Beyonce

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Neue Macht
03/08/2017

Was Adele so erfolgreich und Beyoncé so mutig macht

Analyse. Popmusik ist weiblich – dort, wo sie innovativ ist oder noch gekauft wird

von Georg Leyrer

Das glücklichste Gesicht, das Manager im geprügelten Musikbusiness heutzutage machen können, überkommt sie wohl beim Gedanken an Popsängerin Adele.

Diese verzeichnet nämlich Verkäufe, die wie aus der Zeit gefallen zu sein scheinen. So war sie auch mit dem neuen Album "25" Nummer eins der US-Charts – und verkaufte dort phasenweise so viel wie alle anderen neun Künstler der Top 10 zusammen.

Das ist gut für die Manager von Adele – und natürlich ein Zeichen, wie mies es dem Musikverkauf sonst geht (2016 verkaufte erstmals kein Album mehr als zwei Millionen Tonträger). Vor allem aber ist es logisch. Denn Adele steht punktgenau für jene Bevölkerungsgruppe, die noch Popmusik kauft. Das sind nämlich zum größten Teil Frauen zwischen Mitte 20 und Mitte 40.

Und die Buben?

Popmusik als etwas für männliche Teenager? Das war einmal. Die konsumieren heute radikal andere Medien – u.a. Games und YouTube – und hören Musik nebenbei, entweder im Streaming oder auf, sagen wir mal, alternativen, kostenfreien Plattformen. Sie werden, genau wie die jungen weiblichen Fans junger Acts – Miley Cyrus, Arianna Grande – den Weg zum Musikkauf nicht mehr finden.

Was heißt, dass der Pop dort, wo er gekauft wird, älter wird (die über 45-Jährigen sind insgesamt größte Kaufgruppe) – und weiblicher. Genau so wie übrigens der Kinofilm, dessen zahlender Besucher im Durchschnitt bereits über 40 ist.

60 Prozent der Fans des bestverkaufenden US-Stars, Taylor Swift, sind weiblich (und ein Drittel ist älter als 50). Und auch weitere Acts, die weibliches Publikum ansprechen, sind unter den meistverkaufenden zu finden, wie derzeit Ed Sheeran. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Branche. Aber noch erstaunlich wenig Auswirkungen auf die Vermarktungsstrategie der Labels. Die richten sich nämlich, analog zu den widersinnigen Werbezielgruppen im Fernsehen, absurderweise an junge Menschen – in der Hoffnung, dort noch formend in den Musikgeschmack eingreifen zu können. Der Markt liegt aber längst dort, wo Frauen nach Schule, Uni oder erstem Job eben stehen.

Und noch etwas fällt auf: Mit den zahlungsbereiten weiblichen Fans im Rücken gewinnen insbesondere weibliche Acts (abseits von Adele) auch jenen Mut zurück, den der Pop in seiner ganz eigenen Finanzkrise verloren hat. Während die geringere Aussicht auf finanziellen Erfolg bei vielen Popmusikern eher zum Kotau vor dem ganz breiten Publikum geführt hat (sprich: die Musik wurde fad und kantenfrei), zeigen Acts wie Beyoncé, M.I.A. oder, phasenweise, Lady Gaga Mut zum Innovativen, auch außerhalb des popmusikalischen Diensts nach Vorschrift.

Denn mit der veränderten Zielgruppe hat der Pop eine neue Funktion gewonnen: Einst war er ein Ventil des Aufbegehrens gegen die Altvorderen, denen man sich mit simplen Melodien, harten Gitarren oder Föhnfrisuren widersetzte. Jetzt aber kaufen eben diese Altvorderen die Popmusik, und zwar mitten in der Etablierungsphase ihres Lebens, mit Karriere, Beziehungsarbeit und Nachwuchsfragen. Und diese sehnen sich nicht so sehr nach Aufbegehren, sondern nach Verständnis (Adele) oder kurze Momente der Weltflucht, in denen man sich wie eine auf Händen getragene Königin fühlen kann (siehe Beyoncé, oben).

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