Kinder erklären im "Abgeordneten-Sprechzimmer" Gruppen von Erwachsenen einiges, was für sie in Schule wichtig ist oder wäre

© Heinz Wagner

Bildungsdiskussion
12/02/2015

Endlich kamen auch (wieder einmal) Kinder zu Wort

Parlamentsabgeordnete und andere Bildungs-Fachleute hörten sich an, was Kinder zu sagen haben.

von Heinz Wagner

Wir lernen nicht gerne“, sagen Chiara, Vanessa und Alejna, wobei sie betonen, „wir heißen auch nicht so.“ Und überhaupt sind sie gar nicht da. Hääää? Bitte, was? „Wir spielen jetzt Mittwoch, da haben wir immer unseren Gegenteils-Tag“, kehren die drei aus der Mittelschule Ettenreichgasse im Abgeordneten-Sprechzimmer des Parlaments aus ihrem Spiel wieder in die Wirklichkeit zurück.

Die drei Mädchen gehören zu einigen Gruppen von Kindern, die am 1. Dezember ins Parlament eingeladen worden sind. Der Klub der SPÖ-Abgeordneten und die Kinderfreunde wollten in ihre Diskussionen zum Thema Bildung auch die Sicht der größten Gruppe von Betroffenen miteinbeziehen. Und das sind ja wohl die mehr als eine Million Schülerinnen und Schüler selbst. Leider haben sich ja keine Nachfolger_innen für die vor 12 Jahren von Kindern und Jugendlichen gegründete Initiative „Coole Schule“ gefunden als diese zu "alt" waren und die Schule abgeschlossen hatten.

Wo, wann, was, mit wem?

Für das Treffen von Bildungspolitker_innen und Kindern standen vier Fragen zur Diskussion: Wo lerne ich am liebsten?, Wann lerne ich am liebsten?, Was möchte ich lernen? und schließlich Wer soll mit mir lernen?“

Dazu hatten die Gruppen in ihren Schulen und Horten so manches schon gesammelt, auf Tafeln und in Art Plänen aufgezeichnet und –geschrieben. Und dazu noch, was ihrer Meinung nach gute Lehrerinnen und Lehrer brauchen/bräuchten. Letzteres stand besonders bei einer Runde in der Säulenhalle im Zentrum. Noch vor viel Wissen mahnen die Kinder „ein großes Herz“, „nett und gerecht sein“ ein.

Übrigens, „die wichtigsten Sachen haben wir doch alle gar nicht in der Schule gelernt, sondern meistens von den Eltern – sprechen, laufen, singen, Haare kämmen, sich anziehen, Spülmaschine ausräumen oder putzen“, meinen die drei schon eingangs erwähnten Mädchen zum Kinder-KURIER. „Ich hab sogar rechnen von meinem Papa gelernt“, ergänzt Alejna.

Thementische

Über das Mitgebrachte diskutierten einzelne Abgeordnete und präsentierten die Ergebnisse gemeinsam mit Kindern. Beim Thementisch „was will ich lernen“ kam vor allem die Anregung, dass in der Schule (noch) viel zu wenig erklärt werde, wofür das Gelernte brauchbar ist.

Nicht immer in der Klasse sitzen

Kinder wollen nicht immer nur in der Klasse sitzen, sondern mobiler sein und mehr am Gang und draußen sein. Der schlimmste Ort in der Schule ist das Klo, super sind „Ecken“ wie die Lese-Ecke. Zuhause lernen die Kinder auf oder unter dem Bett, am Esstisch oder am Schreibtisch, wichtig ist, dass es ruhig ist.
Zwei der Kinder meinten, sie gehen vor allem wegen der Freund_innen gern in die Schule.

Klassenrat

Die liebsten Fächer sind Werken und Kochen, meinte ein Bub. In seiner Schule gibt es einen Klassenrat, in dem auch über Ausflüge und Projekte entschieden wird. Jedes Kind hat eine Stimme und der Lehrer/die Lehrerin auch nur eine.

Wer soll mit mir lernen? Kinder lernen von und mit Geschwistern, Oma/Opa, Eltern, Klassenkolleg_innen, Lehrer_innen, allein und in Teams

Was muss eine Person können, von der wir lernen? Geduld und Verständnis haben, große Ohren, damit sie auch die Kinder aus der letzten Reihe hört, und damit sie gut zuhören kann, starke Nerven, große Füße, damit sie schnell bei allen Kindern sein kann, ein großes Herz

Hoffnung?!

Abschließend freute sich der neue Stadtschulratspräsident Jürgen, dass so viele Erwachsene aus dem Bildungsbereich und Abgeordnete gekommen waren, um zu hören, was die Kinder zu sagen haben. Co-Moderatorin Hannah verwies darauf, dass sich wieder einmal gezeigt habe, dass Kinder voll g‘scheit sind.

Und der 13-jährige Emil fasste übrigens seine wichtigste Erfahrung aus dem Gesamtprojekt (die Arbeit davor und die abschließende Veranstaltung im Parlament) so zusammen: „Es gibt so viele Menschen, die etwas verändern wollen (im Sinn von: da muss doch was rauskommen), ich hoffe, dass jetzt was verändert wird!“

Es sollte –nicht nur – seine Hoffnung nicht zerstört werden. – Hoffentlich auf in eine „coole Schule“!

Mehr Fotos in der Bilderstrecke!

... von der Aktion im Parlament

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