das kann aber auch positiv aufgenommen werde, da wir beispielsweise bei der Kreuzung vor dem Vatikan den italienischen Verkehr beobachten konnten und zu dem Schluss kamen, dass Italiener ziemlich chaotisch und oftmals kreuz und quer auf Straßen fahren.)

Man bemerkt jedoch, dass sich die Teenager zu Ende der Reise auf das Nachhause-kommen freuen und genug vom Besichtigen und Erkunden der Städte haben. Beispiel dafür ist die Tatsache, dass sich eine der vier Gruppen bei der Rätselrallye zuerst nur in Souvenirshops aufgehalten, sich dann verlaufen und daraufhin ein Taxi zum Treffpunkt genommen hat, anstatt wie aufgetragen, selber die einzelnen Stationen zu finden und auf dem Weg dahin Menschen nach dem Weg fragen. Obwohl es eigentlich verboten war, nahmen es die Tourführer gut auf, da sie noch nie eine Gruppe hatten, die den bequemsten Weg genommen hat und glücklicherweise ergab sich hinterher noch die Möglichkeit die Sehenswürdigkeiten von einer erfolgreicheren Gruppe zeigen zu lassen.

Bei spanischen Familien

Gemischte Gefühle hatte beinahe jede und jeder am letzten Abend. Sie haben über beinahe drei Wochen viel Zeit miteinander verbracht und hier mehr als Freunde gefunden. Sie haben zusammen neue Länder entdeckt, einfachste Sätze auf Sprachen versucht zu lernen, ihre Ängste überwunden, Homestays bei spanischen Familien verbracht, einen Song für sich gewonnen und sind letzten Endes an sich selbst gewachsen. Zwar freuen sie sich auf ihre Familien, jedoch wollen sie diese hier nicht verlassen. Daher verbrachten sie den Abend zusammen, machten verrückte Dinge, schossen einige letzte Fotos, signierten die Karten für die Tourbegleiter mit liebenswerten Grüßen und sagten, bei einem Zusammensitzen der Jugendlichen und der Begleiter, was ihnen am allerbesten an dieser Reise gefallen hat.

Auch für mich ist es ein seltsames Gefühl von meiner neu gewonnen Freundin und zahlreichen netten Bekannten weggehen zu müssen. Vor allem darum, da sie noch den Flug zusammen verbringen und ich mit meiner Reisebegleiterin noch einige Stunden in Rom verbringe. Jedoch haben diese wenigen Tage ausgereicht eine gute Freundschaft zu schließen, viele interessante Menschen kennen zu lernen und das beeindruckende Ergebnis einer so intensiven Reise mitzuerleben.

Josipa Cvitic, 15

Am zweiten Abend habe ich mich unter die Menschen gemischt und Iona Einset und Madeline Sinkler interviewt.
Kiku: Was hast du dir von dieser Reise erwartet, als du dich dafür entschieden hast?

Iomy (I): Vor allem neues Essen und unterschiedliche Kulturen.

Würdest du diesen Trip einem Freund raten?
Maddy (M): Ja schon, jedoch muss man mit den Menschen hier klar kommen.

Wieso hast du diese Reise gebucht?
I: Meine Familie verreist gerne und meine Eltern dachten es wäre eine gute Möglichkeit Europa näher zu kommen.

Wie hat das hier deine Meinung von Europa und seinen Städten verändert?
M: Ich liebe es/sie noch mehr. Alles ist so alt und schön.

Welches Land war das mit den freundlichsten Menschen?
I: Spanier waren sehr offen und Italiener kommen mir sehr mütterlich vor. Die Leute in Frankreich hingegen waren sehr unhöflich.

Hat dein Aufenthalt bei deiner spanischen Hausfamilie etwas über deine Meinung über sie verändert?
I: Etwas. Sie waren ein bisschen verrückter als erwartet und das moderne Spanien ist uns viel ähnlicher, als wir gedacht haben.

Würdest du lieber mit Jugendlichen aus Europa hier reisen oder gefällt es dir, dass du nur mit Amerikanern hier bist?
M: Es wäre echt cool, weil wir dann noch mehr kulturell durchmischt wären. Aber die Teenager müssten schon gut Englisch sprechen.

Denkst du, dass die Reise zu teuer ist?
I: Zu teuer eigentlich nicht, da die Qualität der Hotels usw. sehr hoch ist, aber es ist auch verständlich, weil wir auch sehr viele Orte besuchen.

Ist es schwer, so lange ohne Familie und ohne Freunde zu reisen?
I: Eigentlich nicht, ich telefoniere und skype oft mit meiner Familie. Außerdem habe ich hier eine Familie und Freunde sowieso.

Ist da irgendein Ort, der dir so gefallen hat, dass du ein zweites Mal dahin reisen möchtest?
M: Monaca, definitiv.
I: Nun ja, ich weiß nicht, ob sich eine zweite Chance ergibt, aber ich wäre gerne etwas länger in Frankreich geblieben...

People-to-People

Die Organisation organisiert seit 1956 Reisen für US-amerikanische Jugendliche Reisen nach Europa, um diesen Kontinent und seine Länder näher kennen zu lernen. Die Teenager reisen in Gruppen von 40 Menschen und ein paar BegleiterInnen durch europäische Städte und lernen auf diesen Reisen mit den Tourguides neue Kulturen und neue Menschen kennen.

Das Programm ist ein ausgleichender Mix aus Fun & Adventure (Aktivitäten, wie eine Parfümeriebesuch oder ein Kochkurs der traditionellen Küche), Community & Cultural Exchange (z.B. ein Volleyballturnier mit lokalen SchülerInnen, ein meist zweitägiger Homestay bei lokalen Familien) und Sightseeing. Für US-AmerikanerInnen kann so ein Erlebnis jedoch teuer kommen, bis zu 8000€ haben einige bei dem oben genannten Trip bezahlt. (Da ist der Hin- und Rückflug schon einberechnet!)

Going Europe

Europäer können auch an so einer Reise teilnehmen, jedoch reist man mit Going Europe, der europäischen Version von People-to-People. Going Europe hat aber den Bonus, dass ein Jugendlicher, aus (beispielsweise) Österreich, auf der ganzen Reise einem Intensiv-Englisch-Kurs ausgesetzt wird, da die Umgangssprache Englisch ist. Für Europäer ist das Vergnügen logischerweise günstiger und beträgt um die 2000€. (Ohne Hin- und Rückflug!)

www.going-europe.com

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