Was macht eine schwarze Tafel zum Kunstwerk?

Guido Kucsko, The Beauty of Intellectual Property …
Foto: /Marcello Farabegoli Projects Guido Kucsko, The Beauty of Intellectual Property: Blick in die Ausstellung

Künstler und Anwalt Guido Kucsko zeigt Experimente zur "Schönheit geistigen Eigentums".

Ein schwarzes Rechteck. Daneben noch eines. „Plagiats-Diptychon“ lautet der Titel dieses Kunstwerks, doch was ist hier das Original, was ist das Plagiat? Wer hat hier wen abgekupfert? Schließlich hat doch ein und dieselbe Person beide Tafeln angefertigt.

Im Dachgeschoß des Hauses Marc-Aurel-Straße 2 in der Wiener City hängen mehrere Rechtecke an der Wand – groß und klein, dick und dünn, glatt und rau. Das Atelier  von Guido Kucsko steht bis 23. Dezember für Besucher offen: Unter dem Titel „The Beauty of Intellectual Property“ ist  hier ein Denkraum entstanden, in dem akute Fragen über Kunst und Kreativität  äußerst  pointiert vermittelt werden.

Doppelter Blick

Guido Kucsko ist Künstler und zugleich Anwalt und Uni-Professor für geistiges Eigentum. Das Projekt, das er mit dem Kurator Marcello Farabegoli entwickelte, bringt    mehrere Denkstränge  zusammen: Anhand der Tafeln zeigt Kucsko Erscheinungsformen „geistigen Eigentums“ und demonstriert, dass  der Kunstbetrieb und das Gesetz dieses nicht immer gleich definieren.

Ausgangspunkt der Werkserie war eine Tafel, auf die Kucsko die Umrisslinie eines Eies zog, ohne die Tafel zu berühren. So steht es im beiliegenden Text – glauben muss man es dem Künstler  nicht. Hat er wirklich?  Wodurch  wird eigentlich ein Ding zur Kunst, durch eine Idee oder ein materielles Zeichen?

Auf einer anderen Tafel  ist die Frage „Is my handwriting a piece of art?“ geschrieben: Juristisch gesehen haben Handschriften „keinen Werkcharakter“, auch wenn man gern von einer „künstlerischen Handschrift“ spricht.

Ganz klar unklar

Die Klarheit von Kucskos Anordnungen ist ungewöhnlich –  jene Kunstdiskurs-Kreise, in denen das Vokabel „didaktisch“ als Schimpfwort  gebraucht wird, könnten es ihm vielleicht anlasten. Kucsko selbst bezeichnet es allerdings als  Anliegen, zu zeigen, „dass zeitgenössische Kunst nicht abgehoben ist, sondern aktuelle Fragen stellt“: Wer  sich für die Beschaffenheit geistigen Eigentums interessiert, wird ihm gerne folgen.

Info

Besuch bis 23.12.2016 nach Vereinbarung:  anmeldung(at)marcello-farabegoli.net, 0660–143 52 54.

(KURIER) Erstellt am
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