Kiku
24.03.2017

Schafft's der Fisch über die Mauer?

Kurdisch-syrischer Maler stellt in Wien-Fünfhaus Bilderserie über die Wanderung und Veränderungen - nicht nur des Lachses - aus.

„Ob es der Fisch schafft, über die Grenze zu springen? Ich weiß es selber nicht. Ich hoffe es für ihn, aber wer weiß?!“, so beschreibt der Schöpfer des Bildes, der Maler Rifaae Ahmed, eines seiner Werke. Viele seiner Fisch-Bilder sind seit Freitag Abend in der Wiener Reindorfgasse zu sehen. In einer Ecke des Vereinslokals „Flucht nach vorn“ - in Zusammenarbeit mit dem Verein „Einander“ – hat Rifaae Ahmed sein Atelier. Hier malt er fast täglich „und schnell, ich muss ein Bild fast in einem Zug durch malen“.

Kopf gibt Hand frei

Ob er schon das fertige Bild im Kopf habe, wenn er zu malen beginnt, beantwortet der Künstler wie viele andere Fragen oder auch Äußerungen mit „irgendwie ja und irgendwie auch nein. Ich hab natürlich eine Idee, aber dann gibt mein Kopf meiner Hand die Freiheit zu malen, was sie will. Wie es kommt.“ Die Entscheidung für die jetzige Fisch-Serie erläutert der seit einem halben Jahr in Wien lebende Maler – „davor war ich eineinhalb Jahre in Kärnten“ – so: „Lachse sind Fische, die auch immer auf Wanderschaft sind, auch zwischen Salz- und Süßwasser. Zum Laichen schwimmen sie sogar flussaufwärts, gegen den Strom. Irgendwie hat das auch mit der Situation von mir und meiner Familie zu tun.“

Rifaae Ahmed wuchs in Qamischli, einer multikulturellen Stadt im vorwiegend von Kurd_innen verwalteten Norden Syriens mit Arabisch und Kurdisch auf. „Ich habe schon als kleines Kind gern gezeichnet und gemalt, vor allem mit Kohle. Damit zeichne ich auch heute oft noch.“ Nach der Schule ging er nach Damaskus wo er Malerei und bildenden Kunst studierte, danach Ausstellungen in der syrischen Hauptstadt, aber auch im Irak und in der Türkei hatte. „Damals habe ich alles gemalt – Menschen, Straßen, Tiere. Dann kam der Krieg in Syrien. Vor zwei Jahren musste ich dann weg. Bei meiner Flucht bin ich nach Kärnten gekommen, wo ich auch schon vier Ausstellungen hatte. Meine Frau und meine Töchter sind seit zwei Monaten jetzt endlich bei mir.“

Verwandlungen

Aus den eher sehr düsteren Bildern vor und unmittelbar nach der Flucht sind nun die „Lachs“-Bilder der Wanderung, aber auch der Veränderung geworden. „Wie Charles Darwin die körperliche Veränderung und Entwicklung der Arten beschrieben hat, so will ich mit meinen Bildern die psychischen Veränderungen malen.“ Was zum Titel der Ausstellung „Metamorphose Kreaturen“ führte.

Seine Bilder, die immer auch – sogar für den Maler selbst wie schon eingangs beschrieben – offen lassen, ob sie sozusagen gut ausgehen oder nicht, spiegeln auch seine eigene Lage wider: „Einerseits geht’s mir hier in Österreich jetzt gut, aber andererseits vermisse ich Freunde, Verwandte und ich weiß, wie sie jetzt in Syrien leben. Das ist nicht gut.“

... vom Maler mit einigen Bildern seiner Ausstellung

Was? Wann? Wo?

Metamorphose Kreaturen
Ausstellung von Bildern des Malers Rifaae Ahmed

Wann & wo?
Bis 7. April 2017
1150, Reindorfgasse 38
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