Peter Kern wird fehlen - als polternder, kritischer Geist und als Einzelkämpfer unter den Autorenfilmern.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Nachruf
08/27/2015

Zum Tod von Peter Kern

Veronika Franz und Severin Fiala drehten ein intimes Porträt über Peter Kern. Und schrieben ihm einen innigen Nachruf.

Peter Kern, ein freier Geist und Gefangener im Körper, ist nach monatelanger Krankheit 66jährig gestorben.Wir sind sehr traurig, Peter. Wir konnten uns nicht mehr verabschieden.

In einem deiner letzten Texte hast du geschrieben: "Was bleibt, ist ein kleines Gefühl, mich für einen Moment geliebt zu haben." Auch wir haben dich geliebt, Peter, aber es war schwierig, dich zu lieben. Du hast die Welt umarmt und die Welt gleichzeitig weggestoßen.

Für unsere Doku über dich haben wir dich zwei Jahre lang begleitet. Du warst rastlos einfallsreich. Ideen, Bilder, Sätze sind dir zugeflogen. In der Zeit, in der wir diesen einen Film über dich mit dir gedreht haben, hast du selbst gleich drei erdacht, geschrieben, gemacht. Du warst ein Ungeduldiger, ein Brennender, ein Zorniger und am Ende schon ein wenig müde dieses ewigen einzelgängerischen Kampfes, deine schönen Filme auch ins Kino zu bringen.

Für unseren Film über dich haben wir oft Deine Filme geschaut - mit Dir. Wir haben deine Geschichten gehört, du hast für uns mit den Toten deiner Vergangenheit telefoniert. Auch das haben wir aufgenommen. Wir haben mit Dir gelacht und mit Dir gestritten. Wir haben dich provoziert und uns provozieren lassen. Du hast uns angeschrien, wir haben trotzig zurück geschwiegen. Wir haben geweint. Dann haben wir wieder gemeinsam Schinkenfleckerl aufgetaut und Schnittlauch geschnitten. „Wenn das Unglück nicht so schmecken tät’“, hast du gesagt.

Viele Abende und doch zu wenige haben wir mit deinen und unseren Freunden Markus, Thomas und Christoph im Beograd gesessen, gegessen, getrunken, gesungen. Einmal hast du die Frage in die Runde geworfen, wie jeder von uns begraben werden möchte?

Wir erinnern uns nicht mehr an deine genaue Antwort. Aber wir wissen, du hast von einem Vogel gesprochen, der jeden deiner Knochen in die Luft tragen und an verschiedenen Orten der Welt wieder ablegen solle. Du wolltest am letzten Weg noch fliegen.

Wir durften auch mit dir fliegen, wir haben mit dir getanzt, du hast im Sitzen getanzt. Denn du konntest auch im Sitzen fliegen. „Stand by me“, das spielen wir für Dich, Peter.

Veronika Franz und Severin Fiala

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