© Guri Pfeifer

Literatur
07/26/2019

Zweite Chance für die norwegische Insel-Trilogie "Die Unsichtbaren"

Roy Jacobsen hat ein Gespür für Mensch, Meer und Eiskristalle auf der Bettdecke.

von Peter Pisa

Die erste Freude ist: Der Norweger Roy Jacobsen - Foto oben -, in seiner Heimat berühmt, bekommt eine zweite Chance.
Seine Saga „Die Unsichtbaren“, 2014 in einem anderen Verlag erschienen, ging in der Masse von 30.000 Neuerscheinungen unter.
Das Weltkriegsdrama „Alles Licht, das wir nicht sehen“ des Pulitzer-Preisträgers Anthony Doerr hatte ebenfalls einen zweiten Anlauf im C.H. Beck Verlag gebraucht, ehe es auch im deutschsprachigen Raum jene Beachtung fand, die es verdient.
Eine solche wünscht man jetzt Roy Jacobsen. Denn Freude Nummer zwei ist: Auf einer der 1000  Inseln  im Norden Norwegens, wo   früher oft nur ein, zwei Familien lebten,  war man noch nie.

Stühle

Bei dieser Ingrid war man noch nicht. Man lernt sie 1913  im Alter von drei Jahren kennen,  ihr Vater, ein Fischer, war fortschrittlich, denn eigentlich war das noch die Epoche, in der nur die älteste Frau im Haus einen Stuhl bekam. Die anderen Frauen mussten stehend essen.
Aber seine Ehefrau, die Philosophin in der Familie, hatte einen eigenen Stuhl, und Ingrid auch.
Dankbar hilft sie ihrem Vater, die Eingeweide aus einem Dorsch zu reißen.
Ingrid wird im Zweiten Weltkrieg einen russischen Soldaten retten, der  auf die Insel geschwemmt wurde. Er wird verschwinden,  sie wird ihn suchen, man befindet sich mit Ingrid vor der Liebe und nach der Liebe. Aber das stärkste norwegische Gefühl wird von Roy Jacobsen in den Mittelpunkt gestellt:
Einsamkeit.
In dem dicken Buch stecken drei 200-Seiten-Romane hintereinander. Es wird ein bisschen gelebt, unsichtbar halt, und gestorben. Die Insel symbolisiert Freiheit und Gefangenschaft, Roy Jacobsen vermag die oft brutale Natur und besonders die verheerenden Stürme mit unverkitschter Poesie einzufangen.
Im Winter glitzern die Eiskristalle auf der Bettdecke.
Das ist schön. Das ist unerträglich. Man versinkt im Buch. Manchmal ist das Geräusch einer toten Ratte zu hören, die durch den Schnee geschleift wird.


Roy Jacobsen: „Die
Unsichtbaren
Übersetzt von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann.
Verlag C.H.Beck.
613 Seiten.
28,80 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern

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