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Kultur
12/21/2020

Weihnachtshits: Pensionsvorsorge und Millionen-Business

Wie saisonale Charts-Renner wie Whams "Last Christmas" entstehen und wie viel das Duo oder Mariah Carey damit verdienen

von Brigitte Schokarth

Platz eins der US-Billboard-Charts, Platz eins der Austria Top 40, Platz eins auch in Deutschland und Großbritannien: Mariah Careys Weihnachtshit „All I Want For Christmas Is You“ dominiert die Fest-Saison heuer weltweit und wird der Amerikanerin einen dicken Scheck unter den Christbaum legen. Schon bis Ende 2019 hatte die Sängerin 60 Millionen Dollar mit dem 26 Jahre alten Song verdient. Und da war der Song noch lange nicht so populär wie zur Zeit. Er stieg erst seit 2017 in der Hörergunst, arbeitete sich von Platz neun über Platz drei hoch und landete voriges Jahr erstmals an der Spitze.

Dass Careys Weihnachtsverdienst so hoch ist, liegt daran, dass sie „All I Want For Christmas“ nicht nur interpretiert, sondern auch - zusammen mit Walter Afanasieff - geschrieben hat.

Aus dem gleichen Grund ist Weihnachten für Noddy Holder und Jim Lea von Slade die Haupteinnahmequelle. Sie schrieben „Merry Christmas Everybody“ 1967 während der Flower-Power-Bewegung, veröffentlichten es aber erst 1973. Jetzt bringt ihnen der Hit 550.000 Euro jährlich. Jedem von ihnen. „Ich habe das nie so geplant, aber der Song ist definitiv zu meiner Pensionsversicherung geworden“, erzählte Holder der BBC.

Wie viel mehr Songwriter an einem Lied verdienen als der Interpret, ist von Land zu Land verschieden, aber auch abhängig von den Verträgen, die Künstler mit den Verwertungsgesellschaften aushandeln. Dass es erheblich mehr ist, weiß auch Andrew Ridgeley, Duopartner von George Michael bei Wham!. Als der Film „Last Christmas“, eine Komödie basierend auf dem Weihnachtshit, voriges Jahr Premiere hatte und Ridgeley dabei auf die Einnahmen aus dem Song angesprochen wurde, sagte er. „Für mich ist das nicht so viel. George hat den Song geschrieben.“

Trotzdem lebt der 56-Jährige nach wie vor gut von den Einnahmen aus Wham!-Zeiten. Denn bei drei Songs des Duos, darunter dem Megahit „Careless Whisper“, ist Ridgeley als Co-Songwriter eingetragen.

„Last Christmas“ allerdings, hat George Michael alleine verfasst. 1984 innerhalb einer Stunde im Hause seiner Eltern: „Wir hingen auf der Couch herum, während der Fernseher lief“, erinnert sich Ridgeley. „Fast unbemerkt schlich sich George hinauf in sein Zimmer. Dann kam er runter und war so aufgeregt, als hätte er Gold gefunden. Wir gingen zusammen rauf, und er spielte mir das Intro und die Melodie zu ,Last Christmas´ vor. Für mich war das wie ein Wunder. In gewissem Sinne hatte er tatsächlich Gold gefunden.“

Geschätzte neun Millionen Euro gehen von diesem musikalischen Goldstück jährlich an die Erben des am 25. 12. 2016 verstorbenen Stars – an seine Familie und Schwester Yioda, die in Michaels Testament die Hauptbegünstigte war.

Auch David Bowie hat in seinem Testament die Familie bedacht. Witwe Iman, Sohn Duncan und Tochter Alexandria bekommen die Einnahmen aus den Tantiemen zu seinen Songs. Allerdings kommt über „Peace On Earth/Little Drummer Boy“, dem Weihnachtsklassiker, den Bowie mit Bing Crosby singt, weit weniger rein als mit dem Rest seines Backkatalogs. Denn bei dem Weihnachtshit ist der geniale Songwriter nur Interpret.

Aufgenommen wurde es am 11. 9. 1977 für die TV-Show „Bing Crosby’s Merrie Olde Christmas“ – vier Wochen vor Crosbys Tod. Die Produzenten wollten mit der ungleichen Paarung – mit dem kreuzbraven Crosby und dem Rebellen Bowie – ihre Show auch für jüngeren Zuseher attraktiv machen. Der Beweggrund für Bowie war, dass er die Idee „so skurril“ fand, dass es interessant für ihn wurde.

Spätere erinnerte sich Bowie an diese „bizarre“ Erfahrung: „Bing hatte dickes Make-up und ich hatte das Gefühl, dass er gar nicht richtig da war. Ich wusste damals auch nichts von ihm – außer, dass meine Mutter ihn mochte.“

Auch mit dem Song „Little Drummer Boy“ verband Bowie nichts. Er hasste das Lied. So sehr, dass er die Show-Produzenten bat, etwas anderes singen zu dürfen. Deshalb schrieben ihm die musikalischen Leiter den „Peace On Earth“-Teil dazu. Und nach nur einer Stunde Probenzeit nahmen Bowie und Crosby den Song auf.

„Anfangs als David mit langem Pelzmantel und Ohrringen reinkam, dachten wir, das klappt nie“, erinnert sich Crosbys Tochter Mary. „Doch dann saßen sie zusammen am Klavier. David war ein bisschen nervös, aber mein Vater erkannte, was für ein großartiger Musiker David war. Und David erkannte, was für ein großartiger Musiker mein Vater war. Wir konnten sehen, wie sich beide entspannten und das Duett magisch wurde.“

Die laut Queen-Gitarrist Brian May „am meisten unterschätzte Gesangsleistung von Sänger Freddie Mercury ist auf „Thank God It’s Christmas“ zu hören. Drummer Roger Taylor schrieb den Hauptteil des Songs, aber bat May um Hilfe beim Refrain. 1984 erschien das Lied, allerdings ohne Video. Für May der Grund dafür, dass „Thank God It’s Christmas“ weniger populär als andere Weihnachtshits ist.

Voriges Jahr haben Taylor und May deshalb ein animiertes Video nachgereicht. Dass der Song aber schon bei der Erstveröffentlichung unter den Erfolgserwartungen blieb, lag an der dominanten Konkurrenz. 1984 erschien nämlich auch „Do They Know It’s Christmas“. Bei der „Band Aid“-Benefizinitiative von Bob Geldof und Ultravox-Sänger Midge Ure waren alle damaligen Top-Stars der britischen Szene vereint, die Single stieg auf Platz eins der britischen Charts ein und wurde allein in den ersten elf Tagen 1,9 Millionen Mal verkauft.

Auch 36 Jahre danach steigt der Song immer noch jedes Jahr zu Weihnachten in die Charts der ganzen Welt ein, weshalb Ure und Geldof, die Autoren von „Do They Know It’s Christmas“, immer noch den „Band Aid Trust“ leiten.

„Obwohl wir schon lange nicht mehr aktiv um Spenden geworben haben, kommt immer noch permanent Geld rein“ erklärt Madge Ure. „Noch können Bob und ich das machen. Aber ich bin jetzt 67, Bob etwas älter. Wir werden in den nächsten Jahren entscheiden müssen, wie wir mit diesem Nachlass umgehen. Denn wir haben damals geschworen, dass jeder gespendete Cent direkt nach Afrika geht. Wir hatten nie ein Büro, nie eine Sekretärin, nie ein Telefon. Wir haben uns das immer irgendwo ausgeborgt. Also können wir Band-Aid nicht einfach an eine andere etablierte Benefiz-Organisation übergeben, weil die alle massive Kosten für ihre Verwaltung haben.“

Wie viel mit „Do They Know It’s Christmas“ jährlich eingenommen wird, ist unterschiedlich. Aber Ure gibt ein Beispiel: „2013 haben sie den Song für eine Episode der TV-Serie ,Glee’ neu aufgenommen. Alleine das hat eine halbe Million Dollar gebracht.“

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