Honorarfrei!!!!

© John Hodgkiss

Interview William Kentridge
08/01/2013

Wie der Körper zur Uhr wird

Starkünstler William Kentridge über sein Gastspiel bei ImPulsTanz.

Nach einer großen Schau in der Albertina im Jahr 2010, bei der neben Bildern und Skulpturen auch Animationsfilme gezeigt wurden, kehrt der südafrikanische Starkünstler William Kentridge ab heute, Donnerstag, nach Wien zurück – dieses Mal aber als Performer. Er zeigt im Rahmen von ImPulsTanz (Volkstheater, 21 Uhr), ein spektakuläres Multimedia-Stück: „Refuse the Hour“, mit der fabelhaften südafrikanischen Tänzerin Dada Masilo. Ein Interview über sein Projekt, die Rolle von Zeit, den Tod, die Unsterblichkeit – und weitere Pläne für Wien.

KURIER: Sie beschäftigen sich seit Jahren mit schwierigen Themen wie Apartheid, Kolonialismus und Totalitarismus, aber auch mit der Einsamkeit des Künstlers in seinem Schaffen. In „Refuse the Hour“ geht es nun um Zeit und ihre Vergänglichkeit. Wie kam es dazu?
William Kentridge:
Die Idee entstand nach vielen Debatten mit dem Historiker Peter Galison, der auch Physik-Professor in Harvard ist. Mich hat vor allem die Art interessiert, wie Wissenschaftler durch die Entwicklung der „Stringtheorie“ erklären, dass alle Materie im Moment der Zerstörung oder des Todes als Fragment im Universum bleibt.

Sie sprechen also von Unsterblichkeit ...
Genau. Viele Wissenschaftler können offenbar den Tod nicht als Ende ertragen, also erklären sie, dass wir nach unserem Tod in fragmentarischer Form weiterexistieren könnten. Dafür müssen sie ebenso eine Art Seele entwickeln. „Stringtheorie“ ist also eine extrem komplizierte wissenschaftliche Art, um auch an ein Leben nach dem Tod zu glauben.

Zeit und Tod sind also untrennbar verbunden – wie erklärt „Refuse the Hour“, bei dem Tanz eine wichtige Rolle spielt, dieses Konzept?
Eine Choreografie bringt allein schon durch den Rhythmus eine Zeitebene in den Körper. Tanz ist eine Sprache, die den Körper in eine Art mechanische Uhr verwandelt.

Aber der Körper ist doch eine biologische Uhr?
Herz und Lunge sind nicht nur vitale Organe, sondern auch solche, um die Zeit zu messen. Wenn unsere innere Uhr langsamer wird, nähern wir uns dem Tod.

Ihr Stück erklärt auch die Geschichte der Zeitmessung – mechanisch versus biologisch.
Im 19. Jahrhundert wurde die Zeit über Grenzen hinweg koordiniert. Städte, Länder verloren ihre individuelle Zeit, Uhren wurden synchronisiert. Unser Verständnis von Zeit wird heute stark von der digitalen Welt beeinflusst. Mein Stück untersucht den dauernden Wandel und die Unsicherheit.

Diese Performance hat sich aus Ihrer Installation bei der documenta 13, „The Refusal of Time“, entwickelt. Wie sind diese beiden Arbeiten miteinander verbunden?
Meine Arbeit für die documenta 13 hätte auch ein Performance-Stück sein sollen. Ich konnte aber nicht drei Monate durchgehend in Kassel sein. So entstand „Refuse the Hour“ quasi als Satelliten-Stück, das seit einem Jahr auf Tournee ist. Es gibt viele ähnliche Elemente.

Sie sollen 2014 auch zu den Wiener Festwochen kommen, mit einem völlig anderen Thema: eine Filminstallation über Schuberts „Winterreise“, gesungen von Matthias Goerne.
Ja, das ist ein sehr aufregendes Projekt: 24 Lieder, 24 Filme. Es wird ein Trio geben: Sänger, Pianist und ein Filmprojektor. Ich hoffe, dass Film und Musik einander so befruchten, dass man jeweils ein neues Verständnis gewinnt. Es geht ja auch darum, Bilder zu hören.

Bilder vom ImPulsTanz '13

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