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Kultur
10/28/2019

Viennale: Roadtrip durch Lateinamerika

Widerständige kolumbianische Bauern, ein argentinischer Butler und eine wilde Tänzerin aus Chile stehen auf dem Programm.

Das erste starke Wochenende hat das Wiener Filmfestival Viennale bereits hinter sich, aber Menschen mit Tagesfreizeit können sich auch unter der Woche bereits ab dem späten Vormittag munter ins Filmprogramm stürzen. Dass Viennale-Chefin Eva Sangiorgi eine besondere Liebe für das lateinamerikanische Kino hat, lässt sich unschwer am Programm nachvollziehen.

So eröffnet das Metro Kino am Montagvormittag als erstes seine Pforten und zeigt einen Film aus der Programmschiene Historiografie/Re-Writing History through Cinema. Diese widmet sich restaurierten Arbeiten aus der jüngeren Filmgeschichte und präsentiert ein zentrales Werk des politischen Kinos Lateinamerikas: „Nuestra voz de tierra, memoria y futura/Our voice of Earth, Memory and Future“ (1981) von Marta Rodriguez und Jorge Silva befasst sich mit der jahrhundertelangen Unterdrückung der Bauern und der indigenen Bevölkerung Kolumbiens, die mit den spanischen Eroberern unter dem Kreuz der katholischen Kirche ihren Anfang nahm.

Rodriguez und Silva berichten über den unermüdlichen Widerstand der Menschen und beziehen in ihre Arbeit die indigene Bevölkerung ein, mit der sie über längere Zeit zusammen lebten. Unter deren Einfluss bekam ihr Film ein visuell markant verändertes Konzept (Montag, 11.00 Uhr, Metrokino).

Wer in Lateinamerika verweilen will, kann im Metrokino gleich sitzen bleiben und im Rahmen des Programms „Brasilien entflammt!“ eine Station auf der „Roadmap des brasilianischen Kinos“ besuchen: Der brasilianische Dokumentarfilmemacher Joào Moreira Salles begann im Jahr 1992 das Porträt des Butlers „Santiago“ – so auch der Filmtitel – zu drehen. Der Argentinier arbeitete 30 Jahre lang als Butler im Haushalt von Salles’ Familie in Rio de Janeiro. Nachdem Salles über Tage mit dem damals 80-jährigen gedreht hatte, entschied er, dass er seinen Film nicht beenden könnte. Er legte das Material beiseite und finalisierte den Filmschnitt erst im Jahr 2005. Heraus kam ein faszinierender, selbstreflexiver Film, der genauso viel über den Filmemacher selbst wie auch das Subjekt seiner Dokumentation erzählt (Montag, 13.30 Uhr, Metrokino).

Flammenwerfer

Einer der Hauptfilme aus dem montäglichen Abendprogramm stammt von dem chilenischen Regisseur Pablo Larraín („Jackie“, „Neruda“): Mit seinem bizarren Porträt einer jungen Frau namens „Ema“ erweist sich Larraín einmal mehr als der unberechenbare Regisseur, der er ist: Ema ist eine anarchische Tänzerin, die am liebsten einen Street Style namens Reggaeton tanzt und gerne mit Flammenwerfern Autos abfackelt.

Gleichzeitig ist Emas Leben total aus den Fugen: Mit ihrem Mann, einem Choreografen – gereizt gespielt von dem mexikanischen Star-Schauspieler Gael García Bernal – verbindet sie bestenfalls Hass-Liebe. Außerdem hat Ema das Sorgerecht für ihren Adoptivsohn verloren, was sie zu frenetischen Gegenmaßnahmen greifen lässt.

Newcomerin Mariana Di Girolamo spielt Ema mit einer ungebremsten Energie, mit der sie ihr gesamtes Umfeld elektrisiert – sowohl tänzerisch wie auch sexuell. Gerade die exzessiven Tanzsequenzen offenbaren viel von der Faszination, die Larraín für seine Hauptfigur hegt. Die Handlung – von der es nicht übermäßig viel gibt – nimmt seltsame Wendungen. Doch es ist vor allem der pulsierende Rhythmus, der den Film vor sich hertreibt und konstant Spannung erzeugt (Montag, 20.45 Uhr, Gartenbau, 2. 11., 23.45 Uhr Gartenbau).

Einen spannenden Einblick in lateinamerikanisches Kino bietet auch der Brasilianer Kleber Mendonca Filho mit seinem schrägen Sci-Fi-Western „Bacurau“. Die Bevölkerung eines Dorfes wehrt sich in dieser bitterbösen Politsatire gegen blutrünstige Eindringlinge: Stark besetzt mit der tollen Sônia Braga und einem – wie immer – sinistren Udo Kier (Dienstag, 20.30 Uhr Gartenbau, Mittwoch, 23.00 Uhr Gartenbau).

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