Viel Unfrieden statt letzter Ruhe: Neue Comedyserie "Drunter & Drüber"

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Nicholas Ofczarek und Julia Jentsch sind die Stars einer Produktion, die der ORF von Prime übernahm.

Heute, Montag, ist nicht nur die Free-TV-Premiere für die Miniserie „Drunter & Drüber – Chaos auf dem Friedhof“. Neu ist auch, dass der ORF eine für Prime Video produzierte Serie übernimmt. Womöglich liegt das auch an der prominenten Besetzung mit vielen Schauspielern aus Österreich. Allen voran Nicholas Ofczarek.

Sein Heli Wondratschek ist ein Pedant. Er kennt die Friedhofsordnung auswendig und reitet auf deren Paragrafen herum. Als sein Vorgesetzter am Donnersbacher Friedhof von einer Statue erschlagen wird, sieht er seine Chance gekommen: Endlich Chef! Doch er hat die Rechnung ohne das Stadtamt gemacht, das ihm Ursula Fink (Julia Jentsch) – bisher zuständig für Kinderspielplätze und Hundeparks – vor die Nase setzt. Sehr zum Wohlwollen der Belegschaft, die den umsichtigen Führungsstil der Novizin schätzt. Wondratschek hingegen lässt im ersten unbeachteten Moment einen Schrei des Entsetzens über den idyllisch gelegenen Gottesacker erschallen.

Drunter & Drüber - Chaos auf dem Friedhof

Der Wiener Ofczarek sagte im Rahmen des Serienstarts bei Amazon über dieses ungleiche Duo: „Wir haben eine Frau, die sozial verbindend ist, und einen Mann, der sozial sehr inkompatibel ist. Du musst in einer verantwortungsvollen Position aber auch unangenehme Entscheidungen treffen, das ist schwierig, aber als Konfliktpotenzial in einer Serie natürlich wunderbar.“

Rührend

Seine deutsche Kollegin Jentsch fand es „sogar ein bisschen rührend, wie sie sich trotz ihrer Unfähigkeit bemühen, fehlende Kompetenzen zu erlernen. Ursula wird zwar da hin gehievt, aber sie ist irgendwann auch in der Lage, sogar unangenehme Dinge zu verkünden.“

Vor allem fällt es ihr schwer, mitzuteilen, dass dem Friedhof Donnersbach das Aus droht, weil er zu wenig rentabel sei. Das Duo muss sich zusammenraufen, um mit kreativen Methoden die Attraktivität des Angebots zu heben. Die Tollpatschigkeit Finks und die Kleinkariertheit Wondratscheks, der mit dem Golfwagerl zwischen den Gräbern herumkurvt, sorgen dabei für Chaos und schräge, auch schwarzhumorige Momente. Unterstützend wirken eine Begräbnisgeigerin (Johanna Orsini-Rosenberg) mit Angst vor öffentlichen Auftritten, eine Floristin mit Friedhofsphobie (Ella Lee) und ein Steinmetz (Harald Windisch), der Sprüche wie „Jetzt isser tot!“ eingraviert.

Urkomisch ist der Moment, als Wondratschek realisiert, dass ihm Fink den Job weggeschnappt hat. Da frieren dem Düpierten die Gesichtszüge ein. Ofczarek sagt dazu: „Regisseur Christopher Schier und ich hatten die Übereinkunft, dass er in gewissen Momenten ein ,Ice Face‘ haben muss: Das heißt, ich kann in dem Gesicht keine Reaktion lesen, kann dafür als Zusehender etwas draufprojizieren, das hast du auch bei Buster Keaton.“

Jentsch habe es geliebt, „selbst in das Ice Face hineinzublicken, weil man sich vorstellen kann, was an Vulkan sich da drunter abspielen könnte oder auch das Nichts.“

Als Drama gespielt

Die beiden haben schon in drei Staffeln der Sky-Thrillerserie „Der Pass“ miteinander geglänzt. Dort spielte der Tod auch eine Rolle, aber in „Drunter und Drüber“ können sie ihre komödiantischen Seiten so richtig ausleben.

„Komödien spielt man immer als Drama“, sagte Ofczarek. „Man lacht über Grenzüberschreitungen, also muss man auch Grenzüberschreitungen spielen. Wir haben das genauso ernsthaft gespielt wie in ,Der Pass‘. Wahnsinnig lustvoll und komisch ist das Komödie-Spielen ja nicht. Es mag dann so erscheinen, aber es ist eher Knochenarbeit.“

Drunter & Drüber

Eine Arbeit, die Jentsch Freude bereitet hat: „Als sich unser Dreh zur dritten ,Pass‘-Staffel dem Ende zu neigte, war ich voll des Bedauerns, dass es jetzt vielleicht vorbei ist mit dem gemeinsamen Spielen. Daher habe ich mich sehr gefreut über diese erneute Zusammenarbeit in einem völlig anderen Setting.“

Auch der Dreh auf dem Hernalser Friedhof war eine Abwechslung. „Ich hab es sehr genossen, in der Atmosphäre dieser riesigen parkähnlichen Anlage arbeiten zu können“, sagte Jentsch. Ofczarek hingegen fand es „ein bisschen befremdlich, an so einem Ort zu drehen. Umso überraschender war es, dass die Friedhofsleitung das alles ermöglicht hat. Wir haben immer unterbrochen, wenn eine Beerdigung war, aus Respekt. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich in diesem Beruf an alles, auch an diesen täglichen Arbeitsplatz. Absurd ...“

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