Szenenfoto aus "Baliami"

© Rainer Berson

Liebesgeschichte und viele Tragödien
10/12/2016

Liebesgeschichte und viele Tragödien

„Baliami – Eine Liebesgeschichte“: Vier junge Darsteller_innen spielen glaubhaft Dramen aus der Jugendzeit im Dschungel Wien.

von Heinz Wagner

Dichte eineinhalb Stunden. Aus dem Leben Jugendlicher. Über weite Strecken sehr authentisch, echt, wenngleich vielleicht gar ein wenig zu viel Tragödien auf einmal zusammen kommen. Das ist „Baliami – Eine Liebesgeschichte“, das Mittwoch Abend im Dschungel Wien Premiere hatte. Nicht ganz, etwas wichtiges fehlt: Inmitten all der Tragödien, die hier auf der Bühne erzählt werden, spielt sich viel (Situations-)Komik ab. Lachen (über sich selbst) entkrampft die Dramen.

Aus Jugend-Perspektive

Oliver erzählt rund ein Jahrzehnt seiner Kindheit und Jugend. Fast immer aus der jeweils aktuellen Perspektive. Vom spielenden 10-Jährigen, der auf Baliami, die eigentlich Bardzha, heißt, trifft, die ihn mit ihrer unbekümmerten Lebensfreude, Neugier und Entdeckungslust ansteckt. Die er aber vor den Eltern verheimlicht, weil ihm die Mutter – der Vater tritt nie in Erscheinung – eher zu „besserem Umgang als mit einer Zigeunerin“ rät. Aus der Freundschaft entwickelt sich im Laufe der Jahre ein wenig mehr. Und doch kann sich Baliami in ihrer ständigen Suche nicht festnageln lassen, zieht eines Tages sogar weg. Und dennoch bleiben sie einander emotional stark verbunden.

Die unerfüllte, nicht ausgelebte Liebe zu Baliami trübt auch Olivers Beziehung zu Sophie, die sich später ergibt. Eine irgendwie nette Beziehung, aber da fehlt doch was...

Und da ist da noch Raphi, Olivers Freund, Fan von Comichelden und deren Geschichten. Vielleicht auch als Ventil, weil er gern heldenhaft die Prügeleien seines Vaters abwehren/bekämpfen würde.

Des Autors Tagebücher

Entstanden ist das Stück, so dessen junger Autor Benedict Thill zum Kinder-KURIER, „als ich auf der Suche nach dem Stoff für ein Stück meine Tagebücher aus der Zeit als Jugendlicher durchgeschaut habe. Da wurde mir bewusste, welche echte Dramen ich selbst aber vor allem in meinem Umfeld erlebt hatte. Und wie ich die alle in dieser Phase auch bitterernst genommen habe. Das war's. Da begann ich das Stück zu schreiben – aus der Perspektive Jugendlicher, ohne zu werten.“

Der Witz, der sich in vielen Szenen ergibt, ist auch nie ein sich Lustig-machen, sondern ergibt sich durch die Inszenierung, aufgrund von Situationskomik oder hin und wieder auch durch lachen können über sich selber. Gegen Ende zu ballen sich vielleicht die Tragödien ein bisschen mehr als zu dicht zusammen. Und ziemlich gar nicht nachvollziehbar ist die Beziehung der selbstbewussten, lebensfreudigen Baliami zu einem Typen namens Kevin, der schon als Karikatur eines Kotzbrockens auftritt. Vielleicht ist der einfach auch ausstattungsmäßig nur zu überzeichnet?

Sehr glaubhaft

Alle vier Darsteller_innen – zwischen 17 und 23 – spielen – mit Ausnahme vielleicht der eben angesprochenen Szenen – sehr glaubhaft, überzeugend, berührend.

Josepha Andras als Baliami ist die einzige ausgebildete Schauspielerin. Für sie „ist es mein erstes Jugendstück und ich bin froh, nicht Jugendlichen Theater von oben herab vermitteln zu müssen, sondern hier in ihrer Sprache eine von ihnen spielen zu dürfen“. Simon Kubiena hat aber mit seinen 18 Jahren schon eine zehnjährige Theaterkarriere hinter sich. „Mit acht Jahren hab ich ein Hobby gesucht, war aber weder für Fußball noch für Fechten oder Judo geeignet. Dann hat mir meine Mutter Theater vorgeschlagen, das hab ich probiert und es hat gepasst.“ Drei Jahre „Junge Burg“ hat er schon hinter sich. Als er vom Regisseur, Richard Schmetterer, dezidiert für dieses Stück und diese Rolle angefragt wurde, „hab ich nein gesagt, weil ich jetzt in der achten bin und Matura machen möchte.“ Der Regisseur ließ nicht locker, kam mit Probenzeiten entgegen und „jetzt bin ich froh, weil ich in die Figur des Oliver in seiner Entwicklung vom 10-jährigen Buben zum fast-Erwachsenen reinwachsen durfte“.

Ein Sonderlob verdient noch Max Kolodej, der neben Raphi auch noch Baliamis liebenswerten, witzigen Vater, aber auch den Kotzbrocken Kevin spielt. Aber auch Anna Zaglers Karikatur von Olivers „Bilderbuch“-Mutter ist nicht von schlechten Eltern ;)

Was? Wann? Wo?

BALIAMI - Eine LiebesgeschichteDas SpiegelkabinettSchauspiel, 80 MinutenAb 14 Jahren

Autor: Benedict Thill Regie: Richard Schmetterer Darsteller_innen: Baliami: Josepha Andras Oliver: Simon Kubiena Raphi: Max Kolodej Sophie: Anna Zagler

Ausstattung: Karoline Hogl

Wann und wo? Bis 28. Oktober Dschungel Wien 1070, MuseumsQuartier Telefon: (01) 522 07 20-20dschungelwien

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