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Kultur
12/05/2011

Venedig: Preise für "Faust" und rastlose Seelen

Der Film "Faust" von Alexander Sokurow hat den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig gewonnen.

Es war das Festival der verlorenen und getriebenen Seelen. Beim 68. Internationalen Filmfest Venedig gab es mit Stars wie George Clooney, Kate Winslet, Matt Damon und Keira Knightley zwar eine große Dichte an Promis, doch die mussten in ihren Filmen meist sehr leiden. Daran kam auch die Jury nicht vorbei: Sie vergab am Samstagabend die Preise vor allem an Werke, in denen Menschen schmerzhaft ihren Weg im Leben suchen müssen. Der Hauptpreis, der Goldene Löwe, ging an die "Faust"-Verfilmung des Russen Alexander Sokurow, in dem der Steirer Johannes Zeiler in der Titelrolle und der Wiener Georg Friedrich als Wagner zu sehen sind. Der deutschstämmige Michael Fassbender gewann die Auszeichnung als bester Darsteller. Michael Glawogger wurde für seine Doku "Whore's Glory" im Zweitwettbewerb Orizzonti mit dem Spezialpreis der Jury bedacht.

Sokurows "Faust"

In "Faust" lässt Sokurow ("Russian Ark", "Moloch") seine Helden durch eine düstere Umgebung wandern, auf der Suche nach Glück, Geld, Sex und dem Sinn im Leben. Der 60-jährige Regisseur legte mit dem auf Deutsch gedrehten Werk eine sehr freie Adaption der gleichnamigen Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe vor. Dafür verpflichtete er neben Zeiler und Friedrich auch mehrere deutsche Schauspieler wie Hanna Schygulla und Florian Brückner. Die rastlose Wanderung seiner Hauptfigur tauchte er in düstere, meist braun- oder grünlich-getränkte Bilder.

Bei den Kritikern wurde der Film allerdings kontrovers aufgenommen. Während die einen Sokurows visuelle Umsetzung lobten, durch die die Zuschauer förmlich in die Goethezeit mit all ihrem Elend und Schmutz versetzt würden, kritisierten andere die Inszenierung als behäbig und als unzugängliches Kunstkino.

Fassbender für "Shame" geehrt

Bei einem der Preisträger waren sich dann aber wieder die meisten einig: Michael Fassbender, Sohn eines Deutschen und einer Irin, wurde für seine herausragende Leistung in dem Film "Shame" geehrt. Darin spielt der 34-Jährige, der seinen ersten großen Auftritt in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" hatte, einen Mann, der ständig auf der Suche nach neuen Sexpartnern ist. Doch dann kommt seine Schwester zu Besuch, und er muss lernen umzudenken.

Die Geschichte eines Sexsüchtigen mag wenig originell klingen, und doch ist es Fassbender, der diesem Film zu Stärke verhilft. Denn als der eigentlich vor Selbstbewusststein strotzende New Yorker mit der Leere seines Lebens konfrontiert wird, meistert Fassbender diesen Spagat scheinbar mühelos. Diesen verunsicherten Charakter, der eben noch jede Frau mit nur einem Blick verführen konnte, und der jetzt auf den Zusammenbruch zusteuert - den verkörpert der 1977 in Heidelberg geborene Fassbender äußerst glaubwürdig.

Erfolg für zwei Chinesen

Neben den Deutschen konnten sich vor allem zwei Chinesen über Ehrungen des weltweit ältesten Filmfestivals freuen. So ging der Silberne Löwe für die beste Regie an den Regisseur Cai Shangjun. Sein Drama "People Mountain People Sea" basiert auf wahren Begebenheiten und beschreibt die Suche eines einfachen Mannes nach dem Mörder seines Bruders. "People Mountain People Sea", als Überraschungsfilm erst während der Festspiele bekanntgegeben, berührte die Zuschauer nicht nur damit, dass er angeblich an der chinesischen Zensur vorbeigeschmuggelt wurde, sondern außerdem mit seinen realistisch anmutenden Bildern aus den Armenvierteln einer chinesischen Großstadt.

Die Chinesin Deanie Ip konnte sich bei dem von starken Männerrollen dominierten Wettbewerb als beste Schauspielerin durchsetzen. Sie gab in dem bewegenden Drama "A Simple Life" eine alte Dame, die Jahrzehnte lang für eine wohlhabende Familie als Hausmädchen gearbeitet hat. Dann kommt sie in ein Altersheim, in dem die älteren Menschen unter teils schwierigen Bedingungen leben. Doch sie lässt sich nicht kleinkriegen, sie kämpft weiter. Dabei hilft ihr vor allem die zarte, aber innige Beziehung zu ihrem Ziehsohn, für den sie zuletzt gearbeitet hat. Genau dieses Zusammenspiel der Beiden sorgte dann auch für immerhin etwas Optimismus in dem sonst so rauen, aber durchaus starken und vielseitigen Wettbewerb.

Jurypreis für Michael Glawoggers "Whore's Glory" in der Nebenreihe Orizzonti

Bereits vor der glanzvollen Gala am Abend konnte sich der österreichische Regisseur Michael Glawogger am gestrigen Nachmittag über seine Auszeichnung im Orizzonti-Wettbewerb freuen. Die Jury lobte seine Dokumentation über Prostitution, habe er doch "die älteste Profession als Spiegel eines globalen Labyrinths aus Sex und Kommerz mit erstaunlicher visueller Eloquenz und Präzision" eingefangen. "Ich würde diesen Preis gerne heute nach Thailand, Bangladesch und Mexiko tragen, um den Frauen zu zeigen, wie außergewöhnlich das ist, was sie mir mit auf den Weg gegeben haben. Und dass sie wahrgenommen und verstanden werden", erklärte Glawogger anlässlich der Überreichung der Auszeichnung. Ebenfalls geehrt wurde Josef Dabernigs 15-minütiger Kurzfilm "Hypercrisis": Das Werk des in Wien lebenden Künstlers wurde von der Orizzonti-Jury für den Europäischen Filmpreis nominiert.

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