Kultur
27.11.2018

Zaz im Interview: Zeit für sich selbst und Umweltinitiativen

Die Chanson-Sängerin spricht über ihren Urlaub in Lappland, die Malerei und ihr Engagement mit der Plattform "Zazimut".

„Ich fülle meine Taschen mit Zeit für mich selbst“ singt Zaz in „Laponie“, einem der Songs ihres neuen Albums „Effet Miroir“. Geschrieben hat sie den auf einer Reise durchs eisige Lappland, die sie nachhaltig beeindruckt hat. Denn obwohl die 38-Jährige seit ihrem Durchbruchs-Hit „Je veux“ von 2010 mit ihrem ungezwungenen Mix aus Jazz, Pop, Soul, Folk und Chanson rund um den Erdball auf Tour war, fühlte sich dieser Trip für sie wie ihre erste Reise an.

 

„Dort gibt es unglaubliche Energien und faszinierens Licht“, erzählt Zaz im Interview mit dem KURIER. „Ich hörte dort diese schöne Musik von Guillaume Poncelet und sofort kam der Text.“

Den singt sie nicht, den spricht sie über fließende, meditative Pianoklänge, schafft damit eine packende, intime Atmosphäre. Generell, sagt Zaz, habe sie für das Album persönlichere Texte geschrieben: „Meine Lieder waren schon immer sehr offen. Aber seit dem Beginn meiner Karriere ging alles so schnell. Jetzt gab ich mir die Zeit, den Dingen tiefer auf den Grund gehen.“

 

Musikalisch bleibt Zaz mit „ Effet Miroir“ bei ihrem gewohnten Stilmix, singt das auf Latin-Rhythmen aufbauende „Qué vendrá“ teils auf Spanisch: „Der Text war ursprünglich auf Spanisch, sagt aber auf Französisch dasselbe: Man muss das Leben nehmen, wie es kommt – mit seinen guten Seiten aber manchmal auch mit seinen härteren Tests, und nie vergessen, dass es an uns liegt, herauszufinden, was wir mit unseren Erfahrungen machen wollen, um am Ende stolz auf uns sein zu können.“

Keine Lügen

Aber nicht nur der Text von „Qué vendrá“ ist nicht von Zaz selbst. Für „Effet Miroir“ hat sie einige Gastautoren beschäftigt, weil sie viele Texte angeboten bekommt. „Davon sprachen mich einige direkt an, fast schon so, als wären es meine eigenen Worte. So kann ich diese Lieder mit Emotion singen, ohne zu lügen. Ich denke, das macht es aus, dass wir alle von einem Lied berührt werden.“

In der Pause begann Zaz – nach der Begegnung mit einem Künstler in Québec – auch zu malen: „Ich weiß nicht, ob es je eine Ausstellung geben wird. Aber ich habe Spaß, ich schaffe, ich lasse los und ich drücke aus, was ich anderes fühle als durch Musik. Das ist super!“

 

Außerdem hat sie die Internet-Plattform „Zazimut“ aufgebaut, die Projekte vernetzt, die sich für Bildung und Umweltschutz engagieren: „Ich wollte schon immer am gesellschaftlichen Wandel teilhaben. Ich sehe – wie viele Leute – Dinge , die mir nicht gefallen. Aber anstatt mich zu beschweren, handle ich lieber. Auch wenn sich heute viele Probleme auf globaler Ebene abspielen – es gibt so viele schöne lokale Initiativen, dass ich meine Musik und meinen Ruhm nutzen wollte, um sie meinen Hörern vorzustellen. Wenn wir sehen, wie viel Geniales passiert, fühlen wir uns weniger alleine. Es gibt uns die Kraft und den Mut, noch weiter zu gehen.“