Muthspiel im Konzerthaus: Im gemeinsamen Flow großer Erfahrung
Scott Colley, Brian Blade und Wolfgang Muthspiel (v. li. n. re.).
Er hinterließ ein beglücktes Publikum: Für Wolfgang Muthspiel ist’s bereits der 41. Auftritt im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses und zugleich das Tournee-Finale mit seiner Dream-Band aus langjährigen US-Gefährten, dem Kontrabassisten Scott Colley und dem Schlagzeuger Brian Blade.
Kompakter Sound
Neben einem Stück aus dem gemeinsamen Album-Erstling „Angular Blues“ aus dem Jahr 2020 und einem Solo des Gitarristen aus „Etudes/Quietudes“ (2024) steht überwiegend das Repertoire der aktuellen dritten Studio-CD „Tokyo“ auf dem Programm. Und damit das eher Unorthodoxe.
Atmosphärisch heiter, fein nuanciert und voller gemeinsamer Inspiration zeigt sich im Trio – u. a. beim melodischen, scheinbar von Tonart zu Tonart gleitenden „Flight“ – eine tiefe musikalische Verbundenheit, wie sie sich nur bei einer beständig miteinander arbeitenden Band entwickeln kann.
Kantig, ganz ohne Sentimentalität und mit einer Prise Humor kommt „Weill You Wait“ daher, eine subtil-kammerjazzige Hommage an den Komponisten Kurt Weill. Quirlig lebendig wird’s beim Dreier mit „Strumming“.
Bluesig und rau
Der Oldie „Hüttengriffe“, ein Flirt Muthspiels mit der Simplizität, provoziert leises Schmunzeln. Ein Höhepunkt und Musterbeispiel für die hochintuitive Zusammenarbeit dieses Trios ist schließlich die raffinierte Interpretation von Paul Motians „Abacus“, gespickt mit E-Gitarren-Effekten, fast bluesig und rau, die am Ende ganz ins Freie mündet.
Viel Applaus und großen Jubel gab’s für den Abend voll fröhlicher und lebhafter Energie, die der Nährboden ist für die freie Improvisation.
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