© FM4/Franz Reiterer

Kultur
12/12/2018

Wanda live in der Arena: Himmlisches Überraschungskonzert

Die Wiener spielten vor nur 1000 Zuschauern ein Heimspiel in der Arena - einfach, weil es allen riesigen Spaß machte.

von Brigitte Schokarth

„Ich bin schon im Himmel, ich will nicht mehr hin“, schreit Marco Wanda ins Publikum, bevor er „Schickt mir die Post“ anstimmt. In dem Song seiner Band Wanda wünscht er sich, schnell und bequem dorthin zu kommen. Aber das hier ist das FM4-Überraschungskonzert einer Band, die gewohnt ist, bei Festivals oder in der Stadthalle die Massen zu begeistern –  in einem exklusiven Rahmen für rund 1000 ausgewählte Zuschauer in der Wiener Arena. 

Jeder der hier ist, weiß, dass es ein Privileg oder zumindest ein exzeptioneller Zufall ist, dabei sein zu können. Entsprechend ist die Stimmung von Anfang an himmlisch.

Irgendwann sagt Marco: Das ist ein sehr spezielles Konzert! Warum es stattfindet, sagt er allerdings nicht dazu. Es gibt kein neues Produkt zu bewerben und es geht offenbar auch nicht um eine Weihnachtsfeier mit den Fans. Marco und seine Kumpels sind im Studio, das weiß man. Sie arbeiten an neuen Songs, die „etwas anders“ sein sollen. Doch diejenigen, die sich erhofften, hier schon einen oder auch mehrere der neuen Songs zu hören, werden enttäuscht. 

Wanda spielen all die üblichen Fan-Favoriten, die so mühelos erdigen, vorwärtsdrängenden Rock mit hintergründigen Texten verbinden, die raffiniert die Melancholie und Morbidität der Wiener Mentalität abbilden. 

„Luzia“ ist ein gewohnter Start-Song. „Bologna“, der erste große Wanda-Hit, kommt gleich danach an ungewohnter Stelle. Es stört nicht. Wanda haben inzwischen noch genug andere Hymen und Publikums-Favoriten für später. Und ein Stimmungsaufbau ist in der Arena eh nicht notwendig. Trotzdem, scheint es, würden Wanda heute extra stark Druck machen. Die Gitarren sind ein bisschen lauter und schroffer. Sogar Midtempo-Nummern wie „Auseinandergehen ist schwer“ oder „Gib mir Schnaps“ sind hier wuchtige Rocker. 

In der Euphorie des Moments brüllt und kreischt Marco dabei vielleicht eine Spur zu viel. Ansonsten ist er aber ganz der gewohnt wortkarge Frontmann, der zwischen grandioser Rocker-Pose und Wiener Pfeif-drauf-Attitüde pendelt und sein Publikum, das wahlweise das Schatzi oder das Baby ist, mit ein bisschen Kopfnicken und Wedeln mit den Handgelenken dirigieren kann.

Leider fehlen in der Arena ein paar besinnlichere Stellen, wie etwa „Ich sterbe“ oder „Ein letztes Wienerlied“, die auf der jüngsten Tour mit Streichern zelebriert wurden und grandiose Momente lieferten. Dafür aber gibt es seltener Live-Gehörtes wie „Kairo Downtown“.

Auch wenn das anfangs nicht möglich schien, steigt die Stimmung bei „Meine beiden Schwestern“ und „Columbo“ noch mal an. Und dann ist es auch viel zu früh schon fast vorbei. 

Wanda legen in der Zugabe noch „Bussi Baby“ und eine extra lange Version vom Abschieds-Song „1,2,3,4“ drauf. Mit „Bleibt’s wie ihr seids, wir sehen uns wieder“ und einem stolzen „Das ist mein Wien“ verabschiedet sich Marco. Einen konkreten Anlass für das „sehr spezielle Konzert“ nennt er auch da nicht. Warum auch? Einen Abend lang so viel Spaß zu haben, sollte ja auch keinen speziellen Anlass brauchen. 

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