WestLicht-Auktion mit Leicas erfolgreich

Die Kamera-Versteigerung in der Wiener Galerie WestLicht brachte einen Gesamtumsatz von rund 2,6 Mio. Euro. Eines der Highlights war ein Unterwassergehäuse.

Zwar konnten die Rekordpreise des Frühjahres nicht wiederholt werden, ein Erfolg war die 20. WestLicht-Auktion am gestrigen Samstag für das Auktionshaus aber dennoch. Bei der Kamera-Auktion wurden von insgesamt 650 Losen 94 Prozent verkauft, was einem Gesamtumsatz von rund 2,6 Millionen Euro entspricht. Den Höchstpreis erzielte dabei ein rot lackiertes Leica-Unterwassergehäuse für die US-Army, das von 12.000 auf 150.000 Euro (inklusive Aufgeld) kletterte.

Die Exponate zum Durchklicken... Ebenfalls im sechsstelligen Bereich landeten die Bietergefechte um eine Leica I mit Kalbslederbezug aus dem Jahr 1930 (120.000 Euro) ...

Bild: Leica IA mit Gehäusebezug aus Kalbsleder (Bild), geliefert nach Stockholm am 23. 12. 1930. Von dieser Kamera wurden nur 180 Exemplare hergestellt. In der Ausführung braun kariert sind nur drei Stück bekannt. (Schätzpreis 28.000 bis 32.000 Euro) ... oder eine schwarz lackierte Leica MP Nr. 28, die etwa 1958 hergestellt worden ist und bei einem Rufpreis von 22.000 Euro letztlich 121.200 Euro erzielte. Als ungewöhnliches Stück dürfte auch eine Leica-Kopie aus China, eine sogenannte Red Flag, angesehen werden, die ca. 1977 im Auftrag von Maos Witwe hergestellt wurde: Sie wechselte um 108.000 Euro den Besitzer. Von dieser Kamera wurden in den 1970ern im Regierungs-Auftrag weniger als 200 Stück produziert. Keine davon wurde offiziell verkauft. Aufmerksamkeit erzeugte im Vorfeld der Auktion die Versteigerung der Leica-Ausrüstung der österreichischen Fotografin Inge Morath, die von ihrem Bruder Werner Mörath (sic!) eingebracht worden ist. Die Ausrüstung der 2002 verstorbenen Fotografin, die mit Arthur Miller verheiratet war, erzielte 16.800 Euro, und auch in der anschließenden Fotoauktion, die bei rund 200 Losen einen Verkaufserfolg von 83 Prozent und einen Gesamtumsatz von 482.000 Euro verbuchen konnte, war Morath vertreten. Ein Foto, das sie mit der Ausrüstung zeigt, ging um 3.360 Euro weg. Highlights der Foto-Versteigerung waren u.a. ein großformatiger Vintage-Abzug von Wilhelm von Gloedens Freiluft-Akt "Cain", der um 33.600 Euro den Besitzer wechselte. Gloeden gilt als Wegbereiter der homoerotischen Fotografie. Er konzipierte ab 1880 mit Jugendlichen antike Szenen. Das Motiv des mit angezogenen Beinen in arkadischer Landschaft (Taormina auf Sizilien) sitzenden Jünglings ... Der Schätzpreis lag bei 25.000 bis 30.000 Euro. ...wurde auch von anderen bekannten Fotografen wie Rudolf Koppitz ähnlich inszeniert. Von Koppitz wurde allerdings ein Frauenakt versteigert.

Bild: 
Rudolf Koppitz (1884–1936)
Akt am Meer (Anna Koppitz)
1923
Vintage silver print Unter den Hammer kamen auch die drei einzigen Vintage-Prints der Alma-Puppe, einem lebensgroßen Abbild der Künstler-Muse Alma Mahler-Werfel aus der Zeit um 1919. Die Bilder der Alma-Puppen erzielten insgesamt 60.000 Euro. WestLicht-Chef Peter Coeln freute sich über den Erfolg und strich besonders für die Foto-Auktion hervor: "So gut wie noch nie wurden auch die 'jungen' Positionen gehandelt. Wir sehen uns in unserem Weg bestätigt, auch den zeitgenössischen Fotografen einen Platz in unseren Auktionen zu geben."

Bild:
Judith Huemer (* 1969)
"Balcony Session"
2007
Chromogenic print, framed Beispielsweise eine private Aufnahme von Gustav Klimt.
 

Bild:
Emma Bacher (1867–1948)
"Gustav Klimt mit Freunden am Bootsteg"
Attersee c. 1903
Vintage collodion print, mounted on original cardboard Die nächste WestLicht-Auktion findet im Mai 2012 statt.

Bild:
Berenice Abbott (1898–1991)
"Freiheitsstatue"
New York c. 1932
Vintage silver print, mounted on original cardboard Insgesamt wurden bei der Foto-Auktion etwa 200 Bilder versteigert. Das WestLicht konnte dabei mit einer Auswahl von Daguerreotypien, Vintage-Prints bis zu zeitgenössischen Positionen aufwarten.

Bild:
Josef Sudek (1896–1976)
"Moldau mit Nationaltheater"
Prague c. 1948
Vintage silver print, contact print Ein Blickfang ist auch eine von nur vier produzierten Polaroid-Kameras in Kooperation mit Cartier. Die Polaroid Image ist mit 22-Karat-Goldrändern in drei charakteristischen Cartier-Goldtönen und als Krönung mit einem Saphir verziert. (Schätzpreis 10.000 bis 12.000 Euro). Auch Kuriosa waren vertreten. Los 419 war etwa eine Spionage-Kamera als Kugelschreiber, ... ... Los 424 war diese KGB Spionage Kamera, die wie ein Feuerzeug aussieht, ... ... und schließlich eine NASA-Mondkamera. Dabei handelt es sich um eine Hasselblad 500 EL/M zum Schätzpreis von 20.000 bis 25.000 Euro, die aus der ersten Serie der motorisierten NASA-Weltraum-Kameras stammt. Insgesamt wurden nur 29 Kameras produziert, mindestens 15 davon wurden auf dem Mond zurückgelassen, da die Astronauten nur die Filmmagazine zurücknahmen.

Info: WestLicht Photographica Auction
03.11.2011 - 12.11.2011
WestLicht Wien
(KURIER / tem,moe) Erstellt am
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