Zehn Jahre Karikaturmuseum

Das Kremser Museum feiert zehnjährigen Geburtstag. Direktorin Jutta Pichler erklärt, was Kunst, Karikatur und Deixfigur miteinander zu tun haben.

Zu primitiv. Oft nicht einmal bunt. Außerdem viel zu klein. Die Karikatur ist das Gegenteil von großer Kunst. Diese Gründe, warum seine Zunft im Museum nichts verloren hat, führt der Wiener Karikaturist Thomas Kriebaum in seiner gleichnamigen Zeichnung "Warum die Humorzeichnung für das Museum gänzlich ungeeignet ist" an. ...

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Bild: Nicht zu schön für eine Karikatur: Karl-Heinz Grasser aus der Sicht von Gerhard Haderer Kriebaum hat es trotzdem ins Museum geschafft. Und das, obwohl dessen Direktorin Jutta Pichler seine Meinung gar nicht teilt. Pichler ist seit fünf Jahren Direktorin des Karikaturmuseums Krems. Die Kunsthistorikerin und Theologin war bei der Gründung vor zehn Jahren dabei, hat die Sammlung mit aufgebaut und nun die Jubiläumsausstellung kuratiert, in der Zeichner ihre "ultimativen Meisterwerke" vorstellen: Österreicher von Erich Sokol bis Michael Pammesberger, internationale Künstler von Sempé bis Paul Flora und Robert Gernhardt. Pichler sieht Karikaturen als niederschwellige Vermittler in die Welt der Kunst, an deren Pforte viele scheitern, aus Angst, nichts zu verstehen. "Karikaturen verstehen die Menschen, die kennen sie aus der Zeitung."
Letzteres allerdings immer seltener. 

Bild: Honoré Daumier, Wendeköpfe Nr. 3 In Österreich leisten sich zwar noch alle Qualitätstageszeitungen einen Karikaturisten, aber die Zeiten sind härter geworden. Viele Magazine, in denen Karikaturisten groß wurden, haben ihre berühmte vorletzte Seite schon lange eingestellt. Pichler: "Es wird immer schwieriger für Karikaturisten, eine Existenzgrundlage zu finden."

Bild: Entblößter Oberkörper, bunte Unterhose, offene Jeans – so porträtiert Gerhard Haderer Ex-Finanzminister Grasser. Das Bild ist in der Ausstellung "Auf ins Museum!" zu sehen. Dabei hat Bild- und Wortsatire in Österreich traditionell einen hohen Stellenwert. Künstler wie Gerhard Haderer und Manfred Deix sind zum populären Allgemeingut geworden.

Bild: "Der dicke Deix" Und Michael Pammesberger zählt definitiv zu den Aushängeschildern des KURIER.

Bild: Karikatur "Meisterwerk" von Michael Pammesberger Im Karikaturmuseum hat Deix eine Permanentausstellung, wo neben Bildern hässlicher Österreicher lebensgroße Deixfiguren stehen. "Da kann man auf den ersten Blick oft nicht zwischen Besucher und Deixfigur unterscheiden", sagt Pichler.

Bild: Manfred Deix - "Opernball 2008" Ein Phänomen: Der Deix zeigt den Leuten, wie hässlich sie sind, und sie lieben ihn dafür. Die Deixfigur ist immer der andere, könnte man da Rimbauds Satz "Ich ist ein anderer" umlegen.

Bild: Manfred Deix - "Sonja" Dass Betrachter in den komischen Figuren immer nur die anderen sehen, ist wohl auch eines der Geheimnisse, die den Erfolg Haderers ausmachen. Extremblondinen mit Arschgeweih, prollige Goldketterlträger, bigotte Bravbürger mit Pornoheftl im Nachtkasterl hängen als Karikaturenkalender in ebenderen Büros.

Bild: Gerhard Haderers "Rehäuglein" Im Rahmen seiner Jubiläumsfeier widmet das Karikaturmuseum dem Oberösterreicher Haderer eine Sonderschau. "Moff", Haderers "feines Schundheftl" ist dort zu sehen, und, eine Weltpremiere, die Ölbilder des gelernten Grafikers. "Alle guten Karikaturisten beginnen irgendwann einmal zu malen. Nur i ned", kommentiert Zeichen-Doyen und Architekt Gustav Peichl, nach dessen Plänen das Museum 2001 gebaut wurde (siehe Bild) und der mit dem "Ironimus-Kabinett" hier ständig repräsentiert ist.

Bild: "Ironimus" Gustav Peichl als Architekt des Karikaturmuseums, mit LH Erwin Pröll und Manfred Deix im Jahr 2000. Bis 17. Jänner ist dort noch der "wahre Kreisky" zu sehen, ...

Bild: Ironimus' "Das Budgetloch" (1977) ... Ironimus-Karikaturen über den "Sonnenkönig" aus den Siebziger und Achtziger Jahren.

Bild: Ironimus' "König und Kronprinzen" (1974) 10 Jahre Museum: Schund und Kunst

Seit zehn Jahren widmet sich das Karikaturmuseum Krems den Themen Karikatur, Bildsatire, Comic und Cartoon. Zum Jubiläum werden Gerhard Haderers "Schundhefte" und die Sonderschau "Auf ins Museum!" gezeigt. 

Info: Karikaturmuseum Krems. Steiner Landstraße 3a, 3500 Krems an der Donau. Geöffnet täglich,10 bis 18 Uhr. www.karikaturmuseum.at 

Bild: Frühe Zeichnung aus einem Schulheft von Manfred Deix: "Investiturstreit"
(kurier / Barbara Mader, tem) Erstellt am
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