© Ani Antonova

Gespielte und musizierte Zeitreise
10/26/2013

Gespielte und musizierte Zeitreise

"Das Märchen vom alten Mann" pendelt zwischen Kindheit und Alter. Derzeit im Dschungel Wien - mit Livemusik und einem 11-jährigen Schauspieler

von Heinz Wagner

Eine grau-weiße Fassade, die ein bisschen wie aus Karton wirkt. Und dahinter noch fünf weitere – deren Kanten sind beim Betreten des Saals zu bemerken. Eine verschachtelte Geschichte sozusagen, die sich da ankündigt. Im Schatten der anfangs beinahe im Finstern liegenden Bühne bewegt sich eine Person im Mantel vor die erste Fassade in deren Mitte sich ein weißes seiden-papierig wirkendes Fenster befindet. Legt sich auf den Boden. Projektionen lassen Fenster, ja das ganze Haus und noch viel mehr in Flammen aufgehen. Der Mann verschwindet – zunächst. Aus dem Off wir als Text eingesprochen, dass einst einem kleinen Buben die ganze Familie ausgelöscht wurde, er daraufhin verstummte, in die Welt zog und immer getäuscht wurde. Sah er den Mond, so entpuppte sich der als morsches Stück Holz, die Sonne als vertrocknete Sonnenblume...

Bilderbuch

Cut. Hell. Eine Bilderbuchfamilie steht vor der leuchtenden Fassade, freut sich über das Bilderbuchhaus, das sie jetzt bezieht, zieht die Rollläden hoch, beginnt sich häuslich einzurichten, wenngleich das Kind schon ein wenig enttäuscht ist, dass der ihm geschenkte Vogel im Käfig nur künstlich ist, nicht lebt. Die gekünstelte Idylle wird bald durch echtes, unheimliches Leben gestört. Plötzlich taucht der – nicht sprechende – alte Mann auf. Was will der da? Auf alle Fragen reagiert er praktisch nicht, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, schaut sich suchend um...

Anregung alter Märchen

Das Märchen vom alten Mann, das aus Anregungen von Erzählungen Hans Christian Andersens und Georg Büchners in der Zusammenarbeit mehrerer Gruppen und Theater derzeit im Dschungel Wien von Schauspieler_innen und Musiker_innen – die mehr als „nur“ begleiten – aufgeführt wird, verstrahlt eine geheimnisvolle Aura zwischen einst und heute, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen jung und alt, wobei der Alte an (seine) Jugend erinnert wie die Kindheit und Jugend stets in einem älteren Menschen – zumindest als Erinnerung – vorhanden ist.

Ein Stück, das sozusagen zu Zeitreisen einlädt – mit Momenten „als würde die Zeit stillstehen“, mit Entdeckungen von Neuem und Unbekanntem – oder nur Verborgenem – beim Rückblick Erwachsener auf ihre Kindheit und Jugend.

Entdeckung

„Das Märchen vom alten Mann“ bringt auch die Neuentdeckung eines Schauspieltalents. Tom Kofler, erst 11 Jahre, spielt souverän und authentisch „das Kind“, das sich zwar auch wie seine Eltern vor dem aufgetauchten alten Mann fürchtet, aber doch auch neugierig ist, was ihn hier her getrieben hat, das sich nicht so wirklich über den künstlichen goldenen Vogel freuen kann, über einen Bleistift ärgert, dem beim Rechnen „nichts einfällt“. Bühnenerfahrung hat er schon seit gut fünf Jahren, wie er dem KiKu nach der Premiere im Dschungel Wien berichtet, „aber bisher nur mit Ballett. Seit der Volksschule gehe ich in Ballett. Ich hab damals mit einem Instrument, nämlich Klavier begonnen und wollte dazu auch noch was Sportliches machen. In meiner Klasse hat's drei Mädchen und noch einen Buben gegeben, die in Ballett gegangen sind, so waren wir eine ganze Gruppe.“ Heute besucht er den Ballettzweig der AHS Boerhaavegasse (Wien-Landstraße), der mit Konservatorium und Staatsoper zusammen arbeitet. Aber das hier war meine erste Schauspielrolle.“ Trotzdem sei er alles andere als nervös gewesen, vertraut er dem Kinder-KURIER an.

Das Märchen vom alten Mann Nach Motiven von Hans Christian Andersen & Georg Büchner Theater Montagnes Russes & ensemble LUX & DSCHUNGEL WIEN & WIEN MODERN Musiktheater 50 Minunten

Konzept, Regie, Libretto: Cornelia Rainer Komposition, musikalische Leitung: Thomas Wally Darsteller_innen: Klaus Huhle (Der alte Mann), Anna-Sophie Kostal (Die Frau), Tom Kofler (Das Kind), Florian Stanek (Der Mann), Magdalena Gschmeidler/Luna Gehart (Das Mädchen), Pablo Muñoz (Der Bub) MusikerInnen: ensemble LUX - Thomas Wally (Violine), Stefanie Prenn (Cello), Nikolai Tunkowitsch (Violine) Bühne, Kostüm, Videodesign: Fiammetta Horvat Dramaturgie: Monique Ehmann Sounddesign: Sebastian Meyer Produktionsleitung, Regieassistenz: Barbara Schubert Assistenz Bühne, Mitarbeit Kostüme: Otto Krause Regiehospitanz: Theresa Gruber Bühnen- und Kostümhospitanz: Martin Auernheimer Lichtdesign: Alexander Suchy (DSCHUNGEL WIEN)

Bis 31. Oktober Dschungel Wien, 1070, MuesumsQuartier Telefon: (01) 522 07 20www.dschungelwien.at

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