Kultur 29.11.2016

Was macht eine schwarze Tafel zum Kunstwerk?

Guido Kucsko, The Beauty of Intellectual Property: Blick in die Ausstellung

Künstler und Anwalt Guido Kucsko zeigt Experimente zur "Schönheit geistigen Eigentums".

Ein schwarzes Rechteck. Daneben noch eines. „Plagiats-Diptychon“ lautet der Titel dieses Kunstwerks, doch was ist hier das Original, was ist das Plagiat? Wer hat hier wen abgekupfert? Schließlich hat doch ein und dieselbe Person beide Tafeln angefertigt.

Im Dachgeschoß des Hauses Marc-Aurel-Straße 2 in der Wiener City hängen mehrere Rechtecke an der Wand – groß und klein, dick und dünn, glatt und rau. Das Atelier von Guido Kucsko steht bis 23. Dezember für Besucher offen: Unter dem Titel „The Beauty of Intellectual Property“ ist hier ein Denkraum entstanden, in dem akute Fragen über Kunst und Kreativität äußerst pointiert vermittelt werden.

Doppelter Blick

Guido Kucsko ist Künstler und zugleich Anwalt und Uni-Professor für geistiges Eigentum. Das Projekt, das er mit dem Kurator Marcello Farabegoli entwickelte, bringt mehrere Denkstränge zusammen: Anhand der Tafeln zeigt Kucsko Erscheinungsformen „geistigen Eigentums“ und demonstriert, dass der Kunstbetrieb und das Gesetz dieses nicht immer gleich definieren.

Ausgangspunkt der Werkserie war eine Tafel, auf die Kucsko die Umrisslinie eines Eies zog, ohne die Tafel zu berühren. So steht es im beiliegenden Text – glauben muss man es dem Künstler nicht. Hat er wirklich? Wodurch wird eigentlich ein Ding zur Kunst, durch eine Idee oder ein materielles Zeichen?

Auf einer anderen Tafel ist die Frage „Is my handwriting a piece of art?“ geschrieben: Juristisch gesehen haben Handschriften „keinen Werkcharakter“, auch wenn man gern von einer „künstlerischen Handschrift“ spricht.

Ganz klar unklar

Die Klarheit von Kucskos Anordnungen ist ungewöhnlich – jene Kunstdiskurs-Kreise, in denen das Vokabel „didaktisch“ als Schimpfwort gebraucht wird, könnten es ihm vielleicht anlasten. Kucsko selbst bezeichnet es allerdings als Anliegen, zu zeigen, „dass zeitgenössische Kunst nicht abgehoben ist, sondern aktuelle Fragen stellt“: Wer sich für die Beschaffenheit geistigen Eigentums interessiert, wird ihm gerne folgen.

Info

Besuch bis 23.12.2016 nach Vereinbarung: anmeldung(at)marcello-farabegoli.net, 0660–143 52 54.

( kurier.at ) Erstellt am 29.11.2016