Bilder vom Bildungsfrüh­ling

Alternative Lernmesse im Wiener WuK

Die Klagenfurter Waldorfschule trat gleich mit zwei Stück-Ausschnitten in Erscheinung. Ein Trio der achten Klasse (Stefan Klemenjak, Melanie Weberhofer und Leon Arici) spielten Szenen aus Max Frisch’ „Biedermann und die Brandstifter“
Bild oben). Gebannt folgen die Zuschauer_innen - darunter auch später Auftretende - den "Biedermann-und-die-Brandstifter"-Szenen Ihre älteren Kolleginnen und Kollegen der zehnten Klasse nahmen sich die schrägen Musikclowns Tiger Lillies und deren sarkastische Struwwelpeter-Version Shockheaded Peter zum Vorbild. Zwei in der Bildungsdebatte immer wieder auftauchende Themen – ADHS und Mobbling – veranlassten sie die Szenen vom Zappelphilipp (Bild)... ... sowie jene vom schwarzen Buben vorzuführen. Ersterer kann nicht still sitzen und fällt vom schaukelnden Stuhl samt Tischtuch zu Boden. Letzterer wird von anderen wegen seiner Hautfarbe verspottet. An allen möglichen Orten tauchte am Freitag ein clownesker Jongleur oder jonglierender Clown auf. Marc Dorffner absolviert in der SchülerInnenschule des gastgebenden WuK sein letztes Schuljahr und hofft darauf, anschließend in Berlin die ArtistInnenschule besuchen zu können.
In der engeren wahl steht er vor der Aufnahmeprüfung schon. Aus den zuvor 100 Bewerber_innen schafft er es unter die besten acht, wie er dem Online-Kinder-KURIER stolz in einer Schaffenspause berichtet. Seit acht Jahren jongliert der nunmehr 18-Jährige. Ungefähr zwei Jahre davor hatte er einen kleinen Zirkus besucht und war vor allem von der Jonglage fasziniert.
„Mit ganz wenigen Requisiten, die du in eine Tasche packst, kannst du die Leute begeistern. Mir hat’s vor allem die Koordination und Konzentration angetan. Und ich weiß schon lange, dass ich das machen will und hab mich voll darauf konzentriert. Deshalb weiß ich, dass es klappen wird. Nun will ich einer der besten werden.“
Vieles deutet darauf hin, dass Marc Dorffner da auf dem richtigen Weg ist, jongliert er doch nicht nur mit Keulen, Bällen, Tüchern, Reifen, sondern auch schon länger mit scharfen Messern und sogar Motorsägen. Jonglieren verbanden Kinder der Innsbrucker Waldorfschule mit Theaterelementen für einige szenische Darbietungen –  unter anderem eine königliche Hochzeit. Schade nur, dass auch von einer alternativen Schule gängige Klischees  zum Überdruss wiedergekäut wurden. Prinzessin sitzt traurig und wartet auf den richtigen Prinzen. Die Bewerber um dieses Amt dürfen höchst aktiv sein, jonglieren, Yoyo-Kunststückerln vorführen… Umfangreiche europäische Austauschprojekte stellten Jugendliche der schon bei Theateraufführungen erwähnten Klagenfurter Waldorfschule vor. Die Achtlässler_innen waren bei Kolleginnen und Kollegen einer Schule gleichen Typs im italienischen Conegliano, bzw. diese bei ihnen in Kärnten. Die Verständigung, die nach wie vor anhält (eMails, Facebook und sogar Briefe) und mit einigen schon fixierten Besuchen in den Sommerferien fortgesetzt wird, erfolgt hauptsächlich auf Englisch.

Recht intensiv gestaltete sich der Aufenthalt von Schüler_innen der 9. Klasse im süditalienischen Petaccio. „Auf einem Biobauernhof haben wir in den Ställen mit Kühen, Schafen und Ziegen, bei der Olivenernte, auf einem Weinberg und im Haus selber mit gearbeitet“, erzählen Sarah Velik, ihre Vornamenskollegin Panzenböck, Juliane Aixner und Lena Salberger. Für die meisten war die zweiwöchige landwirtschaftliche Tätigkeit völliges Neuland. „Wir würden’s aber wieder machen, nicht als Dauerberuf, aber als Praktikum jederzeit.“

Ein dreiwöchiges Sozialpraktikum im griechischen Galaxidis (in der Nähe des berühmten Delphi) absolvierte Mathias Münzer in einem Gemeindezentrum für behinderte Menschen bereits im vergangenen Schuljahr, damals in der 12. Klasse. „Seither weiß ich, dass der Sozialbereich für mich das richtige Arbeitsfeld ist.“

Florian Pfingstner berichtet noch den Austausch (via Comenius-Programm) mit einer Schule im finnischen Tampere samt einem zweitägigen beeindruckenden sehr naturnahen Aufenthalt in Holzhütten mitten im Wald ohne Strom und so.

Und Verena Schulz Augen beginnen bei der Schilderung der Austauschschule im südenglischen Totnes zu leuchten: „Was die alles haben ist ein Traum: Schweine, Hühner, riesige Felder, einen Pizzaofen, in dem wir unsere eigenen Pizzen gebacken haben… Beim letztgenannten Austauschprojekt stand vor allem Kunst im Mittelpunkt – in England Landart: „Wir haben mit Steinen Figuren gelegt und sie schwarz-weiß fotografiert. In der Schule gibt’s ein Fotolabor, in dem wir die Filme und Bilder entwickelt haben.“

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(kurier) Erstellt am
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