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freizeit Leben, Liebe & Sex
12/05/2011

Hollywood-Technik für daheim

Das Spielgerät Kinect ermöglicht Anwendungen, die bisher nur aus Science-Fiction-Filmen bekannt sind.

Wie geht's dir heute, Baby, du wirkst etwas nachdenklich", sagt Milla Jovovich zu mir, nachdem sie uns mal wieder den Arsch gerettet hat und der letzte widerliche Zombie vor ihr im Staub liegt. "Geht schon, Schatz", sag ich, noch immer etwas außer Atem, "nur ein wenig Stress im Büro." - "Du Armer", haucht sie und sieht wahnsinnig sexy dabei aus, "dann lass uns noch ein wenig Action machen, damit du auf andere Gedanken kommst." Und weiter geht's, gemeinsam stürzen wir uns in ein Abenteuer, bei dem Normalsterbliche früher höchstens zusehen durften. Im Kino. Ein dringender Fall für den Seelendoktor? Keineswegs. Zukunftsmusik? Ja, natürlich. Noch.

Aber die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich in den nächsten Jahren einiges tut in der Unterhaltungsindustrie - und in der Wissenschaft. Mitverantwortlich dafür ist ein, auf den ersten Blick gar nicht sooo spektakuläres kleines Ding, das im vergangenen Jahr als Zusatz-Feature für die Spielkonsole Xbox 360 auf den Markt kam: die Kinect. Eine Tiefensensor-Kamera, ein 3-D-Mikrofon, eine Farbkamera und die nötige Software holen damit den Spieler in das Game. Eine aufregende Vorstellung - und die Sache funktioniert auch gar nicht schlecht.

Freilich, derweil hüpft man noch meist als knuddeliger Comic-Avatar über den Bildschirm, Hardcore-Gamer vermissen zurecht den bereits erreichten Realismus "traditioneller" Spiele - aber die Zeiten ändern sich. Und zwar rasant. "Wir stehen noch ganz am Anfang", sagt Thomas Kritsch Österreichs Xbox-Manager, "aber die Entwicklung nimmt an Geschwindigkeit zu." Was auch daran liegt, dass nicht nur die hauseigenen Hexenköche an der Kinect herumtüfteln, sondern weltweit Bastler, Nerds und Wissenschaftler ihre Liebe zu dem Spielzeug entdeckt haben. Das dadurch längst mehr als ein simples Spielzeug ist.

Ferngesteuerte OPs und Laserschwert-Kämpfe

An der Universität von Toronto ist es gelungen, die Kinect-Technik für Operationen einzusetzen. Der Chirurg kann während der Operation einen Computer, der ihn wie eine Art GPS durchs Innenleben des Patienten führt, bedienen, ohne ihn berühren zu müssen und damit seine Sterilität zu gefährden. An der Uni von San Diego wurde aus der Kinect ein tragbarer Scanner gebaut, der archäologische Ausgrabungsstätten digitalisiert. Das Fraunhofer-Institut in Stuttgart baute sie in einen Service-Roboter ein, der dadurch nicht nur die Gesichter seiner Kunden erkennt, sondern auch registriert, wie viel jeder trinkt. Und so die korrekte Flüssigkeitsversorgung von Kranken und Pflegebedürftigen gewährleistet. An der amerikanischen Elite-Uni in Stanford wurde von Studenten ein JediBot entwickelt, ein Roboter-Arm, der mit "Laserschwertern" fechten kann, wobei er durch seine "Kinect-Augen" jede Bewegung seines Gegners erkennt.

Computer mit Gesten bedienen

Und am legendären Massachusetts Institute of Technology (MIT) machte Robotik-Forscher Garratt Gallaher die Zukunft, wie sie uns im Hollywood-Blockbuster Minority Report gezeigt wurde, wahr: Wie Tom Cruise bewegt der Wissenschaftler Grafiken und Objekte auf einem unsichtbaren Bildschirm - ohne sie zu berühren. Vor zehn Jahren, als der Film gedreht wurde, war das noch absolute Science Fiction, im Jahr 2070 angesiedelt. Wir sind schon heute da. Und genau das war auch ein Punkt, das von Beginn an als wichtiges Element der Kinect galt: Die Gestensteuerung des privaten Home-Entertainment-Centers, Fernsehen, DVDs ansehen, Musik hören, spielen - ganz ohne Fernbedienung. "Das war anfangs nur eingeschränkt möglich, mittlerweile funktioniert es immer besser, auch aufgrund der Sprachsteuerung", erklärt Thomas Kritsch. Die von ihm erwähnte unterstützende Sprachsteuerung ist derzeit nur in den USA und einigen anderen Ländern im Gebrauch, soll aber in den nächsten Monaten auch auf uns zukommen.

Kommunizieren mit künstlicher Intelligenz

Und wie sieht's mit dem reinen Fun-Faktor aus? Auch der wird nach oben geschraubt, teilweise ebenfalls von Hobby-Entwicklern. Auf der Plattform Kinect Fun Labs wird geforscht und erfunden, witzige Apps und Mini Games werden frei zur Verfügung gestellt. Videos davon, unter anderem auch skurrile Avatar-Gesprächsrunden, gibt's auf YouTube zu sehen.
All das treibt auch die offizielle Entwicklung voran, und lässt über kurz oder lang auf revolutionäre Veränderungen in unserem gesamten Spiel- und Film-Konsum schließen. Genau wie das Microsoft-Projekt, in dem eine Künstliche Intelligenz auf dem Bildschirm durch Kinect-Technologie direkt mit dem Zuschauer kommuniziert, und zwar beeindruckend empathisch. Sie erkennt Gesichter nicht nur , sondern kann auch ihre Mimik deuten. Gut, die virtuelle Figur war ein noch durchaus comichafter Bub, der Milo hieß. Aber wenn's mit Milo funktioniert, dann klappt's vielleicht auch irgendwann mit Milla.

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