Oliver Stone plant Film über NSA-Aufdecker Edward Snowden
Hollywood-Regisseur Oliver Stone (67) will einen Film über den Ex-Geheimdienstler Edward Snowden drehen. "Es ist eine der größten Geschichten unserer Zeit", erklärte der Oscarpreisträger am Montag Medienberichten zufolge.
 

© EPA

Interview mit Oliver Stone
10/06/2012

"Wir haben unseren Verstand verloren"

Im Interview spricht der kontroversielle Filmemacher über seinen neuen Film "Savages" und erzählt, was er von Drogen hält.

Als Oliver Stone "Wall Street" drehte, schwor er angeblich dem Kiffen ab – doch seine Einstellung zu Marihuana bleibt offenbar äußerst entspannt: Beim KURIER-Interview zu seinem neuen Film nennt er es in Berlin voll Feuer:

"ein wunderbares Gottesgeschenk".

Angesichts des Plots von "Savages" eine überraschende Ansage. Handelt der Film, der auf Don Winslows Bestseller basiert, doch vom mexikanischen Drogenkartell, zwei jungen Haschisch-Plantagen-Besitzern und einem brutalen Drogenkrieg. Oliver Stone hat nicht nur das "wilde und originelle" Buch gelesen, sondern auch recherchiert: bei Ex-Kartell-Mitgliedern, Computer-Hackern, Drogenfahndern und Haschisch-Anbauern. "Diese unabhängigen Plantagen-Besitzer sind wie Silikon-Valley-Typen. Ich habe Geschäftsleute unter ihnen getroffen, die nicht mal selbst rauchen, aber Pflanzen in Lagerhäusern anbauen." Genau davon erzählt "Savages": Drogen sind ein Geschäft wie die Wall Street.

KURIER: Wann haben Sie denn zuletzt Haschisch geraucht?
Oliver Stone:
Heute morgen (lacht) . Nein, heute noch nicht. Aber ich bin nicht abhängig. Ich kann auch ohne leben. Ich mag es nur und finde, es ist ein wunderbares Gottesgeschenk. Es hat medizinischen Wert und hilft Krebs­patienten bei Schmerzen. Ich habe noch nie Beweise dafür gesehen, dass es jemanden umbringt. Menschen sterben an Alkohol oder an einer Überdosis Kokain oder anderem. (Pause)
Himmel, hat sich jemand in letzter Zeit eine Überdosis Marihuana verpasst? Warum entspannen wir uns nicht?

Dann fangen wir mit dem Ende von "Savages" an.
Genau. Wir sollten alle immer mit unserem Ende anfangen. (lacht)

Der Film hat zwei Enden: einen Action-Showdown und eine Romanze. Warum?
Ja, das mit dem Ende ist eine schwierige Frage. In jedem Film dieses Genres muss es einen Showdown geben, aber wenn man dabei nicht gleichzeitig eine emotionelle Katharsis erzählt, wird man keinen erfolgreichen Film gemacht haben. Das zugrunde liegende Buch endet mit einem Shoot-out und wird dann romantisiert. Es ist ein Butch Cassidy-Ende. Ich fand das schön, würde es aber im Film nicht glauben. Dort muss man manchmal realistischer sein als in Büchern.

Haben Sie deshalb die Rolle von John Travolta ausgebaut?
Ja, er spielt einen korrupten Drogenfahnder, der sich nicht einfach aus dem Staub machen würde ( wie im Buch, Anm. ), wenn er in seiner Gier wittert, dass er noch mehr verdienen könnte ... Der Drogenkrieg geht ja in Wirklichkeit immer weiter und weiter, weil es in Wahrheit ein Krieg um Geld ist. Und genau diesen Punkt wollte ich machen.

"Savages" hat sehr explizite Gewaltszenen, die Nacktszenen sind da zahmer.
Ja, auch das ist Teil der amerikanischen Heuchelei mit ihrem Jugendverbots-Theater. Schauspieler stehen da richtig unter Druck. Busen zeigen? Das geht nur in französischen Filmen. Aber ich habe mein Bestmöglichstes innerhalb der vorgegebenen Codes versucht.

Gewaltdarstellung in Film und TV hat sich in den letzten Jahren verschärft. Haben Sie sich verpflichtet gefühlt, noch weiter zu gehen?
Alles, was ich machen wollte, war, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es das alles wirklich gibt. Die Brutalität der Drogenkartelle ist weit schlimmer als im Film gezeigt. Ich mag Action, Action, Action gar nicht nur um der Action willen. Wenn ich die Menschen nicht verstehe im Kino, wird mir schnell langweilig. Auch im Batman-Film.

Einer der interessantesten Figuren in "Savages" ist Ben, der Buddhist, der zwar Drogen anbaut und handelt, aber niemanden töten will ...
Es ist einer der Höhepunkte für mich, wie diese pazifistische Figur langsam die Grenze zur Gewalt überschreitet. Das habe ich selber im Vietnam-Krieg erlebt. Man kann nicht so einfach einen Menschen erschießen. Das ist wirklich schwierig. Vielleicht bin ich deshalb so an den Extremen interessiert, zu denen Menschen fähig sind und an den moralischen Grenzen, die sie dabei überschreiten.

Welchen Ausweg aus dem Drogenkrieg gäbe es Ihrer Meinung nach?
Keinen. Es gibt keinen Ausweg mehr. Wir haben mehr Drogen, billigere Drogen, bessere Drogen denn je. Wir haben 2,5 Millionen Amerikaner hinter Gittern. Viele nur wegen Drogen – und gar nicht richtig Kriminelle. Es ist eine richtige Gefängnisindustrie. Wir haben eine milliardenschwere Strafverfolgung von Rauschgift und die Militarisierung der Grenze zu Mexiko. Wir haben völlig unseren Verstand verloren.

Und wenn man Haschisch legalisieren würde?
Das wird niemand tun. Kein Politiker würde damit durchkommen. Nicht mal Obama, der früher selber Dope geraucht hat. (lacht)

Sie gelten als sehr kontroversieller Filmemacher. Mögen Sie dieses Etikett?
Nein, ich mag das nicht. Ich habe auch stille Filme gemacht wie " Wall Street 2" oder "Nixon", einen Film, den ich liebe, über einen Mann, den ich nicht liebe. Man weiß ja ohnehin nie, was kontroversiell sein wird. Ich bin ein Dramatiker, der in seiner Arbeit nach Wahrheit sucht, und das provoziert manche.

Im Film fällt der Satz: "Drogen sind schlecht, aber in einer schlechten Welt sind sie gut." Teilen Sie das?
Drogen sind eine rationale Antwort auf den Irrsinn der Welt. Der Fehler liegt nicht bei den Konsumenten. Leute, die andere wegen Marihuana ins Gefängnis stecken, das sind die Wahnsinnigen. Leute, die in Afghanistan und Irak Kriege erklären, sind die Wahnsinnigen. Mein alter Klassenkamerad George Bush aus meiner Yale-Zeit 1968, das ganze Establishment, das ist der Wahnsinn. Das glaube ich wirklich. Und vielleicht kann ich eines Tages einen Film drehen, der all das zusammenfasst.

Politische Filme

Vietnam-Veteran: Oliver Stone (66) gilt als einer der politischsten Filmemacher Hollywoods. Aufgewachsen in einem republikanischen Haushalt, nahm er am Vietnam-Krieg teil, wendete sich dann der Linken zu und konvertierte zum Buddhismus.

Drei Oscars: Den ersten Oscar bekam er für das Drehbuch zu "Midnight Express" (1978), gefolgt von Oscars für seine eigenen Filme "Platoon" (1986) und "Geboren am 4. Juli" (1989). 2010 kam sein "Wall Street 2" ins Kino.

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