Kathy Shelton

© REUTERS/MIKE SEGAR

TV-Debatte
10/10/2016

Clinton-Gegnerin: Wer ist Kathy Shelton?

Trump beschuldigte Clinton, Vergewaltiger zu verteidigen.

von Elisabeth Mittendorfer

Vor dem zweiten TV-Duell gab Donald Trump überraschend eine Pressekonferenz mit vier Frauen. Drei davon – Juanita Broaddrick, Kathleen Willey und Paula Jones – werfen dem Ex-Präsidenten Bill Clinton sexuelles Fehlverhalten vor. "Diese vier sehr mutigen Frauen haben darum gebeten, hier zu sein", sagte Trump, für den es der erste ausführliche Auftritt seit dem Auftauchen eines Videos mit sexistischen Äußerungen seinerseits war. Die Anschuldigungen der vierten Frau, Kathy Shelton, haben aber nichts mit Bill Clintons Verhalten zu tun, sondern mit Hillary Clintons juristischer Karriere, bevor sie in die Politik wechselte.

Der Fall Shelton

Kathy Shelton wurde im Jahr 1975 als damals Zwölfjährige vergewaltigt. Der Angeklagte war ein 41-jähriger Mann namens Thomas Alfred Taylor. Dieser wurde von der damals 27-jährigen Hillary Clinton als Anwältin verteidigt, nachdem sie von dem für den Fall zuständigen Richter dazu aufgefordert wurde. Clinton, die damals noch nicht mit Bill verheiratet war und im Nachnamen Rodham hieß, initiierte die Legal Aid Clinic, deren Aufgabe es war, benachteiligte Angeklagte zu verteidigen. In ihren im Jahr 2003 erschienenen Memoiren Living History beschrieb Clinton, dass sie verzweifelt versucht hätte, aus dem Auftrag wieder rauszukommen. "Ich habe mich wirklich nicht wohl dabei gefühlt, einen solchen Klienten anzunehmen, aber der Staatsanwalt Mahlon Gibson hat mich sanft darauf hingewiesen, dass ich das Ersuchen des Richters nicht ablehnen könnte." In einem Interview aus dem Jahr 2014 sagte sie dann, dass sie sich beruflich dazu verpflichtet fühlte, Taylor bestmöglich zu verteidigen.

Schließlich wirkte sich ein Fehltritt in der strafrechtlichen Verfolgung positiv für Taylor aus. Das zuständige Kriminallabor schmiss unabsichtlich den einzigen Beweis in der Angelegenheit, ein Stück der Unterhose des Opfers mit Sperma und Blut darauf, weg. Clinton nutzte das für ihre Verteidigung und so wurde aus einer Vergewaltigung ersten Grades eine "unrechtmäßige Liebkosung eines Kindes unter 14 Jahren". Der Angeklagte erhielt dafür eine einjährige Gefängnisstrafe, verstarb aber bereits zehn Monate später.

Als Heuchlerin bezeichnet

Clinton war in der Vergangenheit aufgrund ihrer Verteidigung von Taylor immer wieder als Heuchlerin bezeichnet worden, wenn sie von sich selbst behauptete, eine Anwältin für Frauen und Opfer sexualisierter Gewalt zu sein. Auch Trump inszenierte Shelton nun als Beweis dafür, dass Clinton Vergewaltiger billige.

Shelton selbst ist mit ihrer Geschichte bereits mehrmals an die Öffentlichkeit gegangen und sagte zum Beispiel gegenüber der Daily Mail Anfang August dieses Jahres: "Ich glaube nicht, dass Clinton für Frauen oder Mädchen einsteht. Ich denke, sie lügt, ich denke, sie hätte alles gesagt, um in die Kampagne zu kommen und zu gewinnen. Wenn sie eine Anwältin für Frauen und Kinder wäre, hätte sie mir das im Alter von zwölf Jahren nicht angetan." Shelton kritisierte Clinton außerdem dafür, auf dem Mitschnitt eines Mitte der 1980er von dem Journalisten Roy Reed geführten Interviews über sie gelacht zu haben.

Tatsächlich habe sie über die Ermittlungsfehler in dem Verfahren gelacht, sagte Clinton. Und über den Lügendetektortest, den Taylor damals bestanden hatte. "Das hat meinen Glauben an Lügendetektoren für immer zerstört." Das geht auch aus der Aufarbeitung und Veröffentlichung des Interviews im Jahr 2014 auf der konservativen Nachrichtenseite The Washington Free Beacon hervor.

Während der am Sonntag geführten TV-Debatte schoss Shelton auf Twitter scharf gegen Clinton:

Verfassungsrechtliche Pflicht

Wie Vox.com berichtet wird Clinton dafür attackiert, eine verfassungsrechtliche Pflicht erfüllt zu haben und zwar jene auf einen Rechtsbeistand, die im 6. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, dem Sixth Amendment, festgeschrieben ist.

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