Gute Nacht Österreich" läuft Donnerstags um 21.55 Uhr auf ORF1.

© ORF/Roman Zach-Kiesling

Kultur
09/04/2019

"Willkommen Österreich"-Reporter Peter Kliens neue Show

Der Comedian sitzt auf ORF1 nun hinterm Schreibtisch, wird aber auch da und dort als Reporter auftreten.

Wer Peter Klien schon einmal Schläge angedroht hat? Ein wildgewordener FPÖ-Fan, der für seine Partei in die Bresche springen wollte, als der Satiriker mit seinen blöden Fragen bei einer blauen Veranstaltung auftauchte. Stermann und Grissemann nicht? „Nein“, versichtert Klien, der den beiden Dienstagnacht-Stars nun am Donnerstag Konkurrenz macht: „Ich bin im September sogar in ihre Sendung eingeladen.“

Bei „Willkommen Österreich“ agierte er als Gagschreiber und wurde auch vor der Kamera zu einem beliebten Fixpunkt, der im Internet eifrig geteilt wurde. Mit ORF-Mikro und gespielt ernster Miene fragte er etwa die Grüne Eva Glawischnig, ob nicht alles anders gekommen wäre, wenn sie mit dem FPÖ-Hardliner Herbert Kickl in der gemeinsamen Schulzeit geschmust hätte. Eine Tätigkeit, die er am Mittwochvormittag so beschrieb: „Ich schalte auf Autopilot und lasse die Sau raus.“ Mehrere Parteitage und Wahlen später ist Klien reif für eine eigene Show. Die heißt – Achtung, Seitenhieb – „Gute Nacht Österreich“ und startet am kommenden Donnerstag um 21.55 Uhr auf ORF1. Ein Abtrünniger sozusagen.

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: Der Reporter wird nur mehr selten und bei ausgewählten Events auftreten, gesteht Klien. Und das auch nur, weil sowohl Publikum als auch er an der Figur so hängen. Eigentlich hätte sie ganz gestrichen werden sollen.

Soviel zur Nostalgie – es gibt aber guten Grund, freudig nach vorne zu blicken, wie sich bei der Präsentation der Show am Mittwochvormittag zeigte. In „Gute Nacht Österreich“ folgt Klien den Spuren internationaler Vorbilder, die ernste (politische) Sachverhalte in einzigartige Wuchteln verwandeln. Als Inspirationen nennt er Stephen Colbert genauso wie Harald Schmidt.

Journalisten im Team

Für die Show sind nicht nur rund 10 Gagschreiber engagiert, sondern auch ein Team aus Journalisten – „Gute Nacht Österreich“ arbeitet hierzu mit der Rechercheplattform dossier.at zusammen, die den fundierten Boden für die gemeinen Gags liefern soll. Im unveröffentlichten Piloten nahm man etwa den in Österreich immerwährenden Machtkampf zwischen Bund und Ländern analytisch und mit vielen Pointen auf die Lupe.

In der Auftaktsendung kommende Woche wird es – Pressesprecher der Parlamentsklubs bitte weghören – um Parteifinanzen gehen. Es geht in diesen humoristischen Erklärstücken mit journalistischem Unterfutter nicht nur um Lacher, sondern auch um Aufklärung.

Wahrheit mit Witz

In diese Kerbe schlägt auch ORF1-Chefin Lisa Totzauer: „Satire ist Wahrheit mit Witz“, sagte sie bei der Präsentation. Wie uns die politische Situation zeigt, haben wir sehr viel Futter für gute Satire.“ Der ORF zeige mit solchen Sendungen auf sehr direkte Art seine Unabhängigkeit und könne auch „Zielgruppen erreichen, die vielleicht nicht so informationsaffin sind“. Nachsatz: „Wir werden uns auch selbst aufs Korn nehmen. Dadurch, dass alle drankommen, wird sich auch niemand aufregen können.“

Dass die Gags Kliens Biss haben, ist den Sehern seiner „Willkommen Österreich“-Auftritte bereits bekannt. In seiner Late-Night-Show kann das dann so klingen: „Zwischen ÖVP und FPÖ gibt es viele Konfliktlinien, von denen die Kleinparteien profitieren – zum Beispiel die SPÖ.“ Oder: „Bei der ÖVP weiß jeder: Wahl, das ist die doppelte Arbeit – vor allem in der Buchhaltung.“ Oder aber: „Lehrer haben am Vormittag recht, am Nachmittag frei.“

Termine im Vorfeld der eigenen Show gab es unter anderem auch mit Jan Böhmermann, der den türkischen Staatspräsidenten beleidigte und jüngst als SPD-Chef kandidierte. In diesem Koordinatensystem: Was darf Satire eigentlich nicht, Herr Klien? „Verboten sind eigentlich nur zwei Dinge“, meint dieser nüchtern: „Das eine ist, was im Strafrecht verboten ist. Und das andere ist, langweilig zu sein.“