Starkes Stück über jugendliche Lebenswelten mit vielen ihrer Widersprüchen

© Ana Paula Franco

Wie - der - auf - nah - me!!!
05/07/2014

"Wie - der - auf - nah - me!!!"

Jugendliche begeistern mit "It's my Life - Family & Crime" über Clash von Lebenswelten im Dschungel Wien.

von Heinz Wagner

Heast, wo’s is da los? Macht’s ned so an Wirbel! Immer de Auslända….! Alle Klischees und solche, die es vielleicht sein könnten, prallen in den Anfangsszenen aufeinander. Fußball spielende Kinder und Jugendliche im Hof eines Gemeindebaus, runter schimpfende ältere Bewohnerinnen und Bewohner. Zurück fluchende und auch schimpfende Kids. Tschickende Kinder, vercheckende Jugendliche. Eltern, die schimpfen, wenn ihre Kinder „so spääääät“ nach Hause kommen.

Clash

Aber auch Jugendliche, die im Jugendzentrum eine Tanz-Choreo einstudieren und filmen. Eines der Mädchen, Jasmin (Neha Ram), bemüht sich darum sehr, muss immer wieder angefressen sein, weil mal die, mal der nicht rechtzeitig kommen oder gar auszusteigen drohen. Zum Beispiel wird Rana (Hadir Echrin) von ihrer älteren Schwester (Tahmina Hossain) rüde praktisch mitten aus dem Tanz gerissen. Und da geht‘s nicht nur ums spät Heimkommen, sondern auch darum, dass den Eltern diese Art von tanzen nicht so ganz behagt. Ein kleiner Clash von Kulturen. Um den dreht sich vieles – von verschiedenen regionalen/ethnischen Kulturen, jener von alt und jung, Männern und Frauen, aufgeschlossen und verbohrt…

Jugendliche schrieben auch

Die Geschichten und Szenen bauen auf den Texten der eineinhalb Dutzend Jugendlichen der Handelsakademie des bfi in der Wiener Margaretenstraße auf. „Wir haben alle Schreibübungen bekommen“, erzählt Kwabena Yeboah. „Und aus denen haben dann die Marianne (Leitung Schreibwerkstatt und Dramaturgie) und die Sandra (Regisseurin) die Szenen gebaut.“

Sexuelle Gewalt

Eine der zentralen Geschichten der diesjährigen „It’s my Life“-Produktion von Jugendlichen der genannten HAK mit Wiener Wortstätten und der Regisseurin Sandra Selimović im Rahmen der 4. Integrationswoche ist „Family & Crime“ und da vor allem ein ekeliger Hausmeister, der Mädchen ausgreift und vergewaltigt.

Unsympathler-Rollen

Diese, die wohl unsympathischste Rolle des Stücks spielt Toni Mohamadi sehr gekonnt. So wie Esra Altuntas die kaputte, ständig mehr oder minder besoffene Mutter Pias (Matea Novak) nie überzeichnet, sehr glaubwürdig durchhält, ist auch Mohamadis Abneigung gegen das Verhalten der Figur, die er darstellt nie zu merken. „Zuerst hab ich schon geschluckt und gefragt, warum soll oder muss gerade ich diesen Typen spielen vor dem mir ekelt“, verrät Mohamadi dem KiKu. „Aber die Sandra mit der ich auch bei anderen Theater- und Filmprojekten zusammen arbeit, hat gesagt, ich solle einmal etwas anderes, neues ausprobieren und sie hat so viel Vertrauen zu mir, dass ich auch diese Rolle spielen kann. Ja, und dann hab ich's probiert. Es war schon schwer, aber ich glaub, es hat gepasst.“

Überzeugend

Die zweite Unsympathler-Rolle, die der Elena, der „hinigen“ (Regisseurin Selimović) Mutter wird – wie schon kurz beschrieben – überzeugend von Esra Altuntaş dargestellt. Wie sie damit zurecht gekommen sei, so eine herzlose Mutter, völliz zerstörte Person zu spielen: „Es war eine Abwechslung, wen zu spielen, die ganz anders ist als ich es selber bin. Übrigens sind alle Figuren von uns entwickelt worden, aber es spielt zwar nicht jede und jeder die oder den, die wir geschrieben und uns ausgedacht haben.“

Raps aus Girls Hand

Eine andere zentrale Geschichte zieht sich durch das knapp mehr als einstündige Stück – immer wieder auch als gestaltendes Element: Der Plan, ein Musikvideo zu drehen. Tanz- und Musikszenen geben Einblick in den Entstehungsprozess, Szenen daraus werden auch tatsächlich als Video produziert und mehrere Raps, geschrieben unter anderem von Matea Novak mit starken jungen Frauen im Vordergrund prägen einige Sequenzen von „It's my Life – Family & Crime“.

Stress lass nach

In einer Runde werfen dann noch einige der jungen Darsteller_innen, aber auch gleichzeitig Autor_innen der Szenen durcheinander ein: „Wir haben bei den proben geweint und gelacht, Stress gehabt und schon viel Druck – auch von manchen Eltern, die geschimpft haben, warum wir so spät von den proben heim kommen, wo wir doch für die Schule lernen müssen.... Aber nach der Premiere war nicht nur unser Druck weg, auch die meisten Eltern waren da und sie waren stolz auf unsere Leistung.“

Und das mit mehr als mit Recht. „Wie – der – auf – nah – me!“, erschallten Sprechchöre nach dem Publikumsgespräch nach der zweiten Abendvorstellung.

It's my Life - Family & CrimeIm Rahmen der 4. Wiener IntegrationswocheWIENER WORTSTAETTEN + Schulen des bfi

Darsteller_innen: Esra Altuntas, Hagar Ashiba, Sara Atiq, Aleksandra Drekalović, Hadir Echrin, Georgina Fahrbach, Tahmina Hossain, Matias Marjanović, Kyri Masajev, Toni Mohamadi, Matea Novak, Valentina Perić, Neha Ram, Bekhan Shapirov, Murwareed Siddiqi, Chadischat Suleimanova, Markus Wittek, Kwabena Yeboah Konzept & Regie: Sandra Selimović Dramaturgie & Schreibwerkstatt: Marianne Strauhs Bühne: Michael Haller Kostüme: Gabriela Neubauer Choreografie: Evelyn Mascher Rap-Coaching: Nora MC & Mag-D Foto & Video: Ana Paula Franco Regieassistenz: Philipp Eisenmann Pädagogische Betreuung: Mag. Peter Preisinger Produktionsleitung: Martina Knoll Gesamtleitung: Hans Escher & Bernhard Studlar

Wann & wo? Bis 9. Mai Dschungel Wien Telefon (01) 522 07 20-20www.dschungelwien.at

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